IPV Branchenumfrage 2019
Gute Geschäftserwartungen, Sorge um überzogene Bürokratie

05.03.2019 Wie geht es der Branche? Was bewegt die Betriebe zum Beginn des neuen Jahres? Traditionell erhebt der IPV Industrieverband Papier- und Folienverpackung Ende Januar die aktuellen Zahlen seiner Mitgliedsunternehmen zum neuen Geschäftsjahr.

„Das meinen die Mitgliedsbetriebe zu den Herausforderungen des neuen Verpackungsgesetzes.“
© Foto: IPV
„Das meinen die Mitgliedsbetriebe zu den Herausforderungen des neuen Verpackungsgesetzes.“
Der Verband spricht seit 70 Jahren für die Unternehmen, die Tüten, Beutel, Tragetaschen und Automatenrollen aus den Materialien Papier, Kunststoff und Materialkombinationen herstellen. Auch Hersteller von Servietten und Tischdecken aus Zellstoff sowie deren Zulieferfirmen werden durch den IPV vertreten. Die 2019er Umfrage wurde nun veröffentlicht. Neben guten Geschäftserwartungen sind die Probleme mit dem neuen Verpackungsgesetz und der schwierige Fachkräftemarkt bestimmende Themen.

 

Branche schaut „moderat“ optimistisch ins neue Geschäftsjahr


Im Ergebnis geht eine deutliche Mehrheit der Verbandsmitglieder (80 Prozent) von einer höheren Umsatzrendite aus. Differenzierter ist die Einschätzung, wenn man nach der Umsatzentwicklung fragt. 40 Prozent erwarten auch hier eine Steigerung, indes gehen aber auch 20 Prozent davon aus, dass sich ihr Umsatz verschlechtern wird. Zehn Prozent der Befragten erwarten im kommenden Jahr gar, dass sich die Geschäfte grundsätzlich verschlechtern werden. Viele erwarten, dass es im Bereich des Rohstoffs Papier eine Preissteigerung geben wird. Auch Löhne, Fracht- und Transportkosten werden sich 2019 als deutlicher Kostenfaktor bemerkbar machen.

 

Fachkräftemangel bekämpfen durch Information und Quereinstieg


Auf die Anzahl der Beschäftigten hat das wenig Einfluss. Die meisten Betriebe (60%) erwarten mit einer ähnlich starken Belegschaft wie 2018 zu arbeiten, 30 Prozent planen sogar eine Aufstockung ihrer Mitarbeiterzahl. Dabei stellt der Schwierigkeit der qualifizierten Besetzung ein großes Branchenproblem dar. „70 Prozent unserer Mitgliedsbetriebe geben an, dass sie einen aktuellen Mangel an Fachkräften haben“, erklärt Karsten Hunger, IPV Geschäftsführer. „Der Verband hat aus diesem Grund eine neue Ausbildungskampagne gestartet und wird gezielt Kontakt zu den Berufsberatern an den Schulen suchen. Ziel ist es, Jugendlichen die Berufschancen als Medien- oder der Packmitteltechnologe näherzubringen.“ Ein Großteil der Betriebe kann seine Ausbildungsplätze schon jetzt – mangels Bewerber – nicht mehr umfänglich besetzen. Die Branche setzt deshalb auch auf die Anwerbung von Quereinsteigern. Das Lohn- und Gehaltsniveau in der papier- und folienverarbeitenden Industrie ist gut. Die monatlichen Bruttolöhne und die Gehälter haben sich nach Angaben des HPV (Hauptverband Papier- und Kunststoffverarbeitung, Berlin) im ersten Halbjahr 2018 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2,4 Prozent erhöht. Die durchschnittlichen Bruttolöhne und Gehälter der Branche belaufen sich auf 3.360 €. Dennoch ist es aufgrund des „leergefegten“ Arbeitsmarktes schwer, neue Mitarbeiter für die Branche zu gewinnen.

Weniger Bürokratie beim neuen Verpackungsgesetz gefordert

„Große Herausforderungen der Branche liegen auch in der Bewältigung der bürokratischen und verwaltungsrechtlichen Anforderungen“, führt Hunger weiter aus. Immerhin jeder zweite Betrieb gibt an, vom neuen Verpackungsgesetz stark oder sogar sehr stark betroffen zu sein. Innerhalb der Unternehmen gibt es auch zwei Monate nach dem Start des Gesetzes reichlich Unklarheiten und Verunsicherungen.“


Fragt man nach den Problemen des neuen Gesetzes, die sich auf die IPV-Mitgliedsbetriebe auswirken, geben 36 Prozent das Thema Delegierung bei Serviceverpackungen an. Bei Serviceverpackungen hat der „Abfüller“ die Wahl selbst die Lizenzierung vorzunehmen oder diese an den Händler oder den Vorlieferanten zu delegieren. Für 24 Prozent ist die zentrale Registrierungsstelle ein Thema. Jeder Hersteller eines verpackten Produkts, das beim privaten Endverbraucher landet, muss die dafür verwendete Verpackung bei einem dualen System lizenzieren und sich in einem neu eingerichteten zentralen Register anmelden. Der Gesetzgeber möchte so kontrollieren, ob die Inverkehrbringer ihre Verpackungsmengen gesetzeskonform für das Recycling angemeldet haben. Der IPV warnt vor einer überzogenen Bürokratie, die besonders für kleinere und mittelständische Unternehmen der Branche nur schwer umzusetzen ist und zu erheblichen Mehraufwand führt.

www.ipv-verpackung.de

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