Deutsches Verpackungsinstitut e.V.
Verpackung? Deutschland hat wenig Ahnung

13.06.2018 Laut einer Umfrage traut sich die Mehrheit der Bundesbürger keine objektive Beurteilung von Verpackungen zu und beklagt Informationsdefizite. Das Deutsche Verpackungsinstitut veröffentlicht zum „Tag der Verpackung 2018“ Handlungsempfehlungen für Handel, Produkt- und Verpackungshersteller.

Produkthersteller und Markenartikler müssen Verpackung als das verstehen, was sie ist: Ein Teil des Produkts.
© Foto: Deutsches Verpackungsinstitut e.V.
Produkthersteller und Markenartikler müssen Verpackung als das verstehen, was sie ist: Ein Teil des Produkts.
Laut einer Umfrage von TNS-Infratest im Auftrag des Deutschen Verpackungsinstituts e. V. (DVI) aus Anlass des 4. Tags der Verpackung interessieren sich 92,2 Prozent der Bundesbürger für das Thema Verpackung. Eine absolute Mehrheit von 57,3 Prozent fühlt sich allerdings persönlich gar nicht oder nicht ausreichend informiert, um wichtige Aspekte einer Verpackung objektiv beurteilen zu können. Mehr und bessere Informationen erwartet diese Gruppe insbesondere vom Handel (23,5 Prozent), von Verpackungsherstellern (22,6 Prozent) und Produktherstellern (21,7 Prozent).

 

Kommentar des DVI


Thomas Reiner, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Verpackungsinstituts e. V. in Berlin: „Es kommt sehr häufig zu teils gravierenden Fehleinschätzungen und Fehlhandlungen in Bezug auf Verpackungen. Das liegt hauptsächlich daran, dass die Bürger nicht ausreichend über wichtige Aspekte einer Verpackung wie beispielsweise Funktion, Ökobilanz und Recyclingfähigkeit informiert sind. Dass sie dieses Informationsdefizit erkennen, ist nicht selbstverständlich und sollte für die beteiligten Kreise ein Auftrag sein. Der Bürger hat ein Recht auf verlässliche Informationen, um selber richtige Entscheidungen bei Einsatz von Verpackungen treffen zu können. Dafür brauchen die Konsumenten mehr Transparenz und bessere Informationen. Dass dafür insbesondere Produkthersteller, Verpackungshersteller und der Handel in die Pflicht genommen werden, begrüßen und unterstützen wir als Deutsches Verpackungsinstitut ausdrücklich. Wir setzen uns für mehr und bessere Information ein. Und wir bieten unsere Expertise an, um die richtigen Lösungen schnell zu finden.“

Thomas Reiner, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Verpackungsinstituts e. V. in Berlin: „Es kommt sehr häufig zu teils gravierenden Fehleinschätzungen und Fehlhandlungen in Bezug auf Verpackungen." © Foto: Deutsches Verpackungsinstitut e.V.
Thomas Reiner, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Verpackungsinstituts e. V. in Berlin: „Es kommt sehr häufig zu teils gravierenden Fehleinschätzungen und Fehlhandlungen in Bezug auf Verpackungen."


Handlungsempfehlungen für Produkthersteller


Produkthersteller und Markenartikler müssen Verpackung als das verstehen, was sie ist: Ein Teil des Produkts. In dem Maße, wie sie über das Produkt informieren, müssen sie auch über seine Verpackung informieren.

Bessere Information zur Verpackung: Während jedes Produkt ausführlich über Herkunft, Zusammensetzung, Inhaltsstoffe, Kalorien, Nährwerte oder Allergene informiert und in vielen Fällen auch Anleitungen zum richtigen Handling und der richtigen Entsorgung gibt, bleibt die Verpackung eine Informationswüste. Hier braucht es im gleichen Maß transparente Informationen.

Mehr Transparenz beim Materialeinsatz: Eine Verpackung muss ehrlich und kritisch Auskunft geben über ihren Zweck, ihre Ökobilanz, verwendete Materialien und ihre Fähigkeit zum Recycling inklusive einer klaren Handlungsanweisung.

 

Handlungsempfehlung für Verpackungshersteller


Informationen für alle besser zugänglich machen: Verpackungshersteller müssen ihrer gestiegenen Bedeutung und Verantwortung gerecht werden. Fakten sollten objektiv aufgearbeitet und zugänglich gemacht werden. Es gilt, über die eigenen Produkte ehrlich und objektiv zu informieren, und zwar nicht nur die eigenen Kunden, sondern auch die breite Öffentlichkeit. Die Unternehmen der Verpackungsbranche erwirtschaften mit rund 500.000 Beschäftigten in Deutschland und Österreich eine Gesamtleistung von über 50 Milliarden Euro.

Globale Verpackungsverantwortung ernst nehmen: Es gibt keine Alternative dazu, sich der Verantwortung, auch im globalen Rahmen, zu stellen. Wer auf dem Weltmarkt agiert,  muss auch marktgerecht und verantwortlich über Verpackungen informieren.

 
Handlungsempfehlung für den Handel:

Den direkten Draht zum Verbraucher besser nutzen: Der Handel besitzt einen sehr direkten Zugang zum Konsumenten. Diesen muss er viel stärker nutzen und eine aufklärende Rolle übernehmen - verbunden mit konkreten Lösungen. Die haushaltsnahe Sammlung gebrauchter Verpackungen über den gelben Sack hat den Nachteil, dass erst wieder mühsam sortiert werden muss, was vorher zusammengeworfen wurde.
Recycling-Lösungen selber vorantreiben: Beispiel PET. Eine unmittelbare Rücknahme durch den Handel, wie wir es am Beispiel von PET-Flaschen sehen, führt zu einer ungleich höheren Sortenreinheit der eingesammelten Verpackungen. Das Recycling kann dann sehr viel einfacher, effizienter und nachhaltiger erfolgen. Auch wenn das nicht für jede Art von Verpackung machbar ist, so bieten sich doch genügend Möglichkeiten, beispielsweise im Bereich von Trays, Schalen und Bechern aus Kunststoff.

Fazit

„Wenn Verpackungen in der Regel falsch beurteilt und diskriminiert werden, liegt das nicht zuletzt an unseren eigenen Versäumnissen. Daraus müssen alle Marktteilnehmer lernen. Denn nur aufgeklärte Verbraucher können richtig mit der Verpackung umgehen, Kreisläufe schließen und Entscheidungen bewusst treffen“, kommentiert Thomas Reiner die Handlungsempfehlungen.

www.verpackung.org

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