Koehler Group
Jubiläum 85 Jahre Spielkartenkarton von Koehler

17.01.2019 Vor 85 Jahren begann Koehler mit der Produktion von Spielkartenkarton. Seitdem hat sich einiges verändert. Neue Papier- und Streichmaschinen sind hinzugekommen, neue Märkte wurden erschlossen und auch den einen oder anderen Hype hat Koehler miterlebt. Aber eines hat sich nicht verändert: Aus Oberkirch kommt nur die allerbeste Qualität für die größten Kasinos der Welt.

Spielkarten von den „Vereinigten Altenburger und Stralsunder Spielkartenfabriken“ aus der Zeit um 1930.
© Foto: Koehler Group
Spielkarten von den „Vereinigten Altenburger und Stralsunder Spielkartenfabriken“ aus der Zeit um 1930.
Tradition bringt es mit sich, dass es hin und wieder etwas zu feiern gibt. Kann man auf eine derart lange und bewegte Unternehmensgeschichte blicken, wie das bei Koehler der Fall ist, so reihen sich die Jubiläen aneinander wie die Perlen an der Halskette der Karo Dame eines traditionellen Pokerspiels. Koehler gehört zu den weltweit wichtigsten Herstellern des Papiers für diese und andere Kartenspiele.

Vor 85 Jahren: Die Streichmaschine 1 nimmt den Betrieb auf

2019 feiert Koehler das 85. Jubiläum. So lange ist es her, seit am Standort in Oberkirch im Jahre 1934 die erste Streichmaschine, die so genannte Streichmaschine 1, angeschafft wurde, die es dem Unternehmen ermöglichte, den einseitig gestrichenen Spielkartenkarton zu produzieren. Es handelte sich um eine Bürstenstreichmaschine mit Hängetrockner. „Wie bei vielen technischen Errungenschaften hat man erst einmal imitiert, was man vorher von Hand gemacht hat“, erklärt Hartmut Felsch, Werkleiter bei Koehler in Oberkirch.
„Die Bürsten waren bestückt mit Rosshaar, Schweineborsten und Dachshaar“, berichtet Hugo Lepold, von 1949 bis 1988 Streichereileiter, in seinen Aufzeichnungen. „Der Farbauftrag erfolgte mittels Filz überzogener Farbwalze. Die Trocknung des Farbstriches erfolgte in einem Trockenraum, bei der der Karton auf Stäben in 3 Meter hohen Schlaufen den Trockenraum durchlief und dann aufgerollt wurde. Der Strichauftrag war nur einseitig. Geschwindigkeit ca. 40 m/min.“ Inzwischen wird der Strich online bei mehreren hundert Metern pro Minute aufgetragen.

Altenburger: Damals wie heute ein wichtiger Kunde

Bei der Streichmaschine handelte es sich um ein gebrauchtes Modell, dass Koehler von Dondorf in Sachsenhausen bei Frankfurt gekauft hatte. Mit ihr begann, was Koehler in die größten Kasinos der Welt führte – und auch zu der einen oder anderen Modeerscheinung. Allerdings ging die erste Lieferung an einen alten Bekannten, die „Vereinigte Altenburger und Stralsunder Spielkartenfabriken“.
„Die Altenburger“, wie das Unternehmen auch heute noch bei Koehler genannt wird, waren damals Entwicklungspartner und sind auch heute noch ein geschätzter Kunde für Spielkartenkarton. Damals gingen etwa 100 Tonnen pro Jahr nach Thüringen und später nach Leinfelden/Echterdingen bei Stuttgart. Inzwischen sind es deutlich mehr, wie sich auch der Gesamtabsatz deutlich gesteigert hat.

1952: Die weltweit modernste Streichmaschine kommt hinzu

Die Kriegsjahre bremsten Koehler bei seinen Wachstumsbestrebungen. Weder konnte 1936 der Kauf einer gebrauchten Papiermaschine finalisiert werden, noch waren die Beziehungen mit den Nazis spannungsfrei. Kriegswirtschaft und Rohstoffmangel taten ihr Übriges. Die Gesamtproduktion war von über 10.000 Tonnen in den 1930er Jahren 1944 bis auf 5.700 Tonnen gesunken, die Mitarbeiterzahl von 600 auf 216 Ende 1945.

Der Papiersaal bei der Papierfabrik August Koehler um 1939. © Foto: Koehler Group
Der Papiersaal bei der Papierfabrik August Koehler um 1939.


Für den Spielkartenkarton ging es 1952 mit dem Bau der Streichmaschine 2 aufwärts, einer Jagenbergmaschine mit Luftbürste, Flachtrockner und einer Arbeitsbreite von 1,5 Metern. Hugo Lepold nannte sie in seinen Aufzeichnungen „die damals weltweit modernste Streichanlage“. Die Maschine bestand bis 1971, bekam für den Spielkartenkarton 1964 aber Unterstützung durch die neue Streichmaschine 1. Die ursprüngliche Streichmaschine 1 war nicht mehr zeitgemäß. 1971 wurde dann neben der Papiermaschine 4 die Streichmaschine 5 gebaut, eine kombinierte Blade-Rollschaber-Streichmaschine mit einer Arbeitsbreite von 330 Zentimetern und 600 Metern pro Minute Geschwindigkeit.

Mit GPI in die Kasinos der Welt
In den 1980er Jahren begann man bei Koehler, den Spielkartenkarton online, also bereits auf der Papiermaschine zu streichen. Die Produktionsmenge lag Ende der 1980er bei 3.000 Tonnen, die zum größten Teil im europäischen Markt vertrieben wurden. Erst Anfang der 1990er Jahre wagte Koehler den Schritt über den großen Teich, wo mit dem Kunden Gaming Partners International (GPI; ehemals Brown & Bigelow und Gemaco) ein Partner für eine nachhaltige Zusammenarbeit gefunden wurde.
Während das Wachstum mit GPI den Weg in die Fertigung hochwertigen Kartons für die Spielkasinos der Welt weiter vorantrieb, konnte 1995 durch Umbauten an der Papiermaschine 4 ein qualitativer Durchbruch erzielt werden. Die Leimpresse wurde durch eine Filmpresse ersetzt, was einen Zweifachstrich ermöglichte und wodurch sich die Druckparameter verbesserten. Als 1998 die Streichmaschine 5 und 6 zur Klebemaschine 1 umgebaut wurden, war endlich auch eine Klebung auf Maschinenbreite möglich. Hiermit konnte Koehler einige seiner nationalen Wettbewerber derart unter Druck setzen, dass sie sich aus dem Markt für Spielkartenkarton zurückzogen.



Ein Hype sorgt für ein Absatz- und Umsatz-Hoch
Allerdings blieb Hartmut Felsch insbesondere das Jahr 1999 in Erinnerung. „Wir bekamen aus den USA eine Bestellung über 40 Tonnen Spielkartenkarton, und kurze Zeit später über 300 Tonnen“, sagt er. „Danach wurden monatlich 1.000 Tonnen bestellt.“ Die Erklärung war eine Hype-Erscheinung, wie sie immer mal wieder auftaucht: Pokémon-Sammelkarten wurden mit Koehlers Spielkartenkarton gefertigt. „In der Zeit haben wir ziemlich viel Geld verdient“, sagt Felsch. „Allerdings war der Hype mit Ende 2000 leider ebenso schnell vorbei.“
Dass vor drei Jahren Pokémon-Figuren mit dem Handy gejagt wurden und teilweise noch werden, sieht Felsch genauso wie andere Erscheinungen der Digitalisierung nicht als problematisch für Koehlers Geschäft an. „Im Grunde ist es sogar förderlich“, sagt er. „Viele digitale Hype-Erscheinungen dieser Art haben auch die Produktion von Merchandise-Artikeln aus Papier im Schlepptau, wovon wir profitieren.“

Erfolgsgeheimnis: Kunden zuhören und verstehen
Überhaupt hat sich Koehler eher auf die hochwertigen Spielkarten für Kasinos spezialisiert, wo mit GPI die Entwicklung weiter vorangetrieben wird. „Das Geheimnis liegt darin, mit den Kunden zusammenzuarbeiten und ihnen zuzuhören“, sagt Felsch. „Wir müssen die Bedürfnisse der Endanwender kennen und verstehen.“ Idealerweise bemerkt man so Veränderungen nicht erst durch Reklamationen.
Felsch ist sich sicher, dass der Spielkartenkarton bei Koehler auch in Zukunft eine Rolle spielen wird. Von der Menge kann er mit anderen Spezialpapieren natürlich nicht mithalten. Aber bei Koehler gehört er zu den Produkten, die einen besonderen Stellenwert genießen, wie sich auch daran zeigt, dass seit 85 Jahren an der stetigen Verbesserung gearbeitet wird. In die größten Spielkasinos der Welt kommen auch nicht irgendwelche Spielkarten, sondern nur die besten. Und die kommen von Koehler.

Mehr zur Koehler Paper Group:
Die Koehler Paper Group, gegründet 1807, gehört zu den wenigen unabhängigen Familienunternehmen in der deutschen Papierindustrie. Inzwischen ist das Unternehmen einer der weltweit führenden Hersteller von Spezialpapieren und arbeitet stetig an der Forschung und Entwicklung von Verbesserungen. Das Schwesterunternehmen Koehler Renewable Energy erzeugt Strom aus erneuerbaren Quellen und unterstreicht so den nachhaltigen Ansatz des Unternehmens in einer energieintensiven Branche.

www.koehlerpaper.com



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