Fachverband Faltschachtel-Industrie (FFI)
Markt zeigt sich robust und nachhaltig

05.11.2020

Im ersten Halbjahr 2020 ist das Produktionsvolumen der deutschen Faltschachtel-Industrie gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um 3,3 % gestiegen.
© Foto: imago images / Kolvenbach
Im ersten Halbjahr 2020 ist das Produktionsvolumen der deutschen Faltschachtel-Industrie gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um 3,3 % gestiegen.
Das laufende Geschäftsjahr steht vor allem im Zeichen von Corona. Im ersten Halbjahr 2020 ist das Produktionsvolumen der deutschen Faltschachtel-Industrie gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um 3,3 % gestiegen.

Im Geschäftsjahr 2019 konnte die deutsche Faltschachtel-Industrie mit 954.154 Tonnen ihr Produktionsvolumen gegenüber dem Vorjahr um 9,6 % steigern. Der Produktionswert erhöhte sich im gleichen Zeitraum um 4,1 % auf 1,944 Milliarden Euro.

In diesem Anstieg ist allerdings eine technische Korrektur der Meldesystematik beim Statistischen Bundesamt enthalten. Beim Gesamtmarkt kommt es dadurch zu einer Zurechnung, die einen unmittelbaren Vergleich mit dem Vorjahr nicht ermöglicht.

Aussagekräftiger ist deshalb die Entwicklung bei den Mitgliedern des Fachverbands Faltschachtel-Industrie e.V. (FFI), die zwei Drittel des Produktionswertes und etwas mehr als die Hälfte des Volumens der Gesamtbranche ausmachen. Bei den FFI Mitgliedern stieg das Produktionsvolumen um 2,3 %, während der korrespondierende Produktionswert um 3,3 % zunahm. Das bestätigt insgesamt eine Robustheit der Faltschachtel-Industrie, die in den letzten drei Jahren kontinuierlich leicht gewachsen ist. Unabhängig davon besteht aber nach wie vor ein hoher Preisdruck in Europa, der rechnerische Produktionswert produzierter Faltschachteln ist um 5 % auf 2.037 Euro pro Tonne zurückgegangen. „Wir haben bis zum Beginn der Corona-Krise von der gesamtökonomischen Situation mit guter Konsumlaune und höherer Anschaffungsneigung profitiert, stehen aber insgesamt in einem sehr starken europäischen Wettbewerb, dem wir uns aktiv stellen“, sagt Andreas Helbig, Sprecher des FFI Vorstands. Im europäischen Vergleich steht die deutsche Faltschachtel-Industrie für rund ein Fünftel des europäischen Produktionsvolumens. Damit ist sie etwa doppelt so groß wie Großbritannien, Frankreich oder Italien.

Sondereffekte im Jahr 2020

Im ersten Halbjahr 2020 ist das Produktionsvolumen der deutschen Faltschachtel-Industrie gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um 3,3 % gestiegen und der korrespondierende Produktionswert um 0,4 %. Bei FFI Mitgliedern liegen die Zuwächse bei 5,7 % (Produktionsvolumen) bzw. 0,3 % (Produktionswert).

Für das dritte Quartal 2020 liegen gegenwärtig nur die Daten von den FFI Mitgliedern vor. Demnach ging die Produktionstätigkeit um 1,3 % zurück im Vergleich zum korrespondierenden Sommerquartal 2019. Der entsprechende Produktionswert reduzierte sich um 5,3 %.

Diese Daten für 2020 bestätigen die speziellen Corona-Sondereffekte und ähneln der wellenförmigen Entwicklung der Infektionszahlen in Deutschland. Insbesondere das zweite Quartal 2020 führte in zahlreichen Faltschachtel-Segmenten für Konsumgüter des täglichen Bedarfs wie beispielsweise in den verschiedenen Produktbereichen des Lebensmittel- und Hygiene-Sektors oder der Pharmazie zunächst zu einem gesteigerten Orderverhalten und einer erhöhten Produktionstätigkeit. Auch Kernmarken und auflagenstarke Produkte aus dem Süßwaren-Sortiment waren stark nachgefragt. Gleiches galt für die Segmente Zigarette, Hobby/Spiele. Aus dem Kosmetiksegment waren dagegen einzig die Haarcolorationen ein Produktsegment, das von Kunden aus Markenartikelindustrie und Handel verstärkt beauftragt wurde. Diesen positiven Entwicklungen standen allerdings zum Teil deutliche Rückgänge bei anderen Produkten gegenüber, insbesondere bei höher veredelten Faltschachteln für dekorative Kosmetik und Düfte oder Spirituosen sowie andere Segmente wie Textil / Schuhe, Automotive, Industrie-und Bürobedarf und nicht zuletzt im Foodservice-Bereich (außer Home Delivery, ToGo).

Im Vergleich mit den sich abschwächenden Daten für das anschließende dritte Quartal 2020 bringt diese Entwicklung eine gewisse Egalität zum Ausdruck. Nach einer deutlichen Auffüllung der Lieferkette und der Lagerbestände ging die Ordertätigkeit merklich zurück und hat in einzelnen Teilsegmenten zu einer Normalisierung der Bevorratung geführt. Jüngst wurde in der Faltschachtel-Industrie dagegen schon wieder von einer „2. Welle“ der Produktionstätigkeit berichtet. Daraus lassen sich aber keine stabilen Prognosen für das Gesamtjahr ableiten. Sicherlich werden sich die Verluste in den Bereichen, in denen hochveredelte Faltschachteln zum Einsatz kommen, wie der Kosmetik oder anderen Luxus-Segmenten nicht wieder kompensieren lassen. Auf der anderen Seite könnten die abermaligen temporären Schließungen des Gastronomiebereichs zu einem erhöhten Absatz bei Faltschachteln für Lebensmittel führen.

Weiterhin systemrelevant

Die Sondersituation mit veränderten Hygienevoraussetzungen und Gesundheitsschutz in der Produktion sowie logistischen und organisatorischen Herausforderungen zur Sicherstellung der Lieferfähigkeit hat die Faltschachtel-Industrie bislang gut bewältigt.

Die Corona-Krise hat deutlich gemacht, dass eine Versorgung der Bevölkerung ohne in Faltschachteln verpackte Lebensmittel und Produkte nicht möglich ist. „Wir freuen uns, dass die Verpackung als integraler Bestandteil der Versorgungskette gewürdigt und somit als systemrelevant bewertet wurde“, so Andreas Helbig. Zu diesen aktuellen Herausforderungen kommen für die Faltschachtel-Industrie grundsätzliche Diskussionen rund um die Umweltrelevanz von Verpackungen, die auch die Zukunft beherrschen werden. Eine Substitution anderer Verpackungsmaterialien durch Faltschachteln kann aktuell zwar noch nicht belegt werden. Tatsache ist allerdings, dass sie als Kreislaufverpackung nicht nur das Produkt schützt, sondern aus einer nachwachsenden Quelle stammt und nach Gebrauch recycelt wird.

 

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