Kuba meldet Mangel an Zeitungsdruckpapier
Tages- und Wochenblätter halbieren Seitenzahl in Havanna

02.05.2019 Die Zeitungen in Kuba werden dünner: Aus Papiermangel müsse der Umfang einer Reihe von Publikationen reduziert werden, berichtete die Zeitung "Granma" Anfang April 2019.

Tageszeitungen werden wegen Papiermangel in Kuba immer dünner
© Foto: apa/afp/yamil lage
Tageszeitungen werden wegen Papiermangel in Kuba immer dünner

Am Mittwoch und am Freitag werde die Zeitung der Kommunistischen Partei nur noch mit acht statt wie bisher mit 16 Seiten erscheinen. Auch die Wochenblätter "Granma Internacional", "Trabajadores", "Orbe y Opciones" müssten ihren Umfang halbieren. "Juventud Rebelde", die Zeitung des Kommunistischen Jugendverbandes, werde samstags künftig nicht mehr erscheinen. Die Änderungen traten ab 5. April 2019 in Kraft.

"Schwierigkeiten bei der Verfügbarkeit von Zeitungspapier" machten diesen Schritt notwendig, hieß es in der Mitteilung. Die sozialistische Karibikinsel leidet unter dem wirtschaftlichen Niedergang des verbündeten Venezuela. Das südamerikanische Land liefert Kuba seit langem Öl zum Vorzugspreis, das die Regierung in Havanna dann auf dem Weltmarkt verkauft. Wegen der schweren Wirtschaftskrise in Venezuela wurden diese Lieferungen zuletzt immer weiter reduziert.

In Kuba sind Online-Zeitungen noch nicht verbreitet.

(Quelle: APA, dpa, 4.4.2019)

Zusatzinformation Wikipedia:

Gemäß Wikipedia sind die kubanischen Massenmedien Staatseigentum nach Kapitel VI Art. 52. der Verfassung von 1976. Das gesamte Medienwesen dient entsprechend der Propaganda des Staates. Die Lenkung und Kontrolle der über die Medien verbreiteten Inhalte obliegt der Abteilung für Ideologie des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Kubas, die von Rolando Alfonso Borges geleitet wird. Durch die Wirtschaftskrise von 1993 bedingt, ist das Angebot, das es an Printmedien (Zeitungen und Bücher) und Kinos auf Kuba gab, sehr stark eingeschränkt worden, während andere Medien wie Fernsehen und Internet, wenn auch nicht in gleichem Maße, zugenommen haben.

 

Die kubanische Presse steht unter alleiniger Kontrolle der Regierung, der Kommunistischen Partei Kubas und der kommunistischen Massenorganisationen (Gewerkschaften, Frauenföderation etc.). Den größten Verbreitungsgrad haben folgende kubanische Zeitungen, die alle auch über eine teilweise mehrsprachige Internet-Version verfügen: Granma (Zentralorgan der Kommunistischen Partei Kubas PCC), Juventud Rebelde (Organ der Kommunistischen Jugend UJC),  Trabajadores (Zeitung des Gewerkschaftsverbandes CTC), Bohemia (Wochenzeitschrift). Die Zeitungen und Zeitschriften haben trotz ihrer nur allmählich wieder steigenden Auflagen sehr viele Leser, da sie in der Regel in der Nachbarschaft systematisch untereinander ausgetauscht werden und eine faktische Monopolstellung innehaben.

Unabhängiger Journalismus wird konsequent verfolgt. Insbesondere Berichte über die Lage auf Kuba oder deren Weitergabe an ausländische Medien ist strengstens untersagt. Kritische unabhängige Journalisten publizieren ihre Texte auf ausländischen Internetseiten wie CubaNet. Auf der anderen Seite bemüht sich die Regierung auch zu verhindern, dass sich Bürger aus kubakritischen Quellen informieren können, Radio Martí, ein Radiosender der US-Regierung in spanischer Sprache, wird ständig gestört und Internetseiten werden gefiltert.

 

Bei der Rangliste der Pressefreiheit 2017, welche von Reporter ohne Grenzen herausgegeben wird, belegte Kuba Platz 173 von 180 Ländern. In Kuba sitzen zwei Journalisten in Haft.

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