Ende einer Katalog-Erfolgsgeschichte
Der Otto-Katalog hat ausgeblättert

12.07.2018 Aus und vorbei. Nicht nur für die Leser war der Otto-Katalog all die Jahre ein interessantes Werk. Auch viele Hersteller von grafischen Druckpapieren und Druckereien bewarben sich immer wieder um diesen lukrativen Großauftrag.

Die Otto-Zentrale an der Bramfelder Chaussee in Hamburg
© Foto: Stefan Hesse
Die Otto-Zentrale an der Bramfelder Chaussee in Hamburg
Nun ist auch er der zunehmenden Digitalisierung und dem wachsenden Onlinehandel zum Opfer gefallen.

Tiefgreifende Entscheidung

Am 9. Juli, gegen 10 Uhr, wurde im 1. Stock der Zentrale des Otto Versandhandels an der Bramfelder Chaussee in Hamburg nach 68 Jahren das Schicksal von Deutschlands bekanntestem Waren-Bilderbuch besiegelt.

Beschlossen: Das gedruckte, in den 70er Jahren mehr als 1000 Seite dicke Verkaufs-Flaggschiff des von Werner Otto († 102) 1949 gegründeten Versandhandels, erscheint am 4. Dezember 2018 das letzte Mal. Versand-Vorstand Marc Opelt (55): „Unsere Kunden haben den Katalog nach 68 Jahren abgeschafft.“
Die Auflagengröße für den letzten Katalog steht noch nicht fest. Die Auswahl für das letzte Titel-Model läuft. Seien Sie gespannt!

Via Katalog lag der Umsatz zuletzt bei unter zwei Prozent. Mehr als 95 Prozent der Bestellungen gehen inzwischen online über otto.de ein. Der Rest per Telefon, Telefax, Brief und Postkarte.

1950 erschien der 1. Katalog

Der erste Otto Katalog erschien 1950 © Foto: Otto Group
Der erste Otto Katalog erschien 1950

Den ersten Katalog gab's 1950 – 14 Seiten dünn, 300 Exemplare, innen Bilder von 28 Schuhpaaren. Die Fotos per Hand eingeklebt, Kataloge per Paketschnur zusammengebunden.

Der erste Otto Katalog erschien in 300 handgebundenen Exemplaren mit eingeklebten Fotos und mit einer Kordel gebunden © Foto: Otto Group
Der erste Otto Katalog erschien in 300 handgebundenen Exemplaren mit eingeklebten Fotos und mit einer Kordel gebunden


Weltweit revolutionär: Die Kunden durften per Rechnung kaufen. Der Versand war gratis, Retouren auch. 1953 gab's dank deutschem Wirtschaftswunder schon eine Auflage von 37.000 Katalogen.

Das Erfolgsgeheimnis

Der OTTO-Katalog gehörte über Jahrzehnte in die Haushalte wie das Telefonbuch. Damenunterwäsche bis Dampfgarer, Sportschuh bis Spielzeug – der Katalog war das gedruckte Kaufhaus der Deutschen. Es waren vor allem Frauen, die auch die kleinen Otto-Büros für Sammelbestellungen besuchten. Blättern im Katalog. Beratung. Klönschnack inklusive.

Das erste Titel-Model war 1987 Denver-TV-Star Joan Collins (85). Am häufigsten als Cover-Girls vertreten: Claudia Schiffer (47, 4mal) und Heidi Klum (45, 3mal). Aber auch Nena (58, wurde 2009 Großmutter) mit Punkfrisur und Schauspielerin Cosma Shiva Hagen (37) waren dabei.
Vor elf Jahren wurde mit der ersten, auf den Katalog geklebten CD-Rom das Ende der Legende eingeläutet. Kunden konnten sich die Waren-Fotos auf ihre noch langsamen Rechner laden.

Für Kunden ohne Netzzugang gibt es weiterhin das Bestell-Telefon. Laut Otto nehmen 2000 Berater an 14 deutschen Standorten spätestens nach zehn Sekunden ab. An 365 Tagen, rund um die Uhr.


Quelle:  Jörg Köhnemann
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