Museum für Druckkunst Leipzig

04.04.2016 Gedrucktes Vertrauen
Tagung der Vereinigung deutscher Wirtschaftsarchivare e.V. und der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig am 24. Juni 2016 im Museum für Druckkunst Leipzig

© Foto: Museum für Druckkunst Leipzig
Die Tagung wird im Rahmen der Ausstellung „Gedruckte Werte“ im Museum für Druckkunst in Leipzig (16.03.–14.08.2016) gemeinsam vom Museum für Druckkunst, der Vereinigung deutscher Wirtschaftsarchivare (VdW) und der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK Leipzig) durchgeführt. Die eintägige Veranstaltung widmet sich historischen Wertpapieren als Quelle, Kultur- und Sammlungsgut. Betrachtet werden herstellungstechnische, künstlerische sowie wirtschafts- und kulturgeschichtliche Aspekte.

Die Rechtsform der Aktiengesellschaft hat das Industriezeitalter in vielerlei Hinsicht geprägt. Sie steht beispielhaft für die Wandlung der vorherrschenden persönlichen Beziehungen von Marktteilnehmern in ein reines Geldverhältnis. Diese Entpersönlichung wirtschaftlicher Abhängigkeitsverhältnisse war ein zentrales Element im allgemeinen Kulturwandel der entstehenden Industriegesellschaften. Wertpapiere waren als Aktienurkunden physisches Medium und das „gedruckte Vertrauen“ in diesem System.

Aktien sind ausstellbare Wirtschaftsgeschichte und Teil unserer Industriekultur: als repräsentatives Zeugnis für die Durchsetzung der Organisationsform der Aktiengesellschaft oder die Entwicklung des Finanzsektors und des Druckgewerbes. Die oftmals aufwändig gestalteten und nach Sicherheitsaspekten hergestellten Druckerzeugnisse sind beliebte Sammlerstücke, aber auch Ausstellungsobjekte und Forschungsgegenstand.

Leipzig war das Zentrum des Wertpapierdrucks in Deutschland. Die hier gegründete Firma Giesecke & Devrient (G&D) war auf die Herstellung von Sicherheitspapieren und den Sicherheitsdruck spezialisiert, im 19. Jahrhundert avancierte sie zum weltweit führenden Hersteller von Banknoten und Wertpapieren.

Verschiedene Wirtschaftsarchive haben im Jahr 2015 historische Wertpapiere aus dem sog. Reichsbankschatz vom Bundesamt für Zentrale Dienste und offene Vermögensfragen (BADV) übernommen. Die bestandsergänzende Übernahme von Nonvaleurs durch Wirtschaftsarchive ist Anlass für die VdW, sich mit diesem speziellen Sammlungsgut auseinanderzusetzen und sich als kompetenten Ansprechpartner im Umgang mit diesem Kulturgut anzubieten.

Am Studiengang Museologie der HTWK Leipzig werden derzeit Standards für die Verzeichnung und Verschlagwortung von Bildquellen der Wirtschaft entwickelt. Im Forschungsprojekt „Piktogramme der Wirtschaft“ wird am Beispiel der verdichteten Darstellungen in historischen Wertpapieren untersucht, wie sich Sehgewohnheit und Zeichensprache einer jahrhundertealten Ikonographie zu Nutze gemacht und zu einer neuen Ikonographie des Industriezeitalters transformiert wurden.

Die Tagung richtet sich an Historiker, Kunst- und Kulturwissenschaftler, Museologen, Sammler und Wirtschaftsarchivare. Für Gäste beträgt die Tagungsgebühr inkl. Pausensnack und Getränken 10,- €, für VdW-Mitglieder und Angehörige der HTWK ist die Teilnahme kostenfrei. Die Teilnehmerzahl ist beschränkt. Wir bitten um Ihre Anmeldung bis 10. Juni 2016 unter: info@druckkunst-museum.de

Abbildung: Einfaches Handgerät zum Guillochieren, um 1900, Giesecke & Devrient Leipzig

Foto: Museum für Druckkunst Leipzig

www.druckkunst-museum.de
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