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Vietnams Papierindustrie entwickelt sich rapide

27.03.2014

© Foto: Germany Trade and Invest
Die vietnamesische Zellstoff- und Papierindustrie befindet sich in einer Übergangsphase. Die Papiertechnikbranchen haben sich erst in den letzten zehn Jahren entwickelt und produzieren überwiegend einfache Produkte. Die heimischen Firmen stehen nun unter Modernisierungsdruck. Für den Standort sprechen die kräftig steigende Nachfrage nach Verpackungen und die reichliche Verfügbarkeit von Holzstoffen. Investoren bauen neue Papierfabriken, aber nicht so viele wie ursprünglich geplant.

Papierverbrauch hat Nachholbedarf

Vietnams Papierindustrie hat sich zwischen 2002 und 2013 rapide weiterentwickelt. Die Firmen steigerten ihre Produktion in dem Zeitraum um das Sechsfache von ungefähr 300 000 auf 1,8 Mio. t. Sowohl der Inlandsmarkt als auch die internationalen Märkte bieten Raum für weitere Expansionen, denn die inländischen Unternehmen bedienen nur ungefähr 60% des lokalen Marktes und exportieren lediglich kleine Mengen. Sie produzieren beispielsweise kaum hochwertige Verpackungspapiere und gestrichene Papiersorten.

Vietnam musste daher 2012 circa 1,3 Mio. t Papier im Gesamtwert von 826 Mio. US$ importieren. Wichtigste Lieferanten waren Indonesien (Anteil 24%), Taiwan (17%), Thailand (14%) und Korea (Rep.) mit 11%.

Der lokale Papierverbrauch steht noch im Anfangsstadium und hat Nachholbedarf. Er betrug 2013 gerade 33 kg je Einwohner. Die Rate liegt deutlich unter dem weltweiten Durchschnitt von 57 kg. Der Absatz von Papier dürfte 2013 um knapp 4% und die Produktion um rund 7% zugelegt haben, berechnet die Vietnam Pulp and Paper Association (VPPA). Für 2014 erwartet der Fachverband ähnliche Zuwachsraten. Der Papiermarkt bietet aufgrund des erwarteten Wirtschaftswachstums von durchschnittlich circa 6% bis zum Jahr 2025 und wegen der steigenden Einkommen langfristig einige Chancen.

Von 2009 bis 2013 durchlief der Papiermarkt eine leichte Schwächephase. Statt zweistelliger Wachstumsraten verzeichnete er ""nur"" noch einstellige. Auf die Geschäfte drückten die weltwirtschaftlichen Probleme und hausgemachte wirtschaftspolitische Schwierigkeiten. Den Wettbewerbsdruck verschärften steigende Preise für Rohmaterialien, die nicht vollständig an Kunden weitergegeben werden konnten. Einige Investitionspläne wurden daher verschoben.

Die abgekühlte Branchenkonjunktur forderte einige Opfer. Der zweitgrößte Hersteller von Papier und Pulpe, die Tan Mai Paper Corporation, stellte 2012 den Betrieb ein. Die Aktiengesellschaft My Huong Paper steht inzwischen ebenfalls zum Verkauf. Das Staatsunternehmen Vietnam Paper Corporation (Vinapaco) soll gemäß Pressemeldungen einen sehr hohen Verschuldungsgrad aufweisen und umstrukturiert werden. Annähernd 100 kleinere Betriebe mit Kapazitäten von weniger als 10.000 Jahrestonnen (jato) stoppten ebenfalls die Produktion.

Die gesamte Anzahl der Branchenunternehmen ist nicht bekannt. Dem Verband VPPA gehören 87 Firmen an, davon 60 mit Produktionsbetrieben. Sie repräsentieren circa drei Viertel des gesamten Branchenoutputs, berechnet der VPPA.

Investitionspläne der Papierindustrie

Branchenfirmen legen immer wieder imposante Investitionspläne vor, die sich anschließend lange verzögern. Der Bau neuer Anlagen wird vorangehen, aber nicht so schnell wie ursprünglich geplant. Noch nicht vorhersehbar sind zudem die Auswirkungen der Gründung der südostasiatischen Wirtschaftsgemeinschaft ASEAN Economic Community (AEC) im Jahr 2015. Vietnam muss bis dahin einerseits seine Einfuhrabgaben auf Papierprodukte abbauen, welche die heimische Industrie noch schützen. Andererseits kann das Land leichter seine Produkte in den AEC-Raum exportieren.

Branchenbeobachter meinen, der Ausbau und die Modernisierung des Industriezweiges müssten auch deshalb schneller voranschreiten. Einige große ""Player"" setzen bereits moderne Papiermaschinen ein. Metso und Voith verfügen über eigene Verkaufsbüros. Auch die Firmen Kadant, Andritz und A.Celli konnten Maschinen verkaufen. Die meisten Betriebe seien jedoch zu klein und arbeiteten mit einfachen chinesischen Papiermaschinen (Kapazität unter 50 000 jato), die mit Geschwindigkeiten von nur 300 m pro Minute laufen. Größere Werke mit modernen Ausrüstungen würden Möglichkeiten bieten, effizienter zu produzieren und steigende Skalenerträge zu erwirtschaften.

Die Firmen haben die Notwendigkeit, mehr moderne Technik einzusetzen, durchaus erkannt. Probleme bereiten die knappen Eigenmittel oder Fremdfinanzierungen. Geschäftsbanken hielten sich Ende 2013 mit der Vergabe von Krediten für größere Anschaffungen zurück.

Unternehmen aus Japan, Hongkong (SVR), VR China und Korea (Rep.) eruieren mögliche Investitionschancen. Die chinesische Firma Lee and Man will 2014 eine 250 000 t große Anlage zur Herstellung von Linerboard in der Provinz Hau Giang in Betrieb nehmen. Die Maschinen liefert voraussichtlich die finnische Metso. Lee and Man erhielt von den Behörden bereits im Jahr 2007 eine Investitionsgenehmigung, die verschiedene Großanlagen im Wert von 1,2 Mrd. US$ vorsah.

Das Unternehmen Nine Dragons Paper aus Hongkong (SVR) beabsichtigt, 2015 ebenfalls eine Linerboard-Anlage zu errichten. Sie soll etwa 180 Mio. US$ kosten, über eine Kapazität von 350 000 jato verfügen und wird in der Provinz Binh Duong gebaut. Nine Dragons betreibt dort in einem Gemeinschaftsunternehmen bereits ein Werk für 100 000 t Testliner. An dem Joint Venture Cheng Yang sind Nine Dragons zu 60% sowie die beiden Firmen Taiwan Pulp and Paper und Lee Yang zu je 20% beteiligt. Cheng Yang könnte 2015 mit seiner neuen Anlage für Verpackungsmaterialien zur ""Nummer 1"" im Verpackungssektor aufsteigen.

Seit 2011 plant die Aktiengesellschaft An Hoa den Bau eines Werkes für beschichtete Papiere mit einem Jahresausstoß von 140 000 t. Dem Vernehmen nach soll die Anlage 2014 in Betrieb gehen. Auch das inländische Unternehmen Bai Bang Paper hat verschiedentlich Expansionspläne angekündigt, ohne Details zu nennen.

Zellstoffherstellung im Aufbau

Die Regierung möchte seit längerem eine lokale Zellstoffherstellung aufbauen. Rohstoffe sind reichlich vorhanden. Die Mehrheit an Holzstoffen aus den heimischen Akazien- und Eukalyptusplantagen wandert aber in Papiermühlen in der VR China und Japan.

Vietnam exportierte 2012 etwa 5,8 Mio. t Hackschnitzel (""Wood Chips"") und stellte damit nach Presseangaben deren weltweit größten Exporteur. Im Jahr 2013 dürften rund 7 Mio. t erreicht werden. Das Ausfuhrvolumen hat sich seit 2007 verdreifacht. Das südostasiatische Land könnte mit der exportierten Menge an Hackschnitzeln eigentlich ungefähr 3 Mio. t an Pulpe erzeugen.

Nach Angaben des VPPA zeigen in- und ausländische Investoren an dem Pulpesektor immerhin großes Interesse. Beispielsweise beabsichtigt die indische JK Gruppe, ein auf 200 000 t Zellstoff ausgelegtes Werk in der Provinz Quang Ngai für 180 Mio. US$ zu errichten. Die Planungen stehen noch im Anfangsstadium; die zuständigen Behörden prüfen den Investitionsantrag.

Die Produktionskapazität für gebleichte Hartholz-Kraftzellstoffe (""Bleached Hardwood Kraft, BHK"") beträgt 200 000 jato. Die Aktiengesellschaft An Hoa Paper verfügt mit rund 130 000 jato über die größte Anlage, die 2009 von der finnischen Firma Metso installiert wurde. Das Unternehmen Vietnam Paper kann ungefähr 75 000 t BHK pro Jahr erzeugen. Im Zeitraum Januar bis September 2013 produzierten beide Firmen 135.000 t, rund ein Drittel mehr als im Vorjahresvergleichszeitraum. Sie bedienen ungefähr 75% der inländischen Nachfrage an BHK, berechnet der VPPA. Die Papierindustrie importierte in den ersten neun Monaten 2013 außerdem weitere 45 000 t des Materials.

Ungebleichte Kraftstoffzellen (""Unbleached Hardwood Kraft, UHK"") erzeugen mehrere mittelgroße Betriebe für den lokalen Bedarf. Ihre Gesamtkapazität ist nicht bekannt. Thermomechanischer Zellstoff wird seit der Schließung einer Papiermühle der Firma Tan Mai Paper nicht mehr im Lande produziert.

Der VPPA meint, dass nur circa 35% der abgesetzten Papiermengen wieder eingesammelt werden. Zum Vergleich: Die Altpapierrücklaufquote in Deutschland betrug 2012 etwa 76%. Die Hersteller von Papieren aus Recyclingmaterial müssen aufgrund der schwachen Versorgung zusätzlich Altpapier (2012 ungefähr 460 000 t) aus den USA, Japan und Europa einführen. Verpackungsmittel werden nach Angaben des VPPA zu 100% aus recycelten Materialen produziert. Der Altpapieranteil bei Tissue betrage 50% und bei Zeitungen etwa 60%.

Wichtige Chemikalien für die gesamte Industrie müssen ebenfalls importiert werden. Ausländische Anbieter haben sich früh positioniert und konkurrieren um Aufträge. Zellstoff- und Papierchemikalien verkaufen unter anderem die Konzerne Akzonobel (Marke Eka), BASF, Nalco, Kemira, Ashland und Clariant.

Ausländische Montagewerke fragen Verpackungen nach

Die Fertigung von Wellpappe und Packmitteln soll 2013 um 7,5% auf 1,2 Mio. t zulegen. Die lokalen Hersteller bedienen ungefähr 57% des Marktes, der 2013 ein geschätztes Wachstum von 9,4% zeigte.

Im Verpackungsbereich gehen sehr starke Impulse von ausländischen Montagewerken aus, die zunehmend Konsumwaren und Investitionsgüter in Vietnam für den Weltmarkt produzieren. Die Ansprüche dieser international agierenden Kunden an Verpackungsmaterialien sind hoch.

Ebenfalls steigt der Verpackungsbedarf der lokalen Konsumgütermärkte. Die Verbraucher kaufen immer häufiger verpackte Lebensmittel und Getränke. Der moderne Einzelhandel expandiert und verlangt nach zusätzlichen Kartons, Schachteln und anderen Papierverpackungen.

Als größter Hersteller von Verpackungsmaterialien gilt das Gemeinschaftsunternehmen Vina Kraft Paper. Das Joint Venture der thailändischen SCG-Gruppe und der japanischen Rengo nahm 2009 den Betrieb auf und verfügt über eine Kapazität von 220 000 t an Wellpappen pro Jahr. Die Maschinen lieferte die Firma Voith. Vina Kraft hat angekündigt, seine Anlage in der Provinz Binh Duong um 30 000 t erweitern zu wollen.

Auch die Aktiengesellschaft Saigon Paper möchte ihre Werke am Standort My Xuan in der Provinz Ba Ria-Vung Tau seit längerer Zeit ausbauen. Nach Angaben der Firma sollen dort 2014 Maschinen mit einer zusätzlichen Kapazität von 172 000 t zur Herstellung von Verpackungsmaterial installiert werden. Die Investitionspläne hatte die Geschäftsführung in den Vorjahren mehrmals verschoben. Ein lokaler Investor ersetzte 2013 den japanischen Teilhaber Daio Paper und will die Erweiterung der Werke nun vorantreiben.

Online-Medien setzten Printmedien zu

Der Markt für Druck- und Schreibpapiere dürfte langfristig am stärksten zulegen. Die dynamische wirtschaftliche Entwicklung wird den Verbrauch an Büropapieren forcieren. Die heimischen Hersteller bedienen hier den Großteil der Nachfrage - insbesondere nach einfachen Sorten - und werden mit dem Markt expandieren.

Die Auflagen von Zeitungen und Zeitschriften fallen, dafür nehmen die Seitenzahlen je Ausgabe zu. Die Leser erhalten inzwischen mehr Blätter, die mit Werbeanzeigen gefüllt sind als mit Nachrichten.

Die aufstrebenden Online-Medien drücken ähnlich wie auf dem Weltmarkt auf das Printmediengeschäft. Zeitungs-, Zeitschriften- und Buchverlage arbeiten zudem in einem schwierigen redaktionellen und rechtlichen Umfeld. Der Absatz von Unterhaltungsmagazinen mit ""seichten"" Themen verheißt zumindest ansprechende Wachstumsraten.

Die lokalen Produzenten von Zeitungspapieren bedienen etwa die Hälfte der Nachfrage. Der Markt ging 2013 um geschätzte 8% zurück. Weil die Zeitungsdruckereien von teuren Importpapieren auf lokale Produkte umsteigen, verzeichnen die heimischen Hersteller immerhin ein Plus an Aufträgen.

Ein Exportschlager der Papierindustrie sind ""joss papers"". Diese einfachen, bedruckten Papiere werden als Opfergaben auf Altären verbrannt. Die Hersteller führen annähernd die gesamte Produktion von 87 000 t aus. Hauptabnehmer ist Taiwan.

Inländische Firmen produzieren dem Vernehmen nach außerdem nicht technische Papiere, wie Label, Filter-, Klebepapiere oder Tapeten. Eine Fertigung von Spezialpapieren ist durchaus möglich. Seit 2010 produziert die deutsche Firma Glatz Finepaper in Südvietnam Zigaretten- und Filterumhüllungspapiere für den asiatischen Markt. Die Vorprodukte bezieht der Betrieb jedoch aus dem Ausland. Die inländische Industrie könnte auch mit einer Fertigung von hochwertigen grafischen Papieren durchaus noch Erfolge einfahren.

Bedarf an Hygienepapieren legt wieder zu

Das Segment Tissue-Papiere zeigte 2013 erstmals seit Jahren einen leichten Rückgang. Der Bedarf an Hygienepapiersorten dürfte künftig aber wieder zulegen. Die Hersteller von Tissue-Papieren beachten dabei sowohl den Inlandsmarkt, auf dem nur knapp 1 kg pro Einwohner und Jahr abgesetzt werden als auch den Export. Sie führen circa ein Fünftel ihrer Produktion aus. Die Fertigung stieg 2013 um geschätzte 6% auf 104 000 t.

Das größte Tissue-Werk des Landes betreibt mit einer Kapazität von 60 000 jato die Niederlassung New Toyo Puppy des Investors Benline Investment aus Hongkong (SVR) in der südvietnamesischen Provinz Binh Duong. New Toyo eröffnete im Jahr 2010 außerdem zusammen mit der japanischen Corelex bei Hanoi eine 30 000-t-Tissue-Fabrik. Die Maschinen lieferte A.Celli aus Italien.

Der Konzern Unicharm aus Japan kaufte sich 2011 ebenfalls in den Markt ein und übernahm ein Tissue-Werk des Unternehmens Diana. Ein inländischer Produzent ist die Firma Saigon Paper, die 2012 eine Tissue-Maschine mit einem Ausstoß von 25 000 jato des Herstellers Andritz in Betrieb nahm.


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