Wochenblatt für Papierfabrikation 9/2022

D 11579 D 150. JAHRGANG FACHMAGAZIN FÜR DIE PAPIER- UND ZELLSTOFFINDUSTRIE PAPIERFABRIKATION WOCHENBLATT 09 SEPTEMBER 2022 UNTERNEHMEN DIE KRAFT DER INNOVATION SPEZIALPAPIERE Nachhaltige Beutel RESTSTOFFE Black Land

RUBRIK Wochenblatt Papierfabrikation 9.2022 2

Risiken vermeiden, Chancen ergreifen Kennen Sie das Unternehmen prowell? Es wurde 1991 von Jürgen Heindl gegründet. Seine unternehmerische Vision: „für die Wellpappe“. Seine Strategie: Zunächst die Produktion von Wellpappformaten mit modernster Technik, seine Kunden bekamen auch kleinste Bestellungen just in time kostengünstig und zuverlässig. Aus der damaligen prowell Papierverarbeitung GmbH ist mit Progroup AG heute einer der führenden Wellpappenrohpapier- und Wellpapphersteller in Europa geworden. Knapp 1.700 Mitarbeitende zählt das Unternehmen heute, im vergangenen Jahr hat es die Milliarden-Umsatzgrenze erreicht. Im Interview schaut Heindl auf die Unternehmensgeschichte mit allen Höhen und Tiefen – und hat zugleich einen bedeutenden Meilenstein fest im Blick, der noch bevorsteht: der Generationenwechsel. Ende des Jahres übergibt er seinen Vorstandsvorsitz an seinen Sohn Maximilian. Eine große Herausforderung für energieintensive Industrien, zu denen die Papierindustrie zählt, ist die aktuelle Energiesituation. Der VIK – Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft e.V. sieht die wirtschaftliche Entwicklung mit größter Sorge. Neben der Sicherheit der Gasversorgung imHerbst und Winter 2022/23 belasten die schon seit einem Jahr bemerkenswert hohen Energiepreise Industrie und industriellen Mittelstand in einer Weise, die jetzt die Substanz des Standorts Deutschland angreift. Immer schneller um sich greifende Stilllegungen und Kürzungen der Produktion sowie in der Folge Knappheiten von bestimmten Stoffen sind Alarmsignale, die rasches Gegensteuern erfordern. Sogenannte „Gaseinsparungen“ im Industriebereich sind oft nur ein Zeichen dieser Entwicklung. Gemeinsammit hoher Inflation und Lieferkettenproblemen entwickelt sich eine gefährliche Situation, die langfristige Schäden amwirtschaftlichen Potenzial Deutschlands verursachen könnte. In solchen Zeiten ganz entscheidend: Das 30. Internationale Münchner Papier Symposium fand wieder in Präsenz statt. Neuer Tagungsort – bewährtes Veranstaltungsformat. Eine sehr hohe Zahl von praxisorientierten Fachvorträgen kamwieder direkt aus Papierfabriken. Das ist der Garant für Austausch und Diskussionen. Gleichzeitig bietet das imps die Möglichkeit, mit deutschen und internationalen Studierenden der Papiertechnik ins Gespräch zu kommen. Dr.-Ing. Kerstin Graf Chefredakteurin Wochenblatt Papierfabrikation 9.2022 3 EDITORIAL

Organ des Akademischen Papieringenieur-Vereins e.V. an der DHBW Karlsruhe Organ des Akademischen Papieringenieur-Vereins an der TU Dresden e.V. Mitteilungsblatt des Vereinigten Papierfachverbandes München e.V. Organ des Papierzentrums Gernsbach Mit den Mitteilungen der Papiertechnischen Stiftung (PTS) München, Heidenau Organ der Vereinigung Gernsbacher Papiermacher e.V. Organ des Akademischen Papieringenieur-Vereins e.V. an der TU Darmstadt Das Papiermacherwappen Die sogenannten „Papierer“ wurden in alter Zeit zusammen mit den Buchdruckern, Buchbindern und Glasern der Gilde der Maler zugeordnet und führten deshalb aucwh das Zeichen dieser Gilde: die Schildchen und den Ochsenkopf. Der geflügelte Ochse war der ständige Begleiter des Evangelisten Lukas, des Schutzheiligen der Maler. Er verdankt diese Ehre einer Verwechslung mit dem Mönch und Maler „il Santo Luca“. Eines der ersten Papierwasserzeichen, wie wir sie auch in Gutenbergs Bibeldrucken vorfinden, ist der Ochsenkopf. Organ des Akademischen PapieringenieurVereins e. V. an der TU Darmstadt Organ des Akademischen PapieringenieurVereins an der TU Dresden e. V. Organ des Akademischen PapieringenieurVereins e. V. an der DHBW Karlsruhe Mitteilungsblatt des Vereinigten Papierfachverbandes München e. V. Organ des Papierzenrtums Gernsbach Organ des Akademischen Papi ingenieur-Vereins e.V. an de DHBW Karlsruhe Organ des Akademischen Papieringenieur-Vereins an der TU Dresden e.V. Mitt ilungsblatt des Vereinigten P pierfachverbandes München e.V. Organ des Papierzentrums Gernsbach Mit d Mitteilungen der Papier ech ischen Stiftung (PTS) Mü chen, Heidenau Organ der Vereinigung Gernsbacher Papiermacher e.V. Organ des Akademischen Papi ringenieur-Vereins e.V. an der TU Darmstadt Organ des Akademischen Pap eringeni ur-V reins e.V. an der DHBW Karlsruhe Organ des Akademische Papiering nieur-Ve eins an der TU D esden e.V. Mitteilungsblatt des Vereinigten Papi rfachverbandes Münch e.V. Organ d s Papierzentrums Gernsbach Mit n Mitteilungen der Pap ertechnischen Stiftung (PTS) München, Heid nau Organ der Vereinigung Gernsbache Papiermacher e.V. Organ des Akademische Papieringeni ur-V reins e.V. n der TU Darmstadt Organ des Akademischen ier genieur-V eins e.V. an der DHBW Karlsruhe Organ A i Papi ring nieur-V reins an der TU Dresde e.V. Mitteilung blatt des Vereinigt n Papierf chverba des München e.V. Orga des Papi rzen ums Gernsbach Mit den Mitteilung n der Papiert ch is n Stiftung (PTS) München, Heid nau Ver Organ A i Papi ringe ieur-Ver ins e.V. an d r TU Darmsta t Bild: Mitsubishi HiTec 18 Der Bielefelder Spezialpapierhersteller Mitsubishi HiTec Paper und der Wipperfürther Experte für Beutelverpackungsmaschinen SN Maschinenbau bündeln nun ihre Kräfte. 23 Ob Standbeutel, Sachet oder Stickpacks – immer dann, wenn eine Folie in Beutelform gebracht wird, ist eine Formschulter amWerk. Bild: FormerFab Wochenblatt Papierfabrikation 9.2022 4 INHALT

TITELBILD 1991 gründet Jürgen Heindl die PROWELL Papierverarbeitung GmbH. Mit seinem Innovationsgeist revolutionier t er eine ganze Branche. Rund 30 Jahre später ist aus der Firma einer der führenden Wellpappenrohpapier- und Wellpapphersteller in Europa geworden. Die heutige Progroup AG betreibt in sechs Ländern Zentraleuropas Produktionsstandor te. Dazu zählen drei Papierfabriken, elf Wellpappformatwerke, ein Logistikunternehmen und ein EBS-Kraf twerk. Ende des Jahres übergibt Heindl den Vorstandsvorsitz an seinen Sohn Maximilian. 34 Nach zweijähriger Pause konnte in diesem Jahr endlich wieder die Exkursion der Münchner Studierenden nach Düren mit der Firma Voith stattfinden. 6 BRANCHE 11 PERSONEN UNTERNEHMEN 12 Die Kraft der Innovation Vom Mut, eine Traditionsbranche zu revolutionieren, einem unermüdlichen Innovationsgeist und der langfristigen Nachfolgeplanung SPEZIALPAPIERE 18 Sicher und nachhaltig verpackt Kooperation im Bereich der flexiblen Papierverpackungen 23 Nachhaltige Beutel Nicht ohne die passende Formschulter! FACHTAGUNG 25 IMPS 2022 – Internationales Münchner Papier Symposium Fortschritte bei der Papier- und Kartonherstellung – Teil 1 KARTON 30 Analytische Überprüfung der Migration Unterstützung bei der Beauftragung von Migrationsprüfungen PAPIERMASCHINENBAU 32 VDMA Druck- und Papiertechnik mit robuster Geschäftslage Neu gewählter Vorstand geht in die anstehende Phase der Transformation AUSBILDUNG 34 Düren Exkursion 2022 Studierende on Tour ZELLCHEMING 39 1 16. ZELLCHEMING-Mitgliederversammlung Live in Wiesbaden und online am 29. Juni 2022 ZELLCHEMING-EXPO 44 Messebericht von der ZELLCHEMING Expo 2022 Das Institut für Textiltechnik der RWTH Aachen University in Wiesbaden RESTSTOFFE 46 Black Land Potente Materialien aus der Vergangenheit FACHTAGUNG 50 IMPS 2022 – Internationales Münchner Papier Symposium Fortschritte bei der Papier- und Kartonherstellung – Teil 2 Bild: HSM 57 VERANSTALTUNGEN 57 EINKAUFSFÜHRER MARKTPLATZ 58 IMPRESSUM / SERVICE Wochenblatt Papierfabrikation 9.2022 5 INHALT

Die Auszubildenden und dualen Studenten der Koehler-Gruppe zum Ausbildungsstar t 2022 zusammen mit Kai M. Furler, Vorstandvorsitzender, Stefan Grözinger, Leiter Personalentwicklung und Ausbildung sowie Elke Brückner, Ausbildungskoordinatorin. Die neue WEPA Verarbeitungslinie ermöglicht es, sehr weiches und saugfähiges Papier bei gleichzeitig geringem Rohstof feinsatz herzustellen. Bild: WEPA Nachhaltige Produktion als Eck- pfeiler der Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens S. 7 Wepa Künstliche Intelligenz in der Logistik auf dem Holzplatz S. 9 Andritz Anspruchsvolle Ausbildung als Investition in die Zukunft S.10  Koehler Bild: Koehler-Gruppe Die weltweit ersten autonom betriebenen, von ANDRITZ geliefer ten Holzplatzkräne wurden im Bioproduktwerk von Metsä Fibre in Kemi, Finnland, erfolgreich aufgestellt. Bild: ANDRITZ Wochenblatt Papierfabrikation 9.2022 6 BRANCHE

WEPA Neue, innovative Verarbeitungslinie amWEPA Standort Leuna Mercer Rosenthal Ausbildungsbeginn Die WEPA Gruppe hat an ihrem Standort in Leuna in eine neue Verarbeitungslinie investiert. Die hocheffiziente Anlage wurde kürzlich in Betrieb genommen und ermöglicht es dank innovativer Technologie, sehr weiches und saugfähiges Papier bei gleichzeitig geringem Rohstoffeinsatz zu produzieren. Mit der Investition unterstreicht die WEPA Gruppe ihren Anspruch, ihren Kunden innovative Produkte höchster Qualität zu bieten und gleichzeitig nachhaltig zu agieren. Die neue Verarbeitungslinie des Herstellers Gambini ist in der Lage, mit einer Produktionsgeschwindigkeit von 700 Metern pro Minute qualitativ hochwertige Hygienepapiere zu erzeugen, und ist auf Küchentücher ausgerichtet. Mit der innovativen AirMill-Technologie, einem Schnellwechselprägewerk und neuer Rewindertechnologie ist die Linie technologisch auf dem neuesten Stand. Harm Bergmann-Kramer, Vorstandsmitglied der WEPA Gruppe: „Die neue Verarbeitungslinie ist eine weitere Investition in die Technologieführerschaft der WEPA Gruppe und ein wichtiges Element zur Erreichung unserer Nachhaltigkeitsziele. Sie ist in Deutschland einmalig und setzt neue Maßstäbe hinsichtlich der Qualität von Küchentüchern bei gleichzeitig geringem Rohstoffeinsatz. www.wepa.eu Am 1. September 2022 begann für sieben junge Menschen die Ausbildungszeit in der Zellstoff- und Papierfabrik Rosenthal GmbH. Neben zwei Industriekaufleuten, zwei Papiertechnologen, einer Chemielaborantin und einem Elektroniker für Betriebstechnik, bildet Mercer Rosenthal ab diesem Jahr erstmals einen Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung aus. Im Rahmen einer zweitägigen Einführungsveranstaltung wurden die neuen Auszubildenden u. a. durch den Geschäftsführer Herrn Dr. Christian Sörgel, die stellvertretende Personalleiterin Frau Aileen Düntsch, die Betriebsratsvorsitzende Frau Heike Brandt und die zuständigen Ausbilder begrüßt. Sie erhielten vielseitige Informationen rund um unser Unternehmen und die jeweilige Ausbildung. Während einer geführten Betriebsbesichtigung erkundete die Gruppe gemeinsam das weitläufige Firmengelände. Unser Traditionsunternehmen, das seit mehr als 130 Jahren Zellstoff produziert, legt seit jeher besonderen Wert auf die Ausbildung eigener Nachwuchskräfte. Die Auszubildenden erhalten während ihrer Ausbildung einen tiefen Einblick in die Unternehmens- und Produktionsabläufe und können sichWissen von routinierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aneignen. www.mercerint.com Wochenblatt Papierfabrikation 9.2022 7 BRANCHE Better Water. Better Paper. Think out of the box with us for sustainable Pulp & Papermaking, river to reel www.ecolab.com/pulpandpaper Wochenblatt_Box_Virtual Reality_half page.indd 1 5/23/2022 8:22:04 AM

Metsä Board Pre-Engineering für neue Faltschachtelkartonfabrik in Kaskinen, Finnland Metsä Board, Teil der Metsä Group, kündigte im Mai 2022 an, dass es Möglichkeiten zur Erhöhung der Faltschachtelkartonkapazität in Finnland oder Schweden prüfen wird, um das Wachstum seiner Kunden zu unterstützen und seine Servicefähigkeit zu stärken. Als Ergebnis der Studie wird das Unternehmen mit dem Pre-Engineering für ein neues Faltschachtelkartonwerk mit einer Jahreskapazität von rund 800.000 Tonnen am Standort Kaskinen in Finnland beginnen. Die Pre-Engineering-Phase umfasst das technische Design, das Design von Infrastruktur- und Logistiklösungen sowie die Ausschreibung der Hauptausrüstung. Im Rahmen des Pre-Engineering werden eine Umweltverträglichkeitsprüfung und ein Umweltgenehmigungsverfahren eingeleitet. Das Unternehmen schätzt, dass eine mögliche Investitionsentscheidung frühestens 2024 getroffen werden könnte. Das Pre-Engineering für die neue Faltschachtelkartonfabrik basiert auf fossilfreier Produktion und sehr hoher Ressourcen- und Produktionseffizienz. Dank der besten verfügbaren Technologie wäre der Verbrauch von Rohstoffen, Energie und Wasser pro Tonne produzierten Faltschachtelkartons im Vergleich zu den bestehenden Kartonfabriken deutlich geringer. Das Produktkonzept würde von der langjährigen Entwicklungsarbeit von Metsä Board in der Produktion von leichtgewichtigem Premiumkarton profitieren. Die Metsä Group ist für die Holzbeschaffung von Metsä Board verantwortlich. Metsä Board produziert Zellstoffe, die in der Kartonproduktion verwendet werden, oder kauft sie von der Schwesterfirma Metsä Fibre, dem weltweit führenden Hersteller von hochwertigem Nadelholz-Marktzellstoff. Metsä Fibre ist ebenfalls Teil der Metsä Group. Metsä Board ist Europas größter Hersteller von Faltschachtelkarton und weißen Kraftlinern. „Die Investition steht, wenn sie beschlossen wird, im Einklang mit der Strategie von Metsä Board, bei faserbasierten Materialien zu wachsen und unsere Industriebetriebe zu erneuern. Unser Ziel ist es, die ressourceneffizienteste Papierfabrik der Welt, modernste Wettbewerbsfähigkeit und ein Produktkonzept zu haben, das die Reduzierung des CO₂-Fußabdrucks ermöglicht. Die Nachfrage nach Verpackungen aus nachwachsenden Rohstoffen und als Ersatz für Kunststoff wird weiter steigen. Wir wollen dieser Nachfrage mit nachhaltigeren Verpackungslösungen gerecht werden, die die Kreislaufwirtschaft fördern“, sagt Mika Joukio, CEO von Metsä Board. www.metsagroup.com Eine deutliche Steigerung der Vergütungen um einen tabellenwirksamen Festbetrag und ein höherer Schichtzuschlag: Diese Forderungen will die IGBCE in den bevorstehenden Tarifverhandlungen für die 40.000 Beschäftigten der Papierindustrie durchsetzen. Das hat die Bundestarifkommission am 30. August in Offenbach beschlossen. IGBCE-Verhandlungsführer Frieder Weißenborn betont: „Die allermeisten Unternehmen in der Papierbranche haben die Corona-Krise gut überwunden und fahren seit Monaten trotz gestiegener Gaspreise hohe Gewinne ein. Die Preise für die Energiekosten können sie einfach weitergeben.“ Die Beschäftigten hingegen könnten das nicht: „Sie müssen ihre Rechnungen bezahlen.“ Weißenborn unterstreicht deshalb: „Gute Arbeit muss sich lohnen, gerade in Krisenzeiten. Mit dem Festbetrag wollen wir die Kaufkraft der Beschäftigten sichern.“ In den Fokus dieser Tarifrunde stellt die IGBCE außerdem die Schichtarbeitnehmerinnen und Schichtarbeitnehmer: Weißenborn betont: „Ihre Arbeit möchten wir durch die Verdopplung der Durchfahrzulage attraktiver gestalten.“ Schon jetzt hätten viele Unternehmen massiv Probleme, Beschäftigte für die Schichtarbeit zu finden. Die Bundestarifkommission fordert, dass die Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen zum 1. Oktober 2022 um einen tabellenwirksamen Festbetrag steigen, der unter Beachtung der Preissteigerungsrate die Kaufkraft der Mitglieder sichert. Außerdem soll die Attraktivität der Schichtarbeit durch die Verdopplung der Durchfahrzulage gesteigert werden. Die Durchfahrzulage erhalten Beschäftigte, die im vollkontinuierlichen Schichtbetrieb arbeiten. Derzeit liegt sie bei fünf Prozent. Die IGBCETarifkommission will sie in dieser Tarifrunde auf zehn Prozent verdoppeln. Die Laufzeit des Tarifabschlusses soll sich an dem Gesamtpaket orientieren. Die Papierbranche ist breit gefächert: Rund 3000 verschiedene Papiersorten gibt es, unterteilt in vier Bereiche. Mehr als die Hälfte aller Papiere wird für Verpackungen produziert. Grafische Papiere machen mit Zeitungen und Zeitschriften rund 32 Prozent aus. Hygienepapiere, also etwa Toilettenpapier und Küchenrolle, haben einen Anteil von sieben Prozent an der Gesamtproduktion. Zu technischen und Spezialpapieren (sechs Prozent an Papierproduktion) zählen zum Beispiel Papiere für Etiketten, Teebeutel oder Zigaretten. Zu den größten Betrieben der Branche zählen der Hersteller grafischer Papiere UPM, der Hygieneartikelproduzent Essity Operations und das Papierunternehmen Sappi. Am 19. Oktober kommen IGBCE und Arbeitgeber zur ersten Verhandlung in Fulda zusammen. www.igbce.de Tarifrunde Papier Verhandlungen starten am 19. Oktober Wochenblatt Papierfabrikation 9.2022 8 BRANCHE

UPM Durch aktualisierte Nachhaltigkeitsagenda Rekordbewertung durch EcoVadis ANDRITZ Weltweit erste autonom betriebenen Holzplatzkräne EcoVadis hat UPM aufgrund seiner Nachhaltigkeitsleistung in den vier Kategorien Umwelt, Arbeitspraktiken und Menschenrechte, Geschäftsethik und nachhaltige Beschaffung die Platin-Medaille verliehen. Nur ein Prozent der weltweit bewerteten Unternehmen erhält die Platin-Auszeichnung. Gegenüber den Bewertungen der vergangenen Jahre hat UPM sich auf die Rekordpunktzahl von 87/100 gesteigert. „Die stärksten Verbesserungsschritte wurden in der Kategorie Arbeitspraktiken und Menschenrechte unternommen. Wir haben uns auf dem Gebiet der sozialen Verantwortung einige neue Ziele bis 2030 gesetzt, die sich insbesondere auf Diversität und Inklusion sowie eine faire Entlohnung konzentrieren. Darüber hinaus haben wir unsere Menschenrechts-Diligence-Prozesse und -Berichterstattung weiterentwickelt“, erklärt Sami Lundgren, VP, UPM Responsibility. „Die EcoVadis Nachhaltigkeitsbewertung hilft Kunden, die Nachhaltigkeitsleistung ihrer Lieferanten einzuschätzen. Die erneute Platin-Auszeichnung ist eine Anerkennung für unsere Anstrengungen in puncto Nachhaltigkeit entlang der Lieferkette“. EcoVadis bewertet die Leistung weltweit tätiger Unternehmen in über 200 Einkaufskategorien und 160 Ländern. www.upm.com Im Bioproduktwerk von Metsä Fibre in Kemi, Finnland, wurden die weltweit ersten autonom betriebenen Holzplatzkräne erfolgreich aufgestellt. Die vom internationalen Technologiekonzern ANDRITZ gelieferte Anlage inkludiert zwei Kräne mit einer Kapazität von je 2 × 25 Tonnen auf einer Kranbahn mit einer Länge von 540 m und einer Lagerkapazität von rund 120.000 m³. Die Kräne werden rund 7,6 Millionen m³ Holz pro Jahr befördern, das auf LKW und mit der Bahn geliefert wird, und auch die Holzlagerung sowie die Zufuhr zum Zellstoffproduktionsprozess übernehmen. Sie sind mit der neuesten künstlichen Intelligenz ausgestattet, wodurch der Holztransport optimiert, die Holzverluste minimiert und ein umweltfreundlicher und kosteneffizienter Betrieb im Vergleich mit herkömmlichen Holztransportlösungen sichergestellt werden. Metsä Fibre, Teil der MetsäGruppe, ist ein führender Hersteller von Zellstoff, Biochemikalien, Bioenergie sowie anderen Bioprodukten. Die Planung der neuen Bioproduktanlage basiert auf der Erzielung hoher Umwelt-, Energie- und Rohstoffeffizienz. www.andritz.com Wochenblatt Papierfabrikation 9.2022 9 BRANCHE

Zum Ausbildungsstart am 1. September begrüßte der Vorstandsvorsitzende Kai M. Furler 30 neue Auszubildende und Studierende im „Halterhof“ in Oberkirch-Ödsbach. In diesem Jahr bildet die KoehlerGruppe Fachinformatiker für Systemintegration, Industriekaufleute, Mechatroniker, Maschinen- und Anlagenführer und Papiertechnologen aus. Zudem star tete ein Student sein duales Studium der Wirtschaftsinformatik sowie ein Papiertechnologe sein „Studium plus“, eine betriebliche Ausbildung mit Studium an der Papiermacherschule in Gernsbach. Bei KATZ am Standort in Weisenbach konnte ein Auszubildender seine Ausbildung zum Papiertechnologen beginnen, am Standort in Greiz sogar gleich zwei. Die Ausbildung ist für Koehler ein wichtiges Gut. Damit werden vorausschauend und langfristig die eigenen Spezialisten ausgebildet. Mit dem Start des neuen Ausbildungsjahres bildet Koehler in Oberkirch erstmals auch Fachinformatikerinnen und Fachinformatiker für Systemintegration sowie Maschinen- und Anlagenführerinnen und -führer aus. „Wir freuen uns, dass wir auch in diesem Jahr wieder viele junge Menschen für eine Ausbildung bei Koehler begeistern konnten und zudem weitere neue Ausbildungsberufe dazugewinnen konnten. Damit investieren wir in unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von morgen“, sagt Stefan Grözinger, Leiter Personalentwicklung sowie Ausbildung und Betriebliches Gesundheitsmanagement bei Koehler. Zu Beginn der Ausbildung lernten sich die Auszubildenden und Ausbilder an zwei offenen Einführungstagen kennen. Nach der offiziellen Begrüßung der Ausbilder, hieß Kai M. Furler, der Vorstandsvorsitzende der Koehler-Gruppe, die neuen Auszubildenden persönlich willkommen: „Wir sind stolz darauf die neuen Auszubildenden als Teil der Koehler-Familie begrüßen zu dürfen. Unser Ziel ist es, euch alle langfristig bei Koehler zu halten. Genießt eure anspruchsvolle Ausbildung bei Koehler und seid offen für alles was auf diesem Weg auf euch zukommt“. Neben dem gegenseitigen Kennenlernen beinhalten die Einführungstage auch notwendige Pflichtschulungen sowie Teamspiele und -übungen, um das „Wir-Gefühl“ zu stärken. Am zweiten Tag stellten sich der Betriebsrat und die Jugend- und Auszubildendenvertretung vor, mit dem Ziel die Arbeit des Betriebsrates und der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IGBCE) kennenzulernen. Abschließend fand am Freitagnachmittag der Ausklang der Einführungstage bei einem gemeinsamen Grillen mit den neuen Auszubildenden und den Ausbildern statt. Alle freuen sich jetzt gemeinsam auf den offiziellen Start des 1. Lehrjahrs. www.koehler.com Koehler-Gruppe Ein Willkommen für die Auszubildenden und Studierenden 2022 Metsä Tissue Europäische Energiekrise führt zu zusätzlichen Kürzungen in der Tissue-Produktion Aufgrund der extrem hohen Energiepreise, getrieben durch die Energiekrise in Europa, hat Metsä Tissue bereits zu einem früheren Zeitpunkt dieses Jahres vorübergehende Produktionsstopps angekündigt. Die Situation hat sich kontinuierlich verschlechtert und wirkt sich auf alle europäischen Märkte von Metsä Tissue aus. Insbesondere stellt dies eine Herausforderung für die west- und osteuropäischen Werke des Unternehmens dar. Vor wenigen Wochen musste Metsä Tissue seine Produktion in den Werken Zilina und Kreuzau wegen der hohen Energiepreisspitzen für mehrere Tage drosseln. Angesichts der hohen Energiekosteninflation sind weitere Reduktionen in der Produktion wahrscheinlich. Diese können sich auch auf die Verfügbarkeit der alltäglichen TissueProdukte auf den Märkten auswirken, wenn es zu einem erheblichen Umfang von Reduktionen kommen wird. “Um die Situation zu entschärfen, haben wir alle möglichen Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz untersucht und es sind Abhilfemaßnahmen im Gange, um russisches Gas durch alternative Energiequellen zu ersetzen. Zudem waren wir gezwungen, unser Produktangebot zu überprüfen. So wird die Krise auch den Übergang zu einer auf Frischfasern ausgerichteten Strategie beschleunigen, die im Vergleich zu Recyclingfasern einen geringeren Energieverbrauch bei der Papierherstellung ermöglicht”, sagt Tobias Lüning, SVP Central Europe, Metsä Tissue. Die Rentabilität wird weiterhin täglich überprüft werden, und die hohen Energiekosten werden höchstwahrscheinlich weiter zu zusätzlichen vorübergehenden Produktionsstopps führen. Über Metsä Tissue Metsä Tissue ist einer der führenden Lieferanten von Tissue-Papier für Haushalte und Fachbetriebe in Europa und einer der weltweit führenden Lieferanten von fettdichten Papieren. Marken sind Lambi, Serla, Mola, Tento, Katrin und SAGA. Mit Produktionsstätten in fünf Ländern beschäftigt das Unternehmen rund 2.500 Mitarbeiter. 2021 betrug der Umsatz 0,9 Milliarde Euro. Metsä Tissue ist Teil von Metsä Group. www.metsatissue.com Wochenblatt Papierfabrikation 9.2022 10 BRANCHE

Die Papierfabrik Reflex GmbH & Co. KG hat Dr. Tiemo Arndt zum Leiter der Technologie bestellt: Der 44-jährige übernimmt seit September die Position für Strategische Produktentwicklung und Technologie. Dr. Arndt bringt langjährige Erfahrung im Bereich der Produktentwicklung und im Innovationsmanagement mit, er studierte an der Technischen Universität Dresden und arbeitete in der Vergangenheit an der Papiertechnischen Stiftung als Leiter Forschung und Transfer. Michael Sablatnig, CEO der Reflex GmbH & Co. KG: „Wir freuen uns, mit Dr. Tiemo Arndt einen vielseitig erfahrenen Experten bei der Reflex begrüßen zu dürfen. Er wird die Innovationskraft unseres Unternehmens weiter stärken. Für seine neuen Aufgaben wünschen wir ihm viel Freude und Erfolg“. Dr. Tiemo Arndt: „Mein Ziel ist es, die Effizienz der Fabrik zu steigern und die Marke Reflex mit neuen Ideen zu stärken, getreu dem Unternehmensmotto: „Unser Papier. Ihre Ideen.“. www.reflex-paper.com Carlos Reinoso verfügt über einen Master in Forstwissenschaften und mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Papierbranche. Darüber hinaus hatte er einflussreiche Positionen in Handelsverbänden auf nationaler wie europäischer Ebene inne. Derzeit als Generaldirektor beim Verband der Spanischen Zellstoff- und Papierhersteller (ASPAPEL) tätig, arbeitete er zuvor für den Verband der europäischen Papierindustrie (CEPI) in Brüssel und ist inzwischen Mitglied dessen Lenkungsausschusses. Darüber hinaus ist er verantwortlich für die Koordination des Bündnisses für Wettbewerbsfähigkeit der Spanischen Industrie und aktiv in der Föderation spanischer Arbeitgeber. Fanis Papakostas, der Vorsitzende von ETS, über die Ernennung von Reinoso: „Wir freuen uns sehr, Carlos im Team zu begrüßen. Sein Erfahrungsreichtum und seine Kontakte in der Branche und in Brüssel sind für uns eine wertvolle Bereicherung und werden unsere strategischen Kapazitäten verstärken.“ „Es ist mir eine Ehre, in den Vorstand von ETS berufen zu werden“, so Reinoso. „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Kollegen aus ganz Europa, um die Interessen unserer Branche zu vertreten und voranzutreiben und Kunden wie Entscheidungsträger mit den Vorteilen von Papiertüchern vertraut zu machen.“ Papiertücher, wie Toilettenpapier, Küchenrolle und Papierhandtücher sind dank ihrer herausragenden Hygiene-Eigenschaften sowohl im gewerblichen als auch privaten Bereich die erste Wahl, was die CoronaPandemie weiter bestärkt hat. Die Branche engagiert sich dafür, ihre erstklassigen Referenzen in punkto Nachhaltigkeit vorzuzeigen, da ihre Produkte 100% natürlich, biologisch abbaubar und recycelbar sind und aus einer nachwachsenden Quelle stammen. Der 58-jährige Carlos Reinoso ist spanischer Staatsbürger und hat einen Bachelor-Abschluss in Forsttechnik von der Fachhochschule Madrid, sowie einen Master in Forstwissenschaften von der Universität Melbourne (Australien). Neben Spanisch spricht Carlos auch Englisch und Französisch. Er ist verheiratet und hat zwei Söhne und eine Tochter. Über ETS Das ETS (European Tissue Symposium) ist der Branchenverband der europäischen Tissuepapier-Produzenten. Die Mitglieder des ETS repräsentieren die Mehrheit dieser Unternehmen in Europa und etwa 90% der europäischen Tissuepapier-Produktion. Das ETS wurde 1971 gegründet und hat seinen Sitz in Brüssel, Belgien. www.europeantissue.com Bild: Privat Bild: ETS + Informationen Erfahren Sie mehr aus der Branche, immer aktuell. www.fibers-in-process.de Tiemo Arndt Neuer Leiter der Technologie bei Reflex Carlos Reinoso ETS (European Tissue Symposium) ernennt stellvertretenden Vorsitzenden Wochenblatt Papierfabrikation 9.2022 11 PERSONEN

ZUR PERSON! Jürgen Heindl ist Vorstandsvorsitzender der Progroup AG. Seine Kindheit verbrachte er auf einem Bauernhof im Odenwald. Dort lernte er eigenen Angaben zufolge schon früh, unternehmerisch zu denken und anzupacken. Nach Studienabschlüssen in den Fachbereichen Elektronik und Wirtschaftsingenieurwesen landete der junge Diplom-Ingenieur in der Verpackungsbranche. Bei der Zewawell GmbH & Co KG, PWA – Verpackungswerke, stieg er als Assistent der Geschäftsleitung ein, zuletzt war er als Vorstandsmitglied tätig. 1991 beschloss Heindl, ein eigenes Unternehmen aufzubauen, um „die Dinge besser zu machen”. Nach rund 30 Jahren an der Spitze übergibt der Gründer Ende des Jahres an seinen Sohn Maximilian, ebenfalls Wirtschaftsingenieur. Sein zweiter Sohn, Vinzenz, ist in der Psychologie und Philosophie zu Hause und leitet die Professionals Academy. Die Kraft der Innovation Ich war von Anfang an davon überzeugt, dass das Unternehmen ein Erfolg wird, wenn wir auf die Kraft der Innovation setzen Bilder: Progroup Progroup-Gründer und Vorstandsvorsitzender Jürgen Heindl: Mit seinem visionären Geschäf tsmodell hat er eine ganze Branche revolutionier t. Im Gespräch mit Jürgen Heindl Vom Mut, eine Traditionsbranche zu revolutionieren, einem unermüdlichen Innovationsgeist und der langfristigen Nachfolgeplanung 1991 gründet Jürgen Heindl sein Unternehmen. prowell nennt er die Firma – also „für die Wellpappe“. Seine Strategie: Wellpappformate mit modernster Technik so produzieren, dass seine Kunden auch kleinste Bestellungen just in time kostengünstig und zuverlässig bekommen. Mehr noch, sie sollen sich mit prowell vernetzen, ihre Aufträge online aufgeben und sich jederzeit über den Stand ihrer Bestellungen informieren können, und das in einer Zeit, in der es noch kein Internet und kein Online-Banking gibt. Als Zielgruppe hat er vor allem familiengeführte Verpackungshersteller in Zentraleuropa im Visier, die selbst keine eigene WellpappProduktion haben und sich nur mit einer leistungsfähigen und unabhängigen Vorstufe entwickeln können. Heindls Plan geht auf. Aus der damaligen prowell Papierverarbeitung GmbH ist mit Progroup AG heute einer der führenden Wellpappenrohpapier- und Wellpapphersteller in Europa geworden. Im Wochenblatt Papierfabrikation 9.2022 12 UNTERNEHMEN

2002 wurde im Werk im tschechischen Rokycany erstmals eine Wellpappanlage mit einer Maschinenbreite von 3,35 Metern installier t – Branchennovum. Interview lässt Heindl die Unternehmensgeschichte Revue passieren – und blickt zugleich auf einen bedeutenden Meilenstein, der noch bevorsteht: der Generationenwechsel. Ende des Jahres übergibt er den Vorstandsvorsitz an seinen Sohn Maximilian Heindl. Knapp 1.700 Mitarbeitende zählt Ihr Unternehmen heute, für das Jahr 2022 erwarten Sie einen Umsatz von ca. 1,8 Milliarden Euro – und das in nur 30 Jahren. Wenn Sie sich in Ihre Gründungszeit zurückversetzen: Haben Sie mit einer solchen Entwicklung gerechnet? Die Papier- und Wellpappbranche war damals, stärker noch als heute, eine Branche, die von Großunternehmen mit oft weit mehr als hundertjähriger Tradition dominiert wurde. Um in einem solchen Umfeld als Gründer zu bestehen, braucht es großes Selbstbewusstsein und Mut, aber auch Weitblick und eine durchdachte Strategie. Ich war von Anfang davon überzeugt, dass das Geschäftsmodell prowell ein Erfolg wird, wenn es auf konsequenter Innovation aufbaut, in den Geschäftsprozessen, der Organisation und der Technik. Wenn wir auf der grünenWiese – also Greenfield – mit den modernsten Maschinen, den optimiertesten Abläufen und maximaler Vernetzung der Maschinen und Prozesse Wellpappe als Format in kleinen Mengen zu den niedrigsten Kosten produzieren. Dieser Ansatz kam in der traditionellen Verpackungsszene einer Revolution gleich. Mir war auch bewusst, dass in einem Commodity-Markt wie dem unseren ein Unternehmen unter den Top 5 sein muss, um profitabel und langfristig erfolgreich zu sein. Nur als Marktführer hat man den Handlungsspielraum, den Markt zu gestalten und zu begleiten. Daher waren Wachstum und Marktführerschaft im Formatmarkt immer das Ziel. Dennoch macht es mich natürlich unglaublich stolz, zu sehen, was wir mit Progroup zuletzt als Mitglied des Vorstands. Es war außerdem schon damals absehbar, dass durch die Globalisierung der internationale Warenstrom deutlich zunehmen würde – und alle diese Exporte und Importe müssen verpackt werden. Für Wellpappe sprach neben dem geringen Gewicht schon damals, dass sie im Unterschied zu Styropor und Plastik ein nachhaltiges Produkt ist. Denn sie besteht zu 100 Prozent aus Altpapier und lässt sich nach der Nutzung problemlos wieder recyclen. 1992 haben Sie die Wellpappformat-Produktionmit dem ersten Werk in Offenbach an der Queich gestartet. Von dort aus expandierten Sie nach ganz Europa. Das klingt nach einer einzigartigen Erfolgsgeschichte. Unsere völlig vernetzte und datengetriebene Arbeits- und Produktionsweise zeigte erfreulicherweise sehr schnell Erfolg, sodass wir schon zwei Jahre nach Inbetriebnahme unseres ersten in etwas mehr als einem Vierteljahrhundert geschafft haben. Das sehe ich nicht als selbstverständlich an. Sie haben im Produkt Wellpappe schon eine exzellente Chance gesehen, noch lange bevor es so etwas wie Online-Handel überhaupt gab und sich Menschen Dinge des täglichen Gebrauchs in Wellpappe verpackt vom Paketservice nach Hause haben liefern lassen. Das Internet war damals nur Wissenschaftlern ein Begriff. Woher kam die Überzeugung in das Produkt? Ich wusste um das Potenzial von Wellpappe, gerade im Zusammenhang mit dem Trend zu “Cocooning”, weil ich bereits aus der Branche kam. Ich war viele Jahre in verantwortungsvollen Positionen bei der Zewawell GmbH & Co KG, PWA Verpackungswerke, Wochenblatt Papierfabrikation 9.2022 13 UNTERNEHMEN

men Zeit- und Kostenvorteile mit sich. 1998 haben wir das Modell I beim Bau des drittenWellpappformatwerks PW03 in Burg erstmals praktisch umgesetzt. Mittlerweile ist es fester Bestandteil unserer Wachstumsstrategie. 2002 zähle ich ebenfalls als Meilenstein. Damals haben wir in Rokycany, Tschechien, erstmals eine Wellpappanlage mit einer Maschinenbreite von 3,35 Metern installiert anstelle der in der Branche üblichen Breiten von 2,50 oder 2,80 Metern. Das meinte ich zu Beginn: Es braucht Mut und Selbstbewusstsein, um Konventionen zu hinterfragen und davon abzuweichen. Aber oftmals lohnt es sich. In unserem Falle ist uns damit ein Produktivitätsfortschritt von 35 Prozent gegenüber demWettbewerb gelungen. Im gleichen Jahr haben wir außerdem Prologistik gegründet, unsere unternehmenseigene Logistikeinheit. Ebenfalls wichtig: Fünf Jahre später wurden wir zur Progroup AG. Die neue Geschäftsform haben Sie gewählt, um den Betrieb und Management voneinander zu trennen? Korrekt. So hatten wir fortan die Kapitalmarktfähigkeit erreicht, den Zugang zu alternativen Finanzierungsinstrumenten, um mit mehr modernen Werken eine höhere Produktivität zu erreichen und unseren Kunden noch mehr Service zu liefern. Wie ging es dann weiter? 2009 markiert mit der Inbetriebnahme unseres ersten polnischen Wellpappwerks einen weiteren wichtigen Schritt in der Unternehmensgeschichte. PW07 in Stryków war damals, und ist es heute noch, das größte Wellpappwerk in Polen und eines der leistungsstärksten in Europa. Zusammen mit dem Standort in Rokycany konnten wir so den gesamten osteuropäischen Markt, aber auch Süddeutschland und Österreich mit Wellpappformaten beliefern. Werkes an die Planung der nächsten gehen konnten: ImMai 1996 wurde bereits mit PW02 der nächste Standort imnordfranzösischen Douvrin in der Nähe von Lille eröffnet. Dort und in Offenbach standen damals schon die leistungsfähigsten Maschinen der Branche. Wieder zwei Jahre darauf lief in Burg bei Magdeburg das dritte Formatwerk an, das einen wichtigen Schritt markierte: Unsere jährliche Produktionskapazität hatte nun 300.000 Tonnen erreicht. Damit waren wir groß genug, um rückwärts zu integrieren: Um vom volatilen Papiermarkt unabhängiger zu werden, haben wir 2001 die Produktion von Wellpappenrohpapieren mit der damals schnellsten Liner-Maschine der Welt gestartet – ebenfalls in Burg. Es folgten weitere Produktionsstandorte für Papier und Wellpappe, darunter in Schüttorf, im britischen Ellesmere Port und im polnischen Stryków. Heute sind wir in sechs zentraleuropäischen Ländern mit insgesamt drei Papierfabriken, elf Wellpappformatwerken, einem Logistikunternehmen und einem sehr leistungsfähigen EBS-Kraftwerk präsent. Was waren von damals bis heute die wichtigsten Meilensteine für Sie? Es gab viele markante Wegpunkte. Einer war sicherlich die Eröffnung unseres ersten Verpackungsparks. Der Gedanke dahinter: Partnerschaft statt Wettbewerb. Wir stehen generell nicht imWettbewerb zu unseren Kunden, da wir keine Verpackungen herstellen. Stattdessen bieten wir insbesondere größeren und wachstumswilligen Kunden an, ihr Werk unmittelbar an unseres zu bauen (Modell I) oder lassen uns selbst neben einem unserer Kunden nieder (Modell II). So können wir unsere Wellpappformate ohne lange Transportwege automatisiert an den Nachbarn, integriert, liefern. Er kann sie direkt weiterverarbeiten. Das bringt für beide UnternehEin Erfolgsrezept von Heindl: Schon Anfang der 90er Jahre setzte er auf eine vernetzte und datengetriebene Produktionsweise. Rechts im Bild ist er mit dem damaligen Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, Reinhard Höppner, zu sehen. Wochenblatt Papierfabrikation 9.2022 14 UNTERNEHMEN

Brehna gewinnen wir mit unserer Kreislaufwasserbehandlungsanlage Biogas, das schon jetzt 10% des dortigen Energiebedarfs deckt. Dort planen wir außerdem, ein weiteres EBS-Kraftwerk zu bauen. An manchen Standorten sind wir allerdings immer noch auf Erdgas angewiesen, das derzeit ja ein teures, rares Gut ist. Trotzdem stehen die Zeichen bei Progroup weiter auf Wachstum. Wie passt das zusammen? Als Familienunternehmen denken wir seit jeher enkelfähig. Bisher konnten wir immer auf unser Geschäftsmodell vertrauen, unser Weitblick und unsere Innovationsfreude haben uns auch durch herausfordernde Perioden geführt. Dazu kommt, dass wir ein Produkt herstellen, das jeden Tag gebraucht wird, das für eine funktionierende Volkswirtschaft essentiell ist. Denn ohne Wellpappe keine Verpackung, ohne Verpackung keine Lieferketten, ohne Lieferketten keine stabile Wirtschaft. So werden wir entsprechend unseres Wachstumsplans bis 2025 in Polen, Deutschland, Frankreich und Italien vier große Werke in Betrieb nehmen, um unsere Position auf den jeweiligen Märkten weiter mit einem klaren Strategieansatz auszubauen. Nichtsdestotrotz ist die aktuelle Lage brisant. Wir beobachten die Entwicklungen weiter sehr genau, um bei Bedarf schnell und f lexibel zu reagieren. Apropos Weitblick: Sie haben es schon benannt, Ende des Jahres steht der lang geplante Generationenwechsel an. Sie übergeben den Vorstandsvorsitz an Ihren Sohn Maximilian Heindl. Wie haben Sie ihn, aber auch sich darauf vorbereitet? Dafür gab es einen klaren Plan. Maximilian hat nach Abschluss Im Jahr 2009 nimmt das Wellpappwerk PW07 in Stryków seinen Betrieb auf. Es ist immer noch größte Werk in Polen und eines der leistungsstärksten in Europa. Ebenfalls wichtig war das Jahr 2011, in dem mit dem Konzept der Papiermaschine PM2 in Eisenhüttenstadt der Weg der nachhaltigen und ressourcenschonenden Papiere begann. Wir haben eine innovative Maschinengeneration entwickelt und installiert, die hochproduktiv leichte Wellpappenrohpapiere mit Flächengewichten zwischen 70 und 130 g/m² mit maximaler Produktivität herstellt: die Next Fibre® Wellpappenrohpapiere. Sie bringen es bei geringerem Fasereinsatz zu besten Oberflächen- und Festigkeitswerten. Ihre hervorragenden Verarbeitungseigenschaften machen sie dabei zum idealen Grundstoff für leistungsfähigste Wellpappformate. Und ein sehr bedeutender Meilenstein liegt mit dem Generationenwechsel Ende des Jahres noch vor uns. Gab es bei alledem auch raue Zeiten? Wir haben ab 2007 die Papierfabrik PM2 in Eisenhüttenstadt inklusive eines Kraftwerks mit einem Investitionsvolumen von 750 Millionen Euro geplant. Dann kam 2008 die Finanz- und Wirtschaftskrise und danach die Euro-Krise. Das waren herausfordernde Zeiten, aus denen wir viel gelernt haben, weil wir gezwungen waren, bestehende Strukturen zu überdenken und zu optimieren. Eine Krise als Chance nutzen – das war auch in dieser schwierigen Zeit die Devise. Aber so weit müssen wir gar nicht zurückgehen. Man schaue nur auf die aktuelle Energiemarktsituation, die die gesamte Papier- und Verpackungsbranche und damit auch uns als Unternehmen trifft. Wir haben sehr frühzeitig damit begonnen, uns unabhängig von fossilen Brennstoffen zu machen und CO2 zu reduzieren. So sind wir mit dem genannten Heizkraftwerk in Eisenhüttenstadt bereits komplett unabhängig von fossilen Brennstoffen. Bei unserer hochmodernen Papierfabrik in Sandersdorf1992 star tetet die Wellpappformat-Produktion mit dem ersten Prowell Werk in Of fenbach an der Queich. Wochenblatt Papierfabrikation 9.2022 15 UNTERNEHMEN

seines Studiums fünf Jahre lang in einem anderen großen Familienunternehmen seine ersten Sporen verdient und ist dann 2016 als Head of Production and Technology Paper in das Unternehmen eingestiegen. Er hat nach und nach mehr Verantwortung übernommen und wurde im Juli 2021 zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden bestellt. So konnte ich meine Erfahrungen und mein Marktwissen an meinen Sohn weitergeben und er sich sukzessive in die neue Rolle einfinden. Damit haben wir früh die Weichen für einen nahtlosen Übergang gestellt. Er ist wichtig, um auch in Zukunft mit unserem Geschäftsmodell nachhaltig im Markt zu wirken. Und um mit unseren Mitarbeitenden, Kunden und Partnern weiterhin auf Augenhöhe zu wachsen. Wir wollen ihnen auch künftig ein starkes, verlässliches Unternehmen sein. Ich bin überzeugt, dass Maximilian für seine neue Aufgabe das nötige Rüstzeug hat. Und ich habe das große Vertrauen, dass er Progroup erfolgreich weiterentwickeln wird. Uns verbinden als Familie gemeinsame Werte und eine sehr ähnliche Haltung in vielen Fragen – eine wichtige Grundlage, um das Unternehmen erfolgreich in die Zukunft zu führen. So kann ich Ende des Jahres guten Gewissens das Steuer abgeben und mich neuen Aufgaben widmen. Wird es dann bald still um Sie? Vielleicht etwas stiller. Denn ganz verlasse ich meinen Wirkungskreis nicht. Ab 2023 wechsle ich in den Aufsichtsrat. Darüber hinaus führe ich die Holdinggesellschaft. Sie ist der Hauptaktionär von Progroup. Zu ihr gehört zum Beispiel ein Business Office, u.a. mit einer Kunden-Akademie, der mein zweiter Sohn, An der hochmodernen Papierfabrik in Sandersdorf-Brehna gewinnt Progroup dank einer innovativen Kreislaufwasserbehandlungsanlage Biogas, das schon jetzt 10% des dor tigen Energiebedarfs deckt. Um sich noch unabhängiger von fossilen Brennstof fen zu machen und CO2 zu reduzieren, plant das Unternehmen am Standor t den Bau eines EBS-Kraf twerkes. Zum Jahreswechsel übergibt Jürgen Heindl (links) das Steuer an seinen Sohn Maximilian, derzeit noch stellver tretender Vorstandsvorsitzender der Progroup AG. Über Progroup Progroup AG mit Sitz in Landau, Deutschland ist einer der führenden Wellpappenrohpapier- und Wellpapphersteller in Europa. Seit seiner Gründung im Jahr 1991 in Offenbach/Queich verfolgt das Unternehmen eine konsequente Wachstumsstrategie, die neben der Technologieführerschaft auch auf dem Einsatz von innovativen und umweltfreundlichen Produktionstechniken basiert. Progroup betreibt in sechs Ländern Zentraleuropas Produktionsstandorte. Dazu zählen aktuell drei Papierfabriken, elf Wellpappformatwerke, ein Logistikunternehmen und ein EBSKraftwerk. Mit 1.554 Mitarbeitenden hat das Unternehmen im Jahr 2021 einen Umsatz von rund 1,3 Milliarden Euro erwirtschaftet. Vinzenz, als Geschäftsführer vorsteht. Mit dieser Organisation schaffen wir eine Plattform für unsere Kunden zur Wissensvermittlung, auf der sie auch die Möglichkeit zur Vernetzung haben und auf der sie sich zu branchen- und familienunternehmensspezifischen Themen austauschen können. Was haben Sie sich für diesen neuen Lebensabschnitt vorgenommen? Ich bin sehr neugierig, reise sehr gern und liebe es, andere Kulturen kennenzulernen. Vielleicht gelingt es meiner Frau und mir, diesem Hobby ab dem nächsten Jahr wieder stärker nachzugehen. Auf jeden Fall wollen wir beide uns noch mehr Zeit für unsere Enkel nehmen – die übernächste Generation steht nämlich mit den beiden Kindern von Maximilian schon bereit. Wochenblatt Papierfabrikation 9.2022 16 UNTERNEHMEN

Lösung für die steigende Nachfrage nach Papierverpackungen am MarktS. 18 Mitsubishi HiTec Paper SN Maschinenbau Wechsel auf Papier – Formschulter als Schlüsselelement in Schlauchbeutelmaschinen S. 23 FormerFab Wochenblatt Papierfabrikation 9.2022 17 SPEZIALPAPIERE

Nachhaltig und sicher verpackt Kooperation imBereich der flexiblen Papierverpackungen Im Bereich der flexiblen Verpackungen für Lebensmittel und Non-Food sind besonders nachhaltige Lösungen gefragt. Der Bielefelder Spezialpapierhersteller Mitsubishi HiTec Paper und der Wipperfürther Experte für Beutelverpackungsmaschinen SN Maschinenbau bündeln nun ihre Kräfte, um sichere und gleichzeitig umweltfreundliche Verpackungslösungen aus Papier anzubieten. Mit barricote® bietet Mitsubishi HiTec Paper bereits seit mehreren Jahren ein innovatives Sortiment rezyklierbarer Barrierepapiere für flexible Verpackungen von Lebensmitteln und NonFood. SN Maschinenbau ist weltweit bekannt für erstklassige horizontal arbeitende Form-, Füll- und Verschließmaschinen (HFFS) für unterschiedlichste Produkte, insbesondere Lebensmittel. Beide Unternehmen haben nun in enger Zusammenarbeit und zahlreichen Testläufen nachgewiesen, dass die wässrig beschichteten barricote Papiere auf den Beutelverpackungsmaschinen von SN Maschinenbau genau so zuverlässig verarbeitet werden können wie Folien. Ein aufwändiges Nachrüsten der Maschinentechnik wird somit nicht notwendig. „Wir konnten bei SN Maschinenbau unsere barricote Sorten Liner MG, Liner MGO, BAG WG und BAG WGOM erfolgreich im Einsatz als Standbodenbeutel testen“ sagt Andreas Carstensen, Anwendungstechniker bei Mitsubishi HiTec Paper. „Alle Barrierepapiere lieferten eine ähnliche Performance im Prozessablauf wie etablierte Kunststoff-Materialien. Dabei bieten unsere Papiere nicht nur Barrieren gegen Wasserdampf, Fett, Öl, Sauerstoff und Aroma sondern auch gegen Mineralölmigration. Sie sind darüber hinaus im Altpapierkreislauf rezyklierbar, aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt, heißsiegelfähig und FSC® sowie PEFC™ zertifiziert.“ „Als einer der weltweit führenden Hersteller von horizontal arbeitenden Beutelverpackungsmaschinen freuen wir uns über die gute Zusammenarbeit mit Mitsubishi HiTec Paper und die positiven Testergebnisse. Damit beweisen wir einmal mehr, dass ein Großteil der heutigen nachhaltigen Mono-Verpackungsstoffe ohne aufwändige Anpassung der Maschinentechnologie prozesssicher verarbeitbar ist. Weiterhin bieten wir, zusammen mit Mitsubishi HiTec Paper, eine Lösung für die steigende Nachfrage von Papierverpackungen im Markt.“ sagt Reiner Müller, Director Business Development & Global Accounts bei SN Maschinenbau. Beide Unternehmen stellen auf der fachpack 2022 in Nürnberg aus. Kommen Sie vorbei und informieren Sie sich über nachhaltige flexible Verpackungslösungen aus Papier! www.mitsubishi-paper.com > Mitsubishi HiTec Paper: Stand 7A-310 > SN Maschinenbau: Stand 1-421 Das Barrierepapier barricote BAG WG 87 von Mitsubishi HiTec Paper als Standbodenbeutel Bild: Mitsubishi HiTec Wochenblatt Papierfabrikation 9.2022 18 SPEZIALPAPIERE

Nachhaltige Beutel Nicht ohne die passende Formschulter! Ob Standbeutel, Sachet oder Stickpacks – immer dann, wenn eine Folie in Beutelform gebracht wird, ist eine Formschulter am Werk. Sie ist unverzichtbarer Teil von Schlauchbeutelmaschinen und auch eine Schlüsselkomponente, wenn es darum geht, auf alternative Materialien umzusteigen. Wer Produkte in Beutel verpackt, weiß, dass das nur mit einer Formschulter funktioniert. Dieses Wechselwerkzeug formt die Folien, bevor sie versiegelt und befüllt werden. Wichtig ist dabei die exakte Formung und dass die Folien nicht beschädigt werden. Außerdem muss der fertige Beutel knitterfrei sein. All diese Anforderungen kann das Freitaler Unternehmen FormerFab mit einer speziellen Formel berechnen. „Wir sind eines von wenigen Unternehmen weltweit, das Formschultern direkt berechnen kann. Dieses Verfahren gibt unseren Kunden die Sicherheit, dass anschließend alles funktioniert und dass auch schwierige Materialien optimal verarbeitet werden können“, erklärt Roy Holfert, Sales Director von FormerFab. Mit seinen hochpräzisen Formschultern für horizontale und vertikale Schlauchbeutelmaschinen beliefert das Unternehmen Verpackungsmaschinenbauer, Endanwender und Lohnverpacker in über 50 Ländern. „Unsere Formschultern sind bei vielen Branchengrößen im Einsatz – so agieren wir als mittelständisches Unternehmen auch auf dem Weltmarkt“, berichtet der Sales Director stolz. Der Anfang lag dabei in der Herstellung von vollgefrästen Formschultern. „So ließen sich die berechneten Formschultern am besten in die Realität überführen“, erklärt Holfert. Ein weiterer Vorteil der Berechnung ist die längere Lebensdauer der Bauteile, denn die Kräfte werden dadurch optimal verteilt. Die Ergebnisse werden zunächst mit Prototypen getestet. Dazu greift das Team auf 3D-Drucker zurück, bevor es zur Fertigung an die CNC-­ Maschinen geht. „Jede Formschulter wird an seine künftige Aufgabe angepasst – an die Verpackungsmaschine, an das Material, das verarbeitet wird und das Design des Beutels“, beschreibt Holfert den Entwicklungsvorgang. Papier hat seine Herausforderungen In der Vergangenheit lag der Fokus auf der Verarbeitung von PE- und PP-Folien sowie auf Verbundmaterialien. Das hat sich nach den Worten von Holfert drastisch geändert: „Das bestimmende Thema bei unseren Kunden ist im Moment Papier. Das war auf der letzten fachpack so und wird auch in diesem Jahr wieder so sein.“ Doch die Umstellung von konventionellen Kunststofffolien auf papierbasierte Materialien ist gar nicht so einfach. „Was Maschinenbauer und Anwender wissen müssen ist, dass Papier weniger dehnbar ist. Das heißt, im Vergleich zu Kunststofffolien benötigt Papier einen längeren Weg, um sich umzuformen. Das schlägt sich auch in der Gestaltung der Formschulter nieder“, erläutert Holfert die Herausforderungen. Hinzu kommt, dass es auch bei den Papierfolien unzählige Zusammensetzungen und Varianten gibt: Manche sind kurz-, andere langfasrig, es gibt Typen mit Barriere oder ohne, gestrichen oder ungestrichen. Deshalb berechnen die Formschulterexperten aus Freital jede Anwendung individuell und beziehen immer den Maschinentypen, das Material und die Beutelform in ihre Betrachtungen ein. Selbstverständlich ist für FormerFab dabei auch der Austausch mit den Papier- und Folienlieferanten. „Damit die Folien der HerFormatsatz rund für Papier Flowpack Formschulter für Papier Wochenblatt Papierfabrikation 9.2022 23 SPEZIALPAPIERE

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