Wochenblatt für Papierfabrikation 5/2022

INTERVIEW Aufschwung des Stahlzylinders DIGITALISIERUNG Mehr Papier aus weniger Rohstoffen SPEZIALPAPIERE Perfektes Team für die Umwelt D 11579 D 150. JAHRGANG FACHMAGAZIN FÜR DIE PAPIER- UND ZELLSTOFFINDUSTRIE PAPIERFABRIKATION WOCHENBLATT 05 MAI 2022

RUBRIK Wochenblatt Papierfabrikation 5.2022 2

Chancendenker Nachhaltigkeit hat sich zu einem Grundprinzip europäischer Politik entwickelt. Maßgeblich für diese Entwicklungen sind branchenübergreifende Herausforderungen wie Klimaerwärmung, Ressourcenverknappung, steigende Rohstoff- und Produktkosten sowie das zunehmende Umweltbewusstsein der Gesellschaft. Sie fordert nachhaltige und umweltfreundliche Papier- und Verpackungsprodukte. Es wird für Unternehmen immer bedeutsamer, sich in Bezug auf die Nachhaltigkeit klar zu positionieren. Dies trifft insbesondere auf die rohstoff- und energieintensive Papierindustrie zu, deren Produktion unterschiedliche Auswirkungen auf Umwelt und Verbraucher verursacht. Das Interesse an nachhaltigen und umweltfreundlichen Papier- und Verpackungsprodukten ist groß und steigt kontinuierlich, was sich beispielsweise am zunehmenden Bedarf an Zertifikaten, Umweltzeichen, Footprints und Nachhaltigkeitsberichten ablesen lässt. Dies wiederum wirkt sich maßgeblich auf das Verhalten von Unternehmen über die gesamte Wertschöpfungskette aus und führt zu neuen oder optimierten Produkt- und Prozesslösungen. Für eine nachhaltige Zukunft sind signifikante Verbesserungen in der Ressourceneffizienz in der Papierindustrie unab- dingbar. Das bedeutet eine höhere Wertschöpfung, neuartige Produkte, eine aktive Innovationskultur und eine offene Kooperation in Netzwerken. Diesen Grundsätzen folgen die Beiträge in dieser Ausgabe des Wochenblattes für Papierfabrikation. Lassen Sie sich inspirieren! Dr.-Ing. Kerstin Graf Chefredakteurin Wochenblatt Papierfabrikation 5.2022 3 EDITORIAL

Organ des Akademischen Papieringenieur-Vereins e.V. an der DHBW Karlsruhe Organ des Akademischen Papieringenieur-Vereins an der TU Dresden e.V. Mitteilungsblatt des Vereinigten Papierfachverbandes München e.V. Organ des Papierzentrums Gernsbach Mit den Mitteilungen der Papiertechnischen Stiftung (PTS) München, Heidenau Organ der Vereinigung Gernsbacher Papiermacher e.V. Organ des Akademischen Papieringenieur-Vereins e.V. an der TU Darmstadt Das Papiermacherwappen Die sogenannten „Papierer“ wurden in alter Zeit zusammen mit den Buchdruckern, Buchbindern und Glasern der Gilde der Maler zugeordnet und führten deshalb aucwh das Zeichen dieser Gilde: die Schildchen und den Ochsenkopf. Der geflügelte Ochse war der ständige Begleiter des Evangelisten Lukas, des Schutzheiligen der Maler. Er verdankt diese Ehre einer Verwechslung mit dem Mönch und Maler „il Santo Luca“. Eines der ersten Papierwasserzeichen, wie wir sie auch in Gutenbergs Bibeldrucken vorfinden, ist der Ochsenkopf. Organ des Akademischen PapieringenieurVereins e. V. an der TU Darmstadt Organ des Akademischen PapieringenieurVereins an der TU Dresden e. V. Organ des Akademischen PapieringenieurVereins e. V. an der DHBW Karlsruhe Mitteilungsblatt des Vereinigten Papierfachverbandes München e. V. Organ des Papierzenrtums Gernsbach Organ des Akademischen Papi ingenieur-Vereins e.V. an de DHBW Karlsruhe Organ des Akademischen Papieringenieur-Vereins an der TU Dresden e.V. Mitt ilungsblatt des Vereinigten P pierfachverbandes München e.V. Organ des Papierzentrums Gernsbach Mit d Mitteilungen der Papier ech ischen Stiftung (PTS) Mü chen, Heidenau Organ der Vereinigung Gernsbacher Papiermacher e.V. Organ des Akademischen Papi ringenieur-Vereins e.V. an der TU Darmstadt Organ des Akademischen Pap eringeni ur-V reins e.V. an der DHBW Karlsruhe Organ des Akademische Papiering nieur-Ve eins an der TU D esden e.V. Mitteilungsblatt des Vereinigten Papi rfachverbandes Münch e.V. Organ d s Papierzentrums Gernsbach Mit n Mitteilungen der Pap ertechnischen Stiftung (PTS) München, Heid nau Organ der Vereinigung Gernsbache Papiermacher e.V. Organ des Akademische Papieringeni ur-V reins e.V. n der TU Darmstadt Organ des Akademischen ier genieur-V eins e.V. an der DHBW Karlsruhe Organ A i Papi ring nieur-V reins an der TU Dresde e.V. Mitteilung blatt des Vereinigt n Papierf chverba des München e.V. Orga des Papi rzen ums Gernsbach Mit den Mitteilung n der Papiert ch is n Stiftung (PTS) München, Heid nau Ver Organ A i Papi ringe ieur-Ver ins e.V. an d r TU Darmsta t 28 BVG liefert für die neue PM 5 Papierfabrik Palm in Aalen technologische Highlights im Bereich der chemischen Additive Bild: BVG 32 Solenis, ein Hersteller von Spezialchemikalien für wasserintensive Industrien, hat den Namen für sein Umwelt-, Sozial- und Governance-Programm (ESG) markenrechtlich geschützt. Bild: Solenis Wochenblatt Papierfabrikation 5.2022 4 INHALT

49 VERANSTALTUNGEN 50 EINKAUFSFÜHRER MARKTPLATZ 51 IMPRESSUM / SERVICE TITELBILD Mehr Prozesseinblick bei der Papierproduktion führt mit VEGA-Füllstand- und Drucksensoren zu exakterer Bedarfsplanung, geringerem Verbrauch von Holz, Wasser, Energie, niedrigen Wartungskosten und einer vorausschauenden Planung des Lagers. Es lohnt sich, jedes einzelne Verfahren kritisch unter die Lupe zu nehmen, aber vor allem, die Prozessdaten intelligent miteinander zu verknüpfen. 44 Während ihres Studiums kamen die beiden Gründer der Münchner Papierwerk Glockenbach GbR Raphael Grotthuss und Annamaria Leiste das erste Mal mit Büttenpapier in Berührung. 7 BRANCHE 12 PERSONEN DIGITALISIERUNG 14 Mehr Papier aus weniger Rohstoffen Papierprozesse mit VEGA-Sensoren digital voll ausschöpfen INTERVIEW 18 Der Aufschwung des ANDRITZ Stahlzylinders Vor- und Nachteile von Anwendungen in der Papierindustrie 23 Der Countdown läuft! ZELLCHEMING Expo 2022 wieder in Präsenz TECHNOLOGIE 26 Neo-Ökologie mittels innovativer Papiertechnik Fraunhofer reduziert CO2-Footprint und recycelt Trendleichtbauwerkstoff Carbon CHEMISCHE TECHNOLOGIE 28 Stark im Team BVG liefert für Papierfabrik Palm in Aalen technologische Highlights im Bereich der chemischen Additive 32 Kundenorientierung im Fokus Solenis benennt sein ESG-Programm in ESG+C™ um MANAGEMENT 34 Technologische Transformation Trotz Coronakrise und Lieferengpässen investieren DIGITALISIERUNG 35 Auf demWeg zur Digitalisierung in der Papierindustrie Das Institut für Textiltechnik der RWTH Aachen University SPEZIALPAPIERE 39 Perfektes Team für die Umwelt Epson zertifiziert Blue4est® Thermopapier von Koehler Paper 40 Vollständig biobasierte Barrierebeschichtungen Kemira und Danimer Scientific erweitern exklusive Partnerschaft 42 FunctionalBarrier Paper von Mondi Gold bei den DOW Packaging Innovation Awards GRAFISCHE PAPIERE 44 Wie junge Künstler ihre Liebe zum Büttenpapier entwickelten! Besuch beim Papierwerk Glockenbach GbR in München PAPIERVERARBEITUNG 46 Papiereinschlag statt Folie Umbau bei bestehenden KHS-Verpackungsmaschinen problemlos möglich AUSBILDUNG 49 e-Fernlehrkurs zum Papiertechniker Erfolgreicher Abschluss 2022 Wochenblatt Papierfabrikation 5.2022 5 INHALT

Bild: Voith Beim Rundgang durch die neue Produktionslinie 8 in Kehl – Gregor Andreas Geiger (Geschäf tsführer Kommunikation und Öf fentlichkeitsarbeit, Verband DIE PAPIERINDUSTRIE e.V), Dr. Stefan Karrer (Vorstand Technik, Koehler-Gruppe), Mar tin Gassner-Herz (MdB, FDP), Joachim Uhl (Werkleiter, Koehler Paper Standor t Kehl) Bild: ANDRITZ Bild: Koehler-Gruppe Verwendung von erneuerbarem Gas für die Trocknung von Papier S. 8 Andritz Partnerschaft mit indischem Kartonhersteller S. 10 Voith Austausch mit der Politik über die angespannte Situation im Energie- und Logistikmarkt S. 12 Koehler Paper ANDRITZ Novimpianti unterstützt Sofidel bei der Eliminierung fossiler Brennstoffe im Tissuetrocknungsprozess Der renommier te indische Kar tonhersteller B&B Triplewall Containers Limited setzt beim Umbau seiner Stof faufbereitung auf Voith Wochenblatt Papierfabrikation 5.2022 6 BRANCHE

4evergreen Design Richtlinie für faserbasierte Verpackungen Die 4evergreen Alliance hat ihre Circularity by Design-Richtlinie veröffentlicht, den Höhepunkt von Expertenforschung und Diskussionen, um Verpackungsdesignern klare Empfehlungen für die Herstellung faserbasierter Verpackungen zu geben, die von Anfang an für das Recycling ausgelegt sind. Die Circularity by Design-Richtlinie wurde von 29 Experten für Verpackungsdesign entwickelt und von 114 Branchenführern überprüft. Die Leitlinie stellt einen entscheidenden Schritt beim Aufbau einer zirkulären Zukunft für faserbasierte Verpackungen dar. Unter Berücksichtigung der Kreislaufwirtschaft zu entwerfen bedeutet, die Materialien zu verwenden, die einen immer effizienteren Recyclingprozess unterstützen. Die 4evergreen-Richtlinie identifiziert präzise Empfehlungen für die Gestaltung von faserbasierten Verpackungen entsprechend der Kompatibilität verschiedener Materialien mit dem Recyclingprozess unter Verwendung des Standard-Recyclingverfahrens. Hans Wortman, 4evergreen Chair und Head of PfR Sourcing bei der WEPA Group, sagte: „Als Allianz sind wir sehr stolz auf diese Leistung. Hunderte von Stunden und viele Ressourcen wurden in diese Richtlinien gesteckt, und dies ist auf das Bestreben unserer Mitglieder zurückzuführen, eine zirkuläre und kohlenstoffarme Zukunft aufzubauen. Die Richtlinie umfasst 7 Komponenten, darunter: Füllstoffe, Zusatzstoffe und Mittel; Barrierebeschichtungen und Polymergehalt; Tinten und Lacke; Klebstoffe; dekorative metallische Komponenten; Grundmaterial und alternative Fasern; und Produktverunreinigung oder Restgehalt. Die Verpackungsindustrie, die sich ihrer Rolle bei der Gestaltung einer klimaneutralen Zukunft bewusst ist, hat im Rahmen der 4evergreen-Allianz zusammengearbeitet, um von Experten geleitete Leitlinien für die gesamte Wertschöpfungskette faserbasierter Verpackungen zu entwickeln. Die Branche verfügt bereits über die höchste Recyclingquote, hat aber ihr Engagement für eine bessere Zukunft durch ihre Beiträge zur Allianz unter Beweis gestellt. Die Allianz finalisiert derzeit zwei weitere Ergebnisse: ein Recyclability Evaluation Protocol und Guidance on the Improved Collection & Sorting of Fibre-Based Packaging for Recycling. Insgesamt wird dieses Paket von Ergebnissen aus der Allianz zu dem allgemeinen Ziel der Allianz beitragen, die Zirkularität faserbasierter Verpackungen zu perfektionieren. www.4evergreenforum.eu Stora Enso Veräußerung seiner Sägewerke und Forstbetriebe in Russland Stora Enso hat eine Vereinbarung zur Veräußerung seiner beiden Sägewerke in Russland getroffen. Die Sägewerke Nebolchi und Impilahti des Unternehmens werden an das lokale Management veräußert. Darüber hinaus umfasst die Veräußerung den russischen Forstbetrieb von Stora Enso, der durch seine Ernte Holz an die Sägewerke liefert. Die Einschätzung von Stora Enso ist, dass aufgrund der Unsicherheiten auf dem russischen Markt lokales Eigentum und Betrieb eine nachhaltigere langfristige Lösung für diese Geschäftstätigkeit und die dort arbeitenden Mitarbeiter bieten können. Die Transaktion wird, vorbehaltlich der erforderlichen Genehmigungen, voraussichtlich innerhalb des 2. Quartals 2022 abgeschlossen sein und keine wesentlichen Auswirkungen auf den Jahresumsatz und das operative EBIT von Stora Enso haben. Aufgrund der verschlechterten Geschäftsaussichten für diese Geschäfte wurde im Ergebnis des ersten Quartals eine Wertminderung in Höhe von 70 Millionen Euro vorgenommen. Der zusätzliche Verlust aus der Transaktion nach IFRS wird sich auf rund 60 Millionen Euro belaufen und im Wesentlichen aus Währungsumrechnungsanpassungen bestehen, die zum Stichtag zu erfassen sind. Die Aufwendungen werden als Posten betrachtet, die sich auf die Vergleichbarkeit auswirken. Die Sägewerksstandorte befinden sich in Nowgorod und Karelien und beschäftigen rund 330 Mitarbeiter und verfügen über eine jährliche Gesamtkapazität von 350.000 m3 Schnittholz, darunter 55.000 m3 verarbeitetes Holz und 65.000 Tonnen Pellets. Der russische Forstbetrieb von Stora Enso beschäftigt rund 170 Mitarbeiter und verwaltet langfristige Ernterechte für rund 370.000 Hektar. Stora Enso kündigte am 2. März 2022 an, die gesamte Produktion und den Verkauf in Russland bis auf Weiteres einzustellen. Der Konzern ist dabei, eine nachhaltige Lösung für die Zukunft seiner drei Verpackungswerke in Russland zu finden. www.storaenso.com Wochenblatt Papierfabrikation 5.2022 7 BRANCHE

+ Informationen Erfahren Sie mehr aus der Branche, immer aktuell. www.fibers-in-process.de ANDRITZ Erstmalige Verwendung von Bio-Synthesegas für die Trocknung in der Tissue-Industrie Der internationale Technologiekonzern ANDRITZ hat mit der Sofidel Group eine Vereinbarung zur Aufrüstung der Haubentechnologie der Tissueanlage in Kisa, Schweden, unterzeichnet. Das ANDRITZ-­ Equipment wird Sofidel die Verwendung von erneuerbarem Gas (Bio-Synthesegas) für die Trocknung von Tissue oder jeder anderen Art von Papier ermöglichen. Es handelt sich um die erstmalige Verwendung von Bio-Synthesegas für Papiertrocknung in der Industrie. Die Inbetriebnahme ist für das erste Halbjahr 2023 geplant. Um den Heizprozess vom derzeit verwendeten Flüssiggas (LPG: Liquefied Petroleum Gas) auf Bio-Synthesegas umzustellen, werden die Brenner der PM3 und PM4 im Werk Kisa ersetzt, und die Brennkammer der Haube der PM3 wird von ANDRITZ Novimpianti aufgerüstet. Dies wird einen gleichmäßigen Gasstrom für eine effektive und konstante Tissuetrocknung ermöglichen. Nach dem Upgrade wird die PM3 zu 100 Prozent mit Bio-Synthesegas für die Papiertrocknung versorgt, PM4 wird teilweise mit Bio-Synthesegas gespeist werden. Die Investition ist Tei l von Sofidels Ziel, eine CO₂-Reduktion von 8.500 Tonnen jährlich zu erzielen. Das Bio-Synthesegas für den Heizprozess wird in einer thermo-chemischen Konversionsanlage am Standort Kisa erzeugt – unter Verwendung von lokal zugekauften Holzschnitzeln als Biobrennstoff. ANDRITZ Novimpiantis Rolle in Kisa basiert auf der langjährigen Erfahrung mit Luft- und Energiesystemen für Tissue, Papier und Karton. Luca Linari, Geschäftsführer von ANDRITZ Novimpianti, sagt: “Das ist das erste Mal, dass Bio-Synthesegas für die Trocknung von Papier verwendet wird. Dies ist ein signifikanter Schritt für die gesamte Industrie, um nachhaltiger zu werden. Und ANDRITZ ist sehr stolz darauf, Sofidel bei dessen Initiative CO₂ Emissionen zu reduzieren, unterstützen zu können.“ Sofidel Chief Technical Officer Davide Mainardi sagt: „Die Einführung von Bio-Synthesegas in Kisa ist ein wichtiger Meilenstein unserer Nachhaltigkeits-­ Roadmap. Diese Initiative mit ANDRITZ Novimpianti, Meva Energy und der Universität von Pisa bringt konkrete Vorteile, die sich in relativ kurzer Zeit bezahlt machen werden. Die Initiative macht uns auch zuversichtlich, dass unser Zwischenziel von 40 Prozent Reduktion von CO₂ Emissionen bis 2030 verglichen mit dem Ausgangsjahr 2018 mit der verfügbaren Technologie erreichbar ist.“ www.andritz.com Metsä Board Mögliche Erhöhung der Faltschachtelkartonkapazität in Finnland oder Schweden Der Bedarf an nachhaltig produzierten Verpackungsmaterialien, die die Kreislaufwirtschaft fördern, wächst weltweit. Metsä Board, Teil der Metsä Group, ist ein führender europäischer Hersteller von Frischfaserkartons und ein Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit. Die Frischfaserkartons des Unternehmens sind ressourceneffizient und tragen dazu bei, den CO₂-Fußabdruck von Verpackungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu reduzieren. Die weltweite Nachfrage nach hochwertigen Frischfaserkartons ist in den letzten Jahren um rund 2–3% pro Jahr gestiegen und wird voraussichtlich auch in Zukunft mindestens im gleichen Tempo weiterwachsen. Gemäß seiner Strategie zielt Metsä Board darauf ab, bei faserbasierten Verpackungsmaterialien zu wachsen und seine industriellen Aktivitäten zu erneuern. Um das Wachstum seiner Kunden zu unterstützen und seine Servicefähigkeit zu stärken, prüft das Unternehmen Möglichkeiten, seine Faltschachtelkartonkapazität in Finnland oder Schweden zu erhöhen. Die Evaluierung der Optionen wird voraussichtlich bis Ende 2022 abgeschlossen sein. Die derzeitige jährliche Kartonkapazität von Metsä Board beträgt rund 2 Millionen Tonnen, von denen 1,3 Millionen Tonnen Faltschachtelkarton und 0,7 Millionen Tonnen weiße Kraftliner sind. Das Unternehmen ist Europas größter Hersteller von Faltschachtelkarton und weißen Kraftlinern. Metsä Board hat eine laufende Investition in sein integriertes Werk Husum in Schweden, die die jährliche Faltschachtelkartonkapazität des Unternehmens um rund 200.000 Tonnen erhöhen wird. Die Investition wird voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2023 abgeschlossen sein und die zusätzliche Kapazität wird voraussichtlich bis Ende 2025 erreicht sein. www.metsaboard.com Wochenblatt Papierfabrikation 5.2022 8 BRANCHE

UPM Verkaufsabschluss von Chapelle Darblay UPM hat den Verkauf seines Zeitungspapierfabrikstandorts Chapelle Darblay an die Gemeinde Rouen abgeschlossen. Dieser Verkauf ist ein Verkauf von Vermögenswerten, der Grundstücke, Gebäude und Ausrüstung abdeckt. Es wird kein Personal transferiert. UPM hatte die Produktion bereits im Juni 2020 endgültig eingestellt und einen Sozialplan für seine Mitarbeiter imWerk Chapelle in Grand-Couronne, Frankreich, vereinbart. UPM hatte sich ursprünglich verpflichtet, den Standort im Oktober 2021 an ein Konsortium von zwei Partnern, Samfi und Paprec France SAS, zu verkaufen. Die Gemeinde Rouen kam dann dem Verkauf des Grundstücks und der Gebäude der Chapelle Darblay im Februar 2022 zuvor und stornierte den Verkauf an Samfi und Paprec France SAS. UPM wird sich weiterhin für den französischen Zeitungspapiermarkt einsetzen und eng mit seinen Partnern und Kunden in Frankreich zusammenarbeiten. www.upm.com DIE PAPIERINDUSTRIE Leistungsbericht „Papier 2022“ – Papierindustrie transparent Die Papierindustrie sichert mit ihren Produkten den Alltag und versorgt Millionen von Menschen mit nachhaltigen Verpackungen für Lebensmittel und Medikamente, wichtigen Hygieneartikeln, Papier für Zeitungen und Zeitschriften. Für ihre Produktion ist sie auf eine sichere und bezahlbare Versorgung mit Strom und Gas angewiesen. Insgesamt steht die Papierindustrie mit ihren vor- und nachgelagerten Stufen für 522.000 Beschäftigte, eine Wertschöpfung von 35 Mrd. Euro. und einen Umsatz von 93 Mrd. Euro. Welche Zahlen sonst noch hinter der größten nationalen Papierindustrie Europas stecken, zeigt der aktuelle Leistungsbericht des Verbandes DIE PAPIERINDUSTRIE „Papier 2022“. Der Verband hat jetzt den Leistungsbericht und den ergänzenden Datenband vollständig ins Internet gestellt. Eine gedruckte Version des Leistungsbericht können Interessenten in der Abteilung Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit des Verbandes zum Preis von 25 Euro (inkl. MwSt. und Versand) bestellen. In außergewöhnlicher Optik, Haptik und Verarbeitung zeigen dort acht verschiedene Papiere und Pappen die Vielfalt der Produkte der deutschen Papierindustrie. www.papierindustrie.de/papier-2022 Wochenblatt Papierfabrikation 5.2022 9 BRANCHE

ten Gesamtbetriebskosten sicherstellen.“ Im Rahmen des BlueLine Stoffaufbereitungssystems wird Voith mehrere innovative Produkte liefern, die für eine möglichst nachhaltige und effiziente Papierherstellung aus einer Hand entwickelt wurden. Die Voith TwinPulp Technologie mit dem IntensaPulper sorgt für höchste Effizienz und minimiert die Faserverluste bei geringstem Energieaufwand. InduraHiCleanHochkonsistenzreiniger tragen dazu bei, schwere Verunreinigungen sowie kleinere Partikel wie Sand oder Steine auf sichere Weise zu entfernen, um die nachfolgenden Maschinen in der Prozesslinie für einen zuverlässigen und nachhaltigen Betrieb zu schützen. Das Sortiersystem, bestehend aus der neuen Generation IntegraScreen, FiberSorter und IntegraCombiSorter mit KS Cleaner, bietet höchstmögliche Sortiereffizienz bei geringsten Faserverlusten. Höchste Effizienz und Betriebssicherheit in Kombination mit geringem Energieverbrauch bietet zudem das InduraHiCleanSystem, das mit optimierter Rückspültechnologie von Voith ausgestattet ist. Das Feinsortiersystem IntegraScreen mit den klassenbesten C-bar Siebkörben sorgt für höchste Sticky-Entfernung und Betriebssicherheit bei geringem Energieverbrauch. Zu den weiteren Highlights des Systems gehört der besonders zuverlässige EFK Eindicker, der während seiner gesamten Lebensdauer nahezu wartungsfrei ist. Die Mahlung bei niedriger Intensität mit Voith’s erfolgreichen TwinFlo-Refiner und Pluralis-Refinergarnituren bietet optimale Ergebnisse bei der Faseraufbereitung für Verpackungspapier. Der zweischichtige Konstante Teil, bestehend aus den bewährten ComMix, HydroMix und IntegraGuard Sortierern, wird zu einer gleichbleibenden Qualität bei hoher Betriebssicherheit beitragen. Über B&B Triplewall Containers Ltd. B&B Triplewall gehört zu den größten Kartonherstellern Indiens und produziert Kartons und Pappen von höchster Qualität und in großer Vielfalt. Das Unternehmen befindet sich in Familienbesitz und ist ein sehr renommierter Hersteller von Verpackungskartons im südlichen Teil Indiens. Das aktuelle Projekt ist für eine Anlage zur Herstellung von Verpackungspapier in Krishnagiri, Tamil Nadu. www.voith.com Voith BlueLine OCC-Stoffaufbereitung für indischen Kartonhersteller B&B Triplewall Containers Der renommierte indische Kartonhersteller B&B Triplewall Containers Limited hat sich für eine Partnerschaft mit Voith entschieden. Er beauftragte eine BlueLine OCC-Stoffaufbereitung und den Konstanten Teil inklusive Ausschussaufbereitung für seine Krishnagiri PM 1. Mit einer Kapazität von 250 Tonnen pro Tag wird die neue Stoffaufbereitungsanlage konstant hochwertigen OCC-Faserstoff für die Herstellung von stabilemWellpappenrohpapier liefern. Der Full-LineAnbieter Voith liefert zudem das Engineering für den Prozess und die Anlage sowie die Automatisierung und übernimmt die Bauüberwachung. Die umgebaute Anlage soll noch in diesem Kalenderjahr in Betrieb genommen werden. Manish Bothra, Direktor von B&B Triplewall Containers, bestätigt diese Entscheidung: „Wir freuen uns, dass wir Voith als Partner für dieses transformative Projekt gewinnen konnten. Wir sind beeindruckt vom Know-how und der Erfahrung von Voith in diesem Bereich und dem großartigen Feedback, das wir von Voith’s zahlreichen erfolgreichen Referenzen in Indien erhalten haben. Neben der überlegenen technologischen Basis war einer der Schlüsselfaktoren für unsere Entscheidung das lokale Team von Voith Paper India mit seinemWissen und den vor Ort verfügbaren Dienstleistungen und Services.“ Mit dem neuen Auftrag stärkt Voith erneut seine Marktführerschaft in Indien, gestützt auf vielen erfolgreichen Referenzen und einem hohen Auftragsbestand. Ashis Talukdar, Head of Engineering Voith Paper Indien, erklärt: „Die gute und enge Zusammenarbeit zwischen den Teams und der starke Fokus des Managementteams von B&B Triplewall, sich für die beste Qualität der Produkte und Systeme zu entscheiden, waren entscheidende Faktoren, die Voith in Indien eine weitere Erfolgsgeschichte der BlueLine OCCStoffaufbereitungsanlage bescherten.“ „Voith ist stolz darauf, mit B&B Triplewall Containers zusammenzuarbeiten“, sagt Supratim Pan, Sales and Application Manager bei Voith Paper. „B&B Triplewall Containers setzt Standards auf dem Gebiet der Papierherstellung und engagiert sich für den Projekterfolg, um den Weg für eine langfristige Partnerschaft zu ebnen. Unser BlueLine-Stoffaufbereitungssystem mit bewährten und nachhaltigen Lösungen wird den höchsten Kundennutzen und die niedrigsWochenblatt Papierfabrikation 5.2022 10 BRANCHE

Mayr-Melnhof Karton Wissenschaftsbasierte Klimaziele offiziell bestätigt Die Mayr-Melnhof Karton AG (MM Gruppe) hat sich zu einer Reduktion von Treibhausgasemissionen im Einklang mit der Klimawissenschaft verpflichtet. Die ehrgeizigen Ziele wurden von der Science Based Targets initiative (SBTi) nun offiziell genehmigt. MM festigt Führungsstatus im Bereich Nachhaltigkeit MM setzt auf wirtschaftlichen und technischen Fortschritt im Einklang mit den Bedürfnissen von Gesellschaft und Natur. Basierend auf den strategischen Säulen „Planet“, „People“ und „Prosperity“ hat die MM Gruppe ein umfassendes Nachhaltigkeitsprogramm entwickelt, das eine übergreifende Dekarbonisierungsstrategie beinhaltet. Peter Oswald, CEO der MM Gruppe, unterstreicht den Ansatz: „Die Bewältigung des Klimawandels erfordert ehrgeizige Maßnahmen von Unternehmen. Unsere wissenschaftlich fundierten Ziele zeigen unser Engagement zur Förderung einer nachhaltigen Entwicklung, indem wir das tun, was notwendig ist und nicht das, was einfach ist.“ Die Klimaziele von MM decken alle Bereiche ab (Scope 1, 2 und 3) Das Engagement der MM Gruppe zur Abschwächung des Klimawandels umfasst die Reduktion sowohl der direkten und indirekten Emissionen aus dem Betrieb (Scope 1 und 2) als auch der Emissionen aus der Wertschöpfungskette (Scope 3): – MM verpflichtet sich, die absoluten Scope 1 und 2 THG-Emissionen bis 2031 um 50,4% gegenüber dem Basisjahr 2019 zu reduzieren. – MM verpflichtet sich außerdem, die Scope-3-THGEmissionen bis 2031 um 58,1% pro Euro Wertschöpfung ausgehend von einem Basisjahr 2019 zu reduzieren. Die Genehmigung der Ziele durch SBTi bestätigt, dass der konzernweite Reduktionspfad von MM im Einklang mit dem Pariser Klimaabkommen steht, um zur Begrenzung der globalen Erwärmung auf unter 1,5°C bis 2050 beizutragen. Zu diesem Zweck ermittelt MM nicht nur die Treibhausgasemissionen des Konzerns, sondern fördert auch die Nachhaltigkeitsinitiativen seiner Kunden und Lieferanten. Über SBTi Die Science Based Targets initiative (SBTi) ist ein globales Gremium, das Unternehmen ermöglicht, sich ehrgeizige Emissionsreduktionsziele im Einklang mit den neuesten Erkenntnissen der Klimawissenschaft zu setzen. Die Initiative verfolgt das Ziel, dass Unternehmen weltweit ihre Emissionen bis 2030 halbieren und bis 2050 Netto-Null-Emissionen erreichen. www.mm.group Yamauchi Corporation Walzenbezüge im Fokus Der Hersteller von Kalanderwalzenbezügen, die Yamauchi Corporation mit Sitz in Hirakata, Osaka, Japan, glaubt fest an ihre europäische Basis Yamauchi Corp NV in Hasselt, Belgien. Deshalb wurden erhebliche Investitionen getätigt, um die Produktlinie der Papierindustrie weiter zu verbessern und zu erweitern. Dies führte zum Bau einer neuen Fertigungshalle für die Herstellung von Walzenbezügen für Kalander, die „MirrorMax NEO“-Walzen. Früher wurden diese in Finnland hergestellt, aber es wurde beschlossen, Produktion - Engineering - Know-how und Vertrieb für Europa an einen Standort zu bringen. Die Wahl für Yamauchi Corp NV in Hasselt ist durch die zentrale Lage in Europa begründet. Das ermöglicht eine einfache und wirtschaftlichere Logistik. Ein zusätzlicher Vorteil ist, dass Produktmanagement- und Engineering-Expertise bereits in Hasselt vorhanden waren. Das Bekenntnis der Yamauchi Corporation zur Papierindustrie und die spezifischen Bedürfnisse nach mehr Leistung und qualitativ hochwertigeren Produkten führten ebenfalls zum Wechsel nach Hasselt und zu dieser großen Investition. Ziel ist es, den Service für Kunden in der Papierindustrie weiter zu verbessern, indem hochwertige Composite-Walzenbezüge für jede spezifische Anwendung hergestellt und gleichzeitig Papierproduktionskosten eingespart werden. Yamauchi glaubt fest an die kontinuierliche Unterstützung von papierproduzierenden Unternehmen. Durch Forschung und Entwicklung von hochwertigen Composite-Walzenbezügen möchte man dem Ruf nach neuen oder bestehenden Produkten entsprechen. Dies führt beispielsweise zu Produkten, die einen stabilen Walzenlauf unter Hochtemperatur- und Hochdruckbedingungen mit deutlich längeren Nachschleifintervallen und längeren Lebensdauern ermöglichen. www.yamauchi.be/mirrormax Wochenblatt Papierfabrikation 5.2022 11 BRANCHE

Koehler Paper FDP-Bundestagsabgeordneter Gassner-Herz besucht Werk in Kehl AustroCel Hallein Wolfram Kalt zum neuen CEO von AustroCel bestellt Die Papierindustrie ist von den gestiegenen Energiepreisen am Markt wie auch von der angespannten Situation der Logistikketten massiv betroffen. Martin Gassner-Herz, für die FDP seit 2021 im deutschen Bundestag, machte sich bei Koehler Paper am Standort Kehl, persönlich ein Bild der Situation. Dort tauschte er sich mit Dr. Stefan Karrer, technischer Vorstand der Koehler-Gruppe, Joachim Uhl, Werkleiter des Koehler Paper Standortes Kehl, sowie Gregor Andreas Geiger, Geschäftsführer Kommunikat ion und Öffentlichkeitsarbeit des Verbandes DIE PAPIERINDUSTRIE e. V., aus. Am zur Koehler-Gruppe gehörenden Koehler Paper Standort in Kehl sind aktuell ca. 555 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. In dem 1988 in Betrieb genommenen Werk in Kehl, werden auf drei hochmodernen Papiermaschinen Thermopapiere und Dekorpapiere produziert. 2019 wurde die Produktionslinie 8 in Betrieb genommen, für die das Unternehmen mehr als 300 Millionen Euro investierte. Auf der weltweit modernsten und leistungsfähigsten Papier- und Streichmaschine werden flexible Verpackungspapiere und hoch innovative Barrierepapiere, die beispielsweise bei Ritter-Sport zum Einsatz kommen, produziert. Martin Gassner-Herz zeigte sich bei einem Rundgang begeistert: „Ich bin beeindruckt von der Innovationskraft und dem unternehmerischen Weitblick von Koehler. Zukunft braucht vor allem eins: Mut. Und den sehe ich hier bei Koehler.“ Gregor Andreas Geiger zeigte sich als Vertreter des Bundesverbandes DIE PAPIERINDUSTRIE e. V. besorgt über die aktuelle Situation am Energiemarkt. „Bereits vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine haben sich die Energiepreise vervielfacht. Selbst bei langfristigen Kontrakten haben sich die Preise versiebenfacht. Preistreiber sind dabei auch politisch induzierte Faktoren wie die CO2-Kosten im EU-Emissionshandel sowie einseitige nationale Belastungen.“ In Summe steht die Papierindustrie in Deutschland mit ihren vor- und nachgelagerten Produktionsketten für über 522.000 Beschäftigte und einen Umsatz von 91 Mrd. Euro. Sie ist auf eine bezahlbare Versorgung mit Gas und Strom angewiesen. Koehler forciert mit seinen Aktivitäten bei Koehler Renewable Energy den Ausbau der erneuerbaren Energien mit eigenen Anlagen massiv. Dabei ist die Erwartungshaltung an die Politik, laut Dr. Stefan Karrer, eindeutig: „Nur mit der versprochenen unbürokratischen Realisierung von Windkraftanlagen sehen wir die Möglichkeit, die Erzeugung von erneuerbarer Windkraftenergie in Deutschland schneller voranzutreiben. Aktuell liegen die Genehmigungsverfahren im Schnitt immer noch bei mehr als 5 Jahren pro Anlage.“ www.koehler.com Mit 1. Juli wird Dr. Wolfram Kalt neuer Geschäftsführer von AustroCel Hallein. Wolfram Kalt, der bereits mehrere leitende Positionen in der Zellulosefaserindustrie innehatte, löst damit den derzeitigen CEO Jörg Harbring ab, dessen Fünfjahresvertrag Ende Juli ausläuft. Wolfram Kalt verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung als globaler Innovations- und Nachhaltigkeitstreiber in der Zellulosefaserindustrie. Damit übernimmt AustroCel die Führung im nächsten Kapitel seines erfolgreichen Weges. Bevor er als Strategieberater traditionelle Industrien bei grundlegenden Transformationsprozessen Richtung Nachhaltigkeit begleitete, hat Wolfram Kalt zwischen 2009 und 2016 die größte Viskosetochter der Lenzing AG in Indonesien geführt. In einer Phase extremen Wachstums und bedeutender Investitionen gelang es ihm dort, neben der Profitabilität auch die ökologische und soziale Performance zu verbessern. Einen wesentlichen Beitrag zur Einführung von umweltfreundlichen Technologien und Nachhaltigkeitsstrategien in der Zellulosefaserindustrie leistete Wolfram Kalt zuvor in Österreich, wo er 16 Jahre lang maßgeblich an der Entwicklung und dem Aufbau der Lyocell-Industrie beteiligt war. Unter seiner Verantwortung als Werksleiter und Geschäftsführer von Lenzing Heiligenkreuz gewann er im Jahr 2000 erstmals den europäischen Umweltpreis für nachhaltige Technologien für Österreich. Diese Auszeichnung war nicht nur wegweisend für die junge Lyocell-Industrie, sondern stärkte auch die Vorreiterrolle von Lenzing in Sachen Nachhaltigkeit in der Chemiefaserindustrie. Wolfram Kalt stammt aus Bleiberg-Kreuth in Kärnten, Österreich, und hat an der Technischen Universität Wien ein Doktorat der technischen Wissenschaften und einen Master in Chemie erworben. „Ich freue mich sehr auf die neue Aufgabe, die positive Entwicklung hin zu einer noch innovativeren und nachhaltigeren Produktion bei AustroCel gemeinsam mit einem hoch motivierten Team fortzusetzen. Außerdem bin ich froh, wieder in Österreich zu arbeiten“, erklärt Wolfram Kalt. AustroCel bedankt sich bei Jörg Harbring, der dazu beigetragen hat, das Unternehmen zu einem modernen und innovationsfreundlichen Produktionsstandort für Textilzellstoff und Bio-Ethanol zu machen und wünscht ihm für die Zukunft alles Gute. Bild: Privat Wochenblatt Papierfabrikation 5.2022 12 PERSONEN BRANCHE

Marina Palm, die Tochter von Dr. Wolfgang Palm, trat zum 1. März 2022 in die Geschäftsführung von Palm ein. Damit sind die hohen ethischen Werte und die Unabhängigkeit des inhabergeführten Familienunternehmens Palm auch in der 5. Generation gesichert. Frau Palm beginnt ihre Tätigkeit bei Palm bestens vorbereitet nach abgeschlossenem Bachelor- und Masterstudium in Betriebswirtschaftslehre und einigen Jahren Berufserfahrung. Sie wird sich in den nächsten Jahren in alle Segmente des Familienunternehmens einarbeiten und sukzessive Verantwortungsbereiche von der 4. Generation übernehmen.„Mein klares Ziel ist es, die dynamische Entwicklung von Palm auch in Zukunft weiterzuführen. Dazu zählt für mich eine hohe Innovations- und Investitionsbereitschaft sowie die langfristige Fortführung der traditionellen Werte des Familienunternehmens Palm wie absolute Verlässlichkeit, Loyalität und unternehmerische Leidenschaft“, so Marina Palm. Eine solide Basis für die Zukunft von Palm ist bereits geschaffen: Mit hochmodernen Anlagen in insgesamt 33 Betrieben und der Herstellung von Wellpappenrohpapieren, Zeitungsdruckpapieren und Verpackungen auf 100 % Recyclingbasis ist Palm bestens auf eine erfolgreiche und durch den Nachhaltigkeitsgedanken geprägte Zukunft vorbereitet. Frau Palm freut sich ganz besonders darauf, das unabhängige Familienunternehmen Palm gemeinsam mit allen Beschäftigten erfolgreich weiterzuentwickeln. www.palm.de Progroup Veränderung im Vorstand Palm Gruppe 5. Generation startet durch Philipp Kosloh wird aus persönlichen Gründen und im gegenseitigen Einvernehmen mit sofortiger Wirkung aus dem Vorstand der Progroup AG und den Geschäftsführungen ihrer Tochterunternehmen ausscheiden. Er wird seine Tätigkeiten für den Konzern – im eingeschränkten Umfang – noch bis Mitte des Jahres 2022 fortsetzen und sich alsdann einer neuen beruflichen Herausforderung stellen. Bis zur Neubesetzung werden die Aufgaben von Maximilian Heindl, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender, und Volker Metz, CFO, interimistisch übernommen. Jürgen Heindl, Gründer und Vorstandsvorsitzender: „Philipp Kosloh hat sich in seinen nahezu sechs Jahren als Vorstandsmitglied um Progroup verdient gemacht und das Unternehmen in einer Phase starken Wachstums unterstützt. Ich wünsche ihm für die neue berufliche Herausforderung und persönlich alles Gute.“ Über Progroup Progroup AG mit Sitz in Landau, Rheinland-Pfalz ist einer der führenden Wellpappenrohpapier- und Wellpapphersteller in Europa. Seit seiner Gründung im Jahr 1991 in Offenbach/Queich verfolgt das Unternehmen eine konsequente Wachstumsstrategie, die neben der Technologieführerschaft auch auf dem Einsatz von innovativen und umweltfreundlichen Produktionstechniken basiert. Progroup betreibt in sechs Ländern Zentraleuropas Produktionsstandorte. Dazu zählen aktuell drei Papierfabriken, elf Wellpappformatwerke, ein Logistikunternehmen und ein Heizkraftwerk. Mit 1.554 Mitarbeitenden hat das Unternehmen im Jahr 2021 einen Umsatz von rund 1,3 Milliarden Euro erwirtschaftet. ww.progroup.ag Bild: Palm Wochenblatt Papierfabrikation 5.2022 13 PERSONEN Networking, Ideen und Innovationen Neue Perspektiven für die papier- und zellulosefaserbasierte Industrie Save the date! 29. Juni – 01. Juli 2022 im RMCC Wiesbaden zc_expo2022_anz_l.qxp_210x103 de 11.05.22 09:05 Seite 1

Um unserem Papierbedarf angesichts immer knapper werdender Ressourcen gerecht zu werden, ist Digitalisierung eine der Lösungen, mit der die Herstellung effizienter und so auch deutlich nachhaltiger wird. Allerdings braucht es hierzu neben Innovationsbereitschaft auch das Augenmaß, vielfach noch ungenutzte Potenziale bereits vorhandener Lösungen voll auszuschöpfen. In Füllstand- und Drucksensoren etwa steckt bereits heute mehr Intelligenz, als vermutet. Digitalisierung ist nicht die erste Veränderung, die die Welt der Papierproduktion effizienter machen will. Schon frühere Modernisierungszyklen verfolgten das Ziel schlankerer Prozesse oder versprachen mehr Effizienz. Doch zwei Faktoren heben die Digitalisierung von den früheren Initiativen ab. Zum einen richten sich Industrien allgemein, nicht ausgenommen die Papierindustrie, immer globaler aus. Daneben werden die Endprodukte zunehmend individueller, ihre Herstellungszyklen kürzer und die Kundenwelt schnelllebiger. Im Nu ist ein Lieferant gewechselt, vorbei die Zeiten loyaler Kunden, sobald ein anderer Anbieter günstigere Lösungen verspricht. Das heißt für Papierproduzenten: Noch schneller reagieren, noch mehr Varianten produzieren, Rohstoffe noch effizienter einsetzen. Weil die Herstellung von Papier eine äußerst ressourcenintensive Angelegenheit ist, steckt in beinahe jedem der zahlreichen Prozessschritte zwischen Hackschnitzelsilo, Trockenzylinder und Abwasseraufbereitung enormes Potenzial für Einsparungen. Mehr Prozesseinblick führt zu exakterer Bedarfsplanung, geringerem Verbrauch von Holz, Wasser, Energie, niedrigen Wartungskosten und einer vorausschauenden Planung von Maschineneinsatz bis Lager. Es lohnt sich also, jedes einzelne Verfahren kritisch unter die Lupe zu nehmen, dessen jeweils schon vorhandenes Potenzial zu entdecken und zu nutzen und dessen Prozessdaten-Kommunikation in ein übergeordnetes digitales Netz zu integrieren. Die IST-Situation Bei einem Blick auf die Ist-Situation der Papierproduktion zeigt sich, dass gerade mit den Prozessdaten aus der Füllstand- und Druckmessung viele Weichen neu gestellt werden können. Typischerweise entsprechen heutige Sensoren den hohen Anforderungen der Industrie an Robustheit und Zuverlässigkeit. Am weitesten verbreitet sind aus diesem Grund analoge Messgeräte mit 4 … 20 mA-Anschluss. Und schon diese enthalten mehr Prozessintelligenz und digitale Daten, als gemeinhin vermutet; genutzt werden sie jedoch bis dato in den seltensten Fällen. Längst am Markt verfügbare Feldbusse oder digitale Protokolle, wie etwa HART, Profibus PA oder Foundation Fieldbus werden zwar genutzt, aber nicht flächendeckend. Wertvoller 2. Datenkanal nutzbar Es lohnt sich, den digitalen Fähigkeiten bestehender Lösungen auf den Grund zu gehen. Schon seit 2016 machen es VEGA-Sensoren möglich, sie mit einem drahtlosen Anzeige- und Bedienmodul und dadurch mit Bluetooth LE (Low Energy) aus- und nachzurüsten. Mit diesem zweiten, digitalen Datenkanal können die Sensoren und Feldgeräte schon heute eine Fülle wertvoller Daten zur Verfügung stellen. In der Papierfabrik bilden sie die Basis für eine schnelle und komfortable Inbetriebnahme, aber auch für eine Statusanzeige über den Gesundheitszustand des Sensors sowie umfassende Diagnosemöglichkeiten. Das Ergebnis sind unter anderem minimierte Stillstandzeiten – weil Wartung und Instandhaltung vorausschauend geplant werden können. Mehr Sicherheit für Mensch und Prozess Ganz einfach mit Intelligenz versehen lassen sich selbst noch Messstellen, die schon seit 20 Jahren ihre guten Dienste leisten. Alle VEGA-Sensoren ab Baujahr 2003 oder jünger lassen sich im Papierprozesse mit VEGA-Sensoren digital voll ausschöpfen Mehr Papier aus weniger Rohstoffen Wochenblatt Papierfabrikation 5.2022 14 DIGITALISIERUNG

Handumdrehen mit einem dafür benötigten drahtlosen Anzeige- und Bedienmodul nachrüsten. Der Vorgang ist denkbar einfach: Der vorhandene Gerätedeckel wird abgeschraubt und das neue Anzeige- und Bedienmodul „aufgesteckt“. Es bedarf dazu keines Software-Updates oder ähnlicher Neueinstellung. Über Laptop, Smartphone oder Tablet sind die Sensoren nun sofort drahtlos zu bedienen – und zwar über die typischen Entfernungen, die je nach Sendequalität zwischen 25 und 50 Metern betragen. Die direkten Vorteile für Anwender reichen von erheblicher Arbeitserleichterung an schwer zugänglichen Messstellen bis hin zur Vermeidung von Prozessrisiken durch aufwendiges, oft kompliziertes Hantieren vor Ort. Daneben entfallen Reinigungsarbeiten am Sensor, wie etwa am Schauglas des Deckels, der vor der Umrüstung manuell gereinigt und lesbar gehalten werden musste. Drahtlos mehr Sicherheit auf Halde Bei einer Hackschnitzelhalde befindet sich in aller Regel eine bewegliche Messstelle unterhalb ihres „Verteilerarmes“. Mit der Möglichkeit, hier die Messwerte durch Umrüstung auf einem neuen Display drahtlos abzurufen, kann diese Messstelle sehr einfach aus der Ferne bedient werden. Der mühsame Weg über die Konstruktion entfällt, zudem kann an dieser Stelle, im Außenbereich und bei freier Sicht, die drahtlose Kommunikation leicht auch größere Entfernungen von bis zu 70 Metern erreichen. Das Überwachen, Bedienen und viele Wartungsaufgaben an der Halde werden deutlich sicherer und schneller. Für die Anwender zählt aber besonders, dass ihre Arbeit komfortabler und bequemer wird. Konkret ist die Unfallgefahr beim Erklimmen hoher Behälter ebenso gebannt, wie das Risiko, dass Gegenstände wie Schraubdeckel oder Werkzeuge in die Tanks und Behälter hineinfallen könnten und Prozesse zum Stillstand bringen. Ganz zu schweigen davon, dass Schmutz oder Fremdgegenstände beim Einstecken von Kabeln zu Problemen führen können. Alle VEGA-Sensoren ab Baujahr 2003 oder jünger lassen sich mit einem drahtlosen Anzeige- und Bedienmodul nachrüsten. Über Laptop, Smar tphone oder Tablet sind die Sensoren nun sofor t über Bluetooth zu bedienen – und stellen mit diesem zweiten Datenkanal wer tvolle digitale Daten zur Verfügung. Werden Messdaten drahtlos aus der Ferne abgelesen, ist die Arbeit vor Or t leichter. Auch Reinigungsarbeiten am Sensor, wie etwa am Schauglas des Deckels, sind nun überflüssig. Bilder: VEGA Wochenblatt Papierfabrikation 5.2022 15 DIGITALISIERUNG

Funkbasierte Sensoren füllen die Lücke Sind nur gelegentliche Messungen, wie etwa an mobilen IBCs oder Flusspegelmessungen nötig, bietet VEGA zur durchgängigen Messdatenerfassung ihre VEGAPULS Air-Radarsensoren an. Gerade mobile oder weit entfernte Messstellen gehören zu den größten Hürden auf dem Weg zur durchgängigen Produktions- und Lieferkette. Auf Basis ihrer bewährten 80 GHz-Radartechnologie schließt VEGA diese Lücke mit sicheren, autarken Fül lstandsensoren. Im Vordergrund stehen dabei Energieeffizienz und ideal aufeinander abgestimmte Komponenten, so dass das Ergebnis einen zuverlässigen und autonomen Betrieb für 10 Jahre und mehr gewährleisten kann. Best Practice bei DS Smith Einer der ersten Anwender im Bereich Papierproduktion war 2020 das niederländische Unternehmen DS Smith De Hoop B.V. Zum Einsatz kamen VEGAPULS Air 23, die seither zuverlässig die Füllstände in den IBCs überwachen. Dank Radar ist an den IBCs eine Messung von außen möglich. Das Kunststoffgehäuse muss also nicht geöffnet oder modifiziert werden, um die Sensoren mit wenigen Handgriffen dauerhaft zu installieren. DS Smith erhält die Messdaten zu den jeweiligen Flüssigkeitsständen unabhängig vom Standort ihres IBCs. Der fest eingestellte Messbereich liegt bei 1,2 Metern und der Mess- und Übertragungsintervall bei 6 Stunden. Selbst aufeinandergestapelt, erfassen die VEGA-Sensoren an jedem einzelnen Behälter mehrfach pro Tag den aktuellen Füllstand und die Position – und übermitteln diese Daten per Funk in die Cloud. Via Mobilfunk (NB-IoT/LTE-M1) können die Messdaten zudem an die zentrale Leitstelle oder alternativ an die VEGA-Logistik-Software „VEGA Inventory System“ übertragen werden. DS Smith verwendet eine Vielzahl unterschiedlicher Chemikalien. Dank der Sensorlösung an den IBCs kommt der Nachschub nun auf den Punkt genau passend. Aufwendiges „Nachschauen“ oder manuelle Bestellvorgänge gehören der Vergangenheit an. Überzeugt ist das Unternehmen jedoch vor allem vom unkomplizierten Einbau der Systeme. „Es sind wirklich nur wenige Handgriffe, die wir verrichten mussten, bevor die Daten sicher in der Zentrale ankamen,“ berichtet Ralf Höll, der zuständige VEGA-Produktmanager. „Die Lösung war preiswerter, sicherer und vor allem einfacher als erwartet.“ Die „so wird’s“-Situation Doch wie sieht die Zukunft der Papierindustrie aus? Im Anlagen- und Maschinenbau haben längst IO-Link-Sensoren die Prozesse erobert. Auch für alle Standardanwendungen in der Papierindustrie sind daher VEGA-Produktserien mit IO-Link eine optimale Lösung. Sie stehen für einfache Verdrahtung, digitale Kommunikation bei gleichzeitigem Monitoring sowie einfachstem Sensoraustauch unter Beibehalt aller vorhandenen Parametrierungen. Nicht immer bieten diese kompakten Sensoren der BASICLinie baulich alle Vorteile der klassischen VEGA-Sensoren der PRO-Linie – so wie höchste Temperaturbereiche, umfassende Prozessanschlüsse oder sämtliche verfügbaren Gehäusematerialien. Daher wird VEGA speziell für anspruchsvolle Messaufgaben zukünftig Zweileiter-Ethernet-Sensoren mit APL, Advanced Physical Layer, anbieten, die digitale Protokolle wie Profinet oder EtherNet/IP ermöglichen. Mit dieser Technologie wird die Digitalisierung aller Prozesse, von einfach bis hochkomplex, in allernächster Zukunft Realität. Intelligent geht auch einfach Intelligenter bedeutet nicht komplizierter. Im Gegenteil! Mit den digitalen Daten und Werten an den richtigen Stellen, lassen sich Papierproduktionsanlagen transparenter und verständlicher überwachen, steuern und dabei optimieren. Weil Ressourceneinsparungen, geringere Wartungskosten oder Just-in-Time-Logistik entscheidende Bausteine auf dem Weg zu einer effizienteren Papierproduktion sind, gehören Füllstand- und Drucksensoren Auf Basis ihrer bewähr ten 80 GHz-Radar technologie bietet VEGA sichere, autarke Füllstandsensoren an. Im Vordergrund stehen dabei Energieeffizienz und ideal aufeinander abgestimmte Komponenten, die einen Betrieb für 10 Jahre und mehr ohne zusätzliche Versorgung ermöglichen. Wochenblatt Papierfabrikation 5.2022 16 DIGITALISIERUNG

zu den zentralen Schlüsseln auf diesem Weg. VEGA-Sensoren sind deshalb schon heute so ausgelegt, dass sie Prozesse nicht nur intelligenter überwachen und miteinander verbinden, sondern auch die Arbeit dahinter einfacher machen. Die Geräte unterstützen nicht zuletzt das Instandhaltungspersonal optimal, so dass dieses sich voll auf die Kernaufgaben konzentrieren kann: die effiziente Produktion in der richtigen Qualität. www.vega.com Zeit, auch Papier digitaler zu denken Papierlos sollten Büros schon in den 90er-Jahren werden, vielerorts sogar an Toilettenpapier gespart werden. Während jedoch der Anteil grafischer Papiere, wie etwa für Zeitungen, Bücher oder Bürodrucker, in den letzten Jahren gesunken ist, machen Internethandel, Trends wie To-go-Pappbecher oder Papier als Plastikersatz inzwischen den Löwenanteil der Produktion aus. Details, wie die Tatsache, dass zu viele Waren in Paketen mit Standard- und daher Übergrößen verschickt werden, feuern diesen Trend noch an. Weil weltweit heute aus fast jedem zweiten gefällten Baum Papier wird, muss Effizienz bei der Herstellung neu definiert werden. Digitalisierung ist einer der zentralen Bausteine dazu. Autarke Vorreiter: Einer der ersten Anwender der neuen, autarken Füllstandsensoren VEGAPULS Air 23 war 2020 das niederländische Unternehmen DS Smith De Hoop B.V. VEGAPULS Air-Sensoren überwachen hier die Füllstände in IBCs. Sie sind in Sekundenschnelle installier t, denn dank Radar ist eine Messung von außen möglich. Der Behälter muss also nicht geöf fnet oder modifizier t werden. Wochenblatt Papierfabrikation 5.2022 17 DIGITALISIERUNG

Der Aufschwung des ANDRITZ Stahlzylinders „ Aufgrund des einzigartigen und patentierten Logistikkonzepts ist ANDRITZ in der Lage, Stahlzylinder mit einem Durchmesser von bis zu 26 Fuß (7,9 m) und einer Länge von bis zu 8,4 m zu liefern.“ Franz Harrer, Head of Technology Tissue, ANDRITZ Im Gespräch mit Franz Harrer, Robert Schloffer und Riccardo Pierini Wochenblatt Papierfabrikation 5.2022 18 INTERVIEW

Tabakindustrie. Und das ist noch lang nicht alles: auch die Trockenzyl inder der Vor- und Nachtrockenpar t ien bei Papier- und Kartonmaschinen können komplett aus Stahl gefertigt werden – mit den gleichen Vorteilen wie ihre größeren Pendants. Darüber hinaus liefert ANDRITZ Stahlzylinder auch an andere Industrien, einschließlich der Lebensmittelindustrie, für spezielle Trocknungszwecke. Ist der Einbau von Stahlzylindern ein wachsender Trend? Harrer: Da er nach wie vor eine obligatorische Komponente für herkömmliche Tissuemaschinen ist, nimmt die Zahl der Installationen zu. Wir glauben, dass vor allem Stahlzylinder ein noch deutlicheres Wachstum aufweisen, da Gusszylinder Nachteile mit sich bringen und eine nachhaltige, energieeffiziente und sichere Produktion heutzutage von größter Bedeutung ist. Was sind die Hauptvorteile der Zylinder, sowohl bei neuen Maschinen als auch bei der Nachrüstung bestehender Maschinen? Harrer: Bei neuen Maschinen sind Stahlzylinder mittlerweile Stand der Technik, die auf einer Reihe von Vorteilen beruhen, wie beispielsweise einer besseren Trocknungsleistung und einer nachhaltigeren Produktion als bei Modellen aus Guss: mit ihrem höheren Wirkungsgrad und zulässigem Dampfdruck, bieten sie in Verbindung mit einer Schuhpresse, die mit hoher Presskraft arbeitet, ein beachtliches Potenzial an Energieeinsparung. Bis zu 24 % im Vergleich zu anderen Maschinenkonfigurationen sind möglich! In Kombination mit dampfbeheizten Hauben ist das Einsparungspotenzial sogar noch höher. Als Ersatz für alte Zylinder sind sie die Technologie der Wahl. Gusszylinder haben eine begrenzte Lebensdauer und müssen daher ersetzt werden. Ein großer Vorteil eines solchen Austauschs (Stahl statt Gusseisen) besteht darin, dass der neue Zylinder mit höherem Dampfdruck betrieben werden kann und somit eine effizientere Trocknung ermöglicht. Diese Leistungssteigerung kann ohne eine Änderung der Länge der bestehenden Trockenpartie erreicht werden. Einer der größten Vorteile ist jedoch der Sicherheitsaspekt. Das duktile Material ist im Fall von Materialfehlern sicherer als das spröde Gusseisen. Gusseisen hat den großen Nachteil, dass es ohne Vorwarnung reißen und explodieren könnte. Außerdem ist bei Stahlzylindern weniger Wartung (Schleifen und Polieren) erforderlich. Gibt es irgendwelche Einschränkungen hinsichtlich der Größe der Zylinder, die ANDRITZ produzieren kann, entweder in der Breite oder auch imDurchmesser? Bereits im Jahr 2007 begann ANDRITZ das Potential von Stahlzylindern zu untersuchen. Wenig später, im Jahr 2009, wurde der erste – mit einem Durchmesser von 12 Fuß (3,7 m) noch recht kleine – Stahlzylinder hergestellt und an Saigon My Xuan Paper, Vietnam geliefert. Kurz darauf folgten schon die nächsten Auslieferungen – unter anderem an APP Perawang, Golden Leaf, und Hengan. Das Interesse an der Trocknungstechnologie stieg aufgrund des Erfolgs der ersten Anlagen rasch an, und man begann mit der Herstellung von doppelt so breiten und im Durchmesser größeren Zylindern. 2012 brachte ANDRITZ den – mit einem Durchmesser von 22 Fuß (6,7 m) – damals weltgrößten Zylinder auf den Markt. Ein Blick auf heute: ANDRITZ hat bereits mehr als 90 Stahlzylinder weltweit geliefert und hält dabei nach wie vor den Größenrekord: der PrimeDry Steel Yankee bei Zellstoff Pöls, Österreich, ist mit einem Durchmesser von 24 Fuß (7,3 m) der größte seiner Art. Seit der ersten Lieferung im Jahr 2009 musste kein einziger der installierten Stahlzylinder getauscht werden – ein klarer Beweis für die Langlebigkeit und Zuverlässigkeit. Experteninterview Nachfolgend finden Sie ein Interview mit ANDRITZ Stahlzylinder-Experten, die die Vorteile der Technologie für verschiedene Anwendungen in der Papierindustrie erläutern. Franz Harrer, Head of Technology Tissue, Riccardo Pierini, Steel Yankee Product and Customer Care Manager, sowie Robert Schloffer, Director Paper Machine Service. Für welche Papierprodukte sind die Stahlzylinder am besten geeignet? Harrer: Im Allgemeinen werden sie vor allem für neue Tissuemaschinen und Umbauten verwendet, einschließlich TrockenkreppTissue, aber auch für Premium Technologien wie texturierte und strukturierte (TAD) Hygienepapiere. Der Grund dafür ist, dass der Yankee nicht nur das Herzstück der Tissuemaschine, sondern auch einer der Hauptkostenfaktoren des Produktionsprozesses ist. Nach und nach haben die Stahlzylinder auch in anderen Geschäftsbereichen Einzug gehalten – so zum Beispiel bei der Herstellung von maschinengeglätteten (MG) Papiern und in der ANDRITZ hat sich in den letzten Jahren zum Marktführer für große Stahlzylinder entwickelt. Die „Giganten aus Stahl“ kommen nicht nur bei Hygienepapier- und Papiermaschinen zum Einsatz, sondern werden sogar in der Tabakindustrie verwendet. Die Hauptvorteile von Stahlzylindern sind die bessere Trocknungsleistung und Wärmeübertragung sowie die höhere Sicherheit im Vergleich zu Gusszylindern. Wochenblatt Papierfabrikation 5.2022 19 INTERVIEW

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