Wochenblatt Papierfabrikation 4/2022

INTERVIEW Die digitale Walze INDUSTRIESERVICE Effiziente Hochdruckstrahltechnik ENERGIE Thermische Verwertung von Abfall TISSUE CircleToZero NEUE DIGITALE MÖGLICHKEITEN in der Walzentechnik – entwickelt vom KRAFFT-Innovations-Team. www.innovationskrafft.de D 11579 D 150. JAHRGANG FACHMAGAZIN FÜR DIE PAPIER- UND ZELLSTOFFINDUSTRIE PAPIERFABRIKATION WOCHENBLATT 04 APRIL 2022

RUBRIK Wochenblatt Papierfabrikation 4.2022 2

Ruf nach Versorgungssicherheit Krieg in Europa! Die unvorstellbaren Ereignisse im UkraineKrieg haben nicht nur geopolitisch eine Zeitenwende eingeläutet. Überschattet werden die unerträglichen Bilder und Meldungen aus Osteuropa von der allumfassenden Sorge um die Versorgungssicherheit in Europa und Deutschland. Ein Ende der Öl- und Gaslieferungen brächte desaströse Folgen nicht nur für die Wirtschaft, sondern ginge mit sozialen Folgen einher, die kaum abschätzbar sind. Die Energieversorgung hierzulande ist in den Mittelpunkt des politischen Tagesgeschäfts gerückt. Die Rufe nach einem noch schnelleren Ausstieg aus den fossilen Energien sind zwar laut, doch kurz- und mittelfristig können die Erneuerbaren Energien Gas und Öl nicht substituieren. Welche Auswirkungen würden sich konkret für die Papierindustrie ergeben? Der Verband DIE PAPIERINDUSTRIE hat dazu ein Statement auf Basis einer Umfrage unter seinen Mitgliedern veröffentlicht. Vor dem Hintergrund der Energiewende habe sich in der Papierindustrie der Trend zur Umstellung auf Erdgas als Brückentechnologie verfestigt. Mittlerweile liege der Erdgasanteil am Gesamtbrennstoffeinsatz bei 55 Prozent. Lediglich 10 bis 15 Prozent des Erdgasbezugs wären in der deutschen Papierindustrie (rund 3 TWh Erdgas) noch in diesem Jahr ersetzbar. In Bereichen, in denen eine Umsetzung möglich wäre, könnte etwa die Hälfte des Gases durch Heizöl und 30 Prozent durch Kohle ersetzt werden. Der Rest müsste durch eine strombasierte Dampferzeugung substituiert werden. Voraussetzung für eine Umstellung wäre die Verfügbarkeit der genannten Energieträger und die politische Unterstützung für die notwendigen Änderungsgenehmigungen. Vor allem für eine Substitution durch Strommüsste eine Benachteiligung bei Umlagen, Entgelten und Steuern gesetzlich ausgeschlossen werden. Auch die übrigen negativen Folgen einer Umstellung müssten abgefedert werden. So wäre mit einer Abnahme der Energieeffizienz und auch mit einer Zunahme des CO2-Ausstoßes zu rechnen. Die dringlichen Themen rund um die Versorgungssicher- heit und aktuelle Entwicklungen rund um das Thema Wasserstoff werden in dieser Ausgabe diskutiert. Dr.-Ing. Kerstin Graf Chefredakteurin Wochenblatt Papierfabrikation 4.2022 3 EDITORIAL

Organ des Akademischen Papieringenieur-Vereins e.V. an der DHBW Karlsruhe Organ des Akademischen Papieringenieur-Vereins an der TU Dresden e.V. Mitteilungsblatt des Vereinigten Papierfachverbandes München e.V. Organ des Papierzentrums Gernsbach Mit den Mitteilungen der Papiertechnischen Stiftung (PTS) München, Heidenau Organ der Vereinigung Gernsbacher Papiermacher e.V. Organ des Akademischen Papieringenieur-Vereins e.V. an der TU Darmstadt Das Papiermacherwappen Die sogenannten „Papierer“ wurden in alter Zeit zusammen mit den Buchdruckern, Buchbindern und Glasern der Gilde der Maler zugeordnet und führten deshalb aucwh das Zeichen dieser Gilde: die Schildchen und den Ochsenkopf. Der geflügelte Ochse war der ständige Begleiter des Evangelisten Lukas, des Schutzheiligen der Maler. Er verdankt diese Ehre einer Verwechslung mit dem Mönch und Maler „il Santo Luca“. Eines der ersten Papierwasserzeichen, wie wir sie auch in Gutenbergs Bibeldrucken vorfinden, ist der Ochsenkopf. Organ des Akademischen PapieringenieurVereins e. V. an der TU Darmstadt Organ des Akademischen PapieringenieurVereins an der TU Dresden e. V. Organ des Akademischen PapieringenieurVereins e. V. an der DHBW Karlsruhe Mitteilungsblatt des Vereinigten Papierfachverbandes München e. V. Organ des Papierzenrtums Gernsbach Organ des Akademischen Papi ingenieur-Vereins e.V. an de DHBW Karlsruhe Organ des Akademischen Papieringenieur-Vereins an der TU Dresden e.V. Mitt ilungsblatt des Vereinigten P pierfachverbandes München e.V. Organ des Papierzentrums Gernsbach Mit d Mitteilungen der Papiertechnischen Stiftung (PTS) Mü chen, Heidenau Organ der Vereinigung Gernsbacher Papiermacher e.V. Organ des Akademischen Papi ringenieur-Vereins e.V. an der TU Darmstadt Organ des Akademischen Pap eringeni ur-V reins e.V. an der DHBW Karlsruhe Organ des Akademische Papiering nieur-Ve eins an der TU D esden e.V. Mitteilungsblatt des Vereinigten Papi rfachverbandes Münch e.V. Organ d s Papierzentrums Gernsbach Mit n Mitteilungen der Pap ertechnischen Stiftung (PTS) München, Heid nau Organ der Vereinigung Gernsbache Papiermacher e.V. Organ des Akademische Papieringeni ur-V reins e.V. n der TU Darmstadt Organ des Akademischen ier genieur-V eins e.V. an der DHBW Karlsruhe Organ A d ische Papi ring nieur-V reins an der TU Dresde e.V. Mitteilung blatt des Vereinigt n Papierf chverba des München e.V. Orga des Papi rzen ums Gernsbach Mit den Mitteilung n der Papiert ch ischen Stiftung (PTS) München, Heid nau Ver Organ A d ische Papi ringe ieur-Ver ins e.V. an d r TU Darmsta t Organ des Akad mischen Papiering ni ur-Vereins e.V. an der DHBW Karlsruhe Organ des Akademischen Papieri g nieur-Ver ins an de TU resden e.V. Mitteilungsblatt des Ver inigt n Papierfachverba des ünchen e.V. Organ des Papierzentrums Ger sb ch Mit Mitteilun e der Papiert ch is n Stiftung (PTS) Mü chen, H idenau Organ des Akademischen Papiering ur-V r ins e.V. an der TU Darmstadt 30 DS Smith, einer der weltweit führenden Anbieter für nachhaltige Verpackung, richtet seine globalen Geschäftsaktivitäten auf ein 1,5°C-Szenario aus, wie es im Pariser Klimaabkommen festgelegt ist. Bild: DS Smith 38 Die rasante industrielle Digitalisierung erhöht bei Industrieunternehmen die Anfälligkeit für Cyberangriffe. AFRY konsolidiert und beschleunigt nun das Angebot im Bereich Cybersicherheit. Bild: AFRY Wochenblatt Papierfabrikation 4.2022 4 INHALT

6 BRANCHE 12 PERSONEN INTERVIEW 14 Die digitale Walze Carl KRAFFT & Söhne startet die Transformation zum digitalen Unternehmen SPEZIALPAPIERE 24 Regionale Banknote des Jahres Auszeichnung für von G+D hergestellte Gedenknoten für Guatemala und Honduras 26 Der Transparenz verpflichtet Koehler-Gruppe legt ersten Nachhaltigkeitsbericht aus Eigenantrieb vor 28 Biologisch abbaubares Etiketten-Haftmaterial Einsatz in Finnland für Baguette & Co. VERPACKUNGSPAPIERE 30 Verpflichtung zum 1,5°C-Szenario DS Smith beschleunigt Pläne zur Kohlenstoffreduzierung TISSUE 32 CircleToZero T echnologien zur Reduktion der CO2-Emissionen in der Tissueproduktion DIGITALISIERUNG 38 Schutz vor dem digitalen Angriff AFRY erweitert Angebot an industrieller Cybersicherheit INDUSTRIESERVICE 40 Effiziente Hochdruckstrahltechnik NiRoVe steigert Effizienz der Reinigungsleistung 52 VERANSTALTUNGEN 53 EINKAUFSFÜHRER MARKTPLATZ 55 IMPRESSUM / SERVICE TITELBILD Die Digitalisierung macht vor der Walze nicht halt. KRAFFT beschreitet einen mutigen und innovativen Weg, der nicht nur geradlinig ist. Das Interview diskutiert die Optionen und die „Innovationskrafft“ eines Maschinenbauers mit 150-jähiger Tradition, der offensiv die Arbeiten vorantreibt. AUSBILDUNG 42 Sustainable Science and Technology Neuer Studiengang an der DHBW Karlsruhe ENERGIE 44 Brennpunkt Energieversorgung Cepi-Erklärung zur Energie- und Versorgungssicherheitskrise in Europa 46 Thermische Verwertung von Abfall Kraftwerk EEW Schwedt setzt auf Asynchrontechnik mit Schwungmassespeicher 48 Sauberer Wasserstoff GETEC unterzeichnet Kooperationsabkommen in Vereinigten Arabischen Emiraten 50 H2-ready bis 2025 Nachhaltige Energie mit Grünem Wasserstoff 42 Die DHBW Karlsruhe bietet zum 1. Oktober – vorbehaltlich der endgültigen Akkreditierung – erstmals den neuen Bachelorstudiengang Sustainable Science and Technology an. Bild: DHBW / Foto Fabry Wochenblatt Papierfabrikation 4.2022 5 INHALT

Ministerpräsident Stephan Weil beim Werksrundgang Bild: DREWSEN Neue ressourceneffiziente und zu 100 % recycelbare Bäckereiverpackung Bild: Metsä Board Neue Verpackung reduziert den Materialbedarf und die CO2-Emissionen S. 8 Metsä Board Drewsen Spezialpapiere will bis 2045 CO2-neutral werden S. 10 Drewsen Graspapier mit Patent und Siegel S. 11 Papierfabrik Meldorf Graspapier mit Patent und Siegel Bild: PF Meldorf Wochenblatt Papierfabrikation 4.2022 6 BRANCHE

Stora Enso Geplanter Verkauf von vier Papierstandorten Stora Enso hat einen Verkaufsprozess für eine mögliche Veräußerung von vier Papierproduktionsstandorten eingeleitet. Im Einklang mit der Strategie von Stora Enso ist Papier kein strategischer Wachstumsbereich für die Gruppe. Die Veräußerungsabsicht steht im Einklang mit der Strategie des Konzerns, sich auf langfristiges Wachstumspotenzial für seine erneuerbaren Produkte in den Bereichen Verpackungen, Gebäudelösungen und Biomaterialinnovationen zu konzentrieren. Die für die Veräußerung vorgesehenen Papierproduktionsstandorte von Stora Enso sind: Anjala in Finnland, Hylte und Nymölla in Schweden sowie Maxau in Deutschland. Bei den Assets handelt es sich um hochwertige Standorte für die Papier- und Zellstoffproduktion mit starker Infrastruktur und qualifiziertem und erfahrenem Personal. „Durch die Veräußerung eines Großteils unserer Papieranlagen können wir uns stärker auf unsere definierten strategischen Wachstumsbereiche erneuerbare Verpackungen, Gebäudelösungen und Innovationen im Bereich Biomaterialien konzentrieren. Bei der Prüfung potenzieller Veräußerungsoptionen suchen wir nach neuen Eigentümern, die den Standorten und den Menschen, die dort arbeiten, eine nachhaltige langfristige Zukunft bieten“, sagt President und CEO Annica Bresky. Die vier Stora Enso-Standorte werden in einer oder mehreren Transaktionen veräußert. Stora Enso hat sich nicht auf eine Frist für den Abschluss des Veräußerungsprozesses festgelegt. Der eingeleitete Verkaufsprozess hat keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Papieraktivitäten von Stora Enso, die weiterhin ihre jeweiligen Kunden bedienen. Der Standort Langerbrugge von Stora Enso in Belgien bleibt innerhalb der Gruppe erhalten. Stora Enso verfügt derzeit über fünf Papierproduktionsstandorte, die von Vertriebs-, Management- und Verwaltungsfunktionen unterstützt werden. Insgesamt beschäftigt der Unternehmensbereich Papier derzeit rund 2.200 Mitarbeiter. Im Jahr 2021 betrug der Umsatz des Unternehmensbereichs Papier 1.703 Millionen Euro. Stora Enso hat BofA Securities beauftragt, den Verkaufsprozess zu unterstützen. www.storaenso.com Deutsche Hülsenindustrie Kosten erreichen Rekordniveau Der Druck auf die Hersteller von Hartpapierhülsen für die Papier-, Folien- und Textilindustrie sowie Hersteller von Kombidosen in Deutschland durch weitere Kostensteigerungen in allen Bereichen hat sich im Vergleich zum Jahresanfang 2022 noch weiter verschärft. Der Krieg in der Ukraine hat die ohnehin angespannte Marktsituation massiv verschlechtert. Während die Auslastung der Mitgliedsunternehmen weiterhin sehr stark ist, sorgen Verwerfungen insbesondere in den Bereichen Energie, Rohstoffe und Logistik für Herausforderungen. So müssen bei Hülsenkarton trotz bereits erreichter Rekordpreise und langfristiger Vordispositionen unter anderem aufgrund der kurzfristig gestiegenen Energiepreise nochmalige unmittelbar gültige Aufschläge im zweistelligen Prozentbereich akzeptiert werden. Die Aufschläge werden dabei von den Vorlieferanten laufend in Wochenzyklen an den Energiemarkt angepasst. Ein Ende der Kostenspirale ist hierbei leider noch nicht absehbar. Der seit einiger Zeit vorherrschende Mangel an Frachtkapazitäten, u. a. bedingt durch den Mangel an LKW, sowie Fahrern hat sich durch den Krieg weiter verschärft. Die daraus resultierenden Kostensteigerungen im Bereich der Logistik werden durch den Dieselfloater – der Kraftstoffzuschlag, der sich automatisch an die Entwicklung des Kraftstoffpreises anpasst – zusätzlich verstärkt. Allein die bisher sich abzeichnende Kostenanpassungen im Bereich Logist ik summieren sich nach Angaben der Mitgliedsunternehmen auf 20 – 25%. Aufgrund der weitgehenden europäischen Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen aus Russland, auch wenn diese bei den FHR-Mitgliedsunternehmen unterschiedlich ausfällt, zeichnen sich zusätzlich weitere Steigerungen bei den ohnehin hohen Energiekosten ab. In keinem der Bereiche wird aktuell mit einer kurzfristigen Verbesserung der Lage gerechnet. Zunächst muss eher von einer Verschärfung der Situation ausgegangen werden. Dies alles trifft auf eine Industrie, die weiterhin mit den Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie zu kämpfen hat. Noch immer sind kurzfristig größere Personalausfälle aufgrund von Quarantäne- oder Isolationsmaßnahmen zu verzeichnen. Trotz der enormen Herausforderungen bleibt die Aufrechterhaltung der Lieferfähigkeit die höchste Priorität bei allen Mitgliedsunternehmen der FHR. Wir sind sicher, dass die gesamte Lieferkette alles dafür tut, um die Auswirkungen zu begrenzen. info@fhr-ev.de Wochenblatt Papierfabrikation 4.2022 7 BRANCHE

+ Informationen Erfahren Sie mehr aus der Branche, immer aktuell. www.fibers-in-process.de Metsä Board Neues Bäckereiverpackungskonzept reduziert CO2-Emissionen um ein Drittel Viipurilainen Kotileipomo ist ein fast 100 Jahre altes Unternehmen, das Gebäck und handwerkliches Brot aus lokalen Zutaten mit traditionellen Methoden herstellt. Als die Bäckerei nach einer neuen Lösung für ihre Kuchenverpackung suchte, bestand das Hauptkriterium darin, den ökologischen Fußabdruck der Verpackung zu reduzieren und die Montage schnell und einfach zu gestalten. Viipurilainen Kotileipomo und das Verpackungsdesignteam von Metsä Board im Excellence Centre von Metsä Board haben gemeinsam eine ressourceneffiziente und zu 100 % recycelbare Bäckereiverpackung entwickelt. Die neue auffällige Verpackung reduziert den Materialbedarf um 25% und die Kohlendioxidemissionen um 34% im Vergleich zur vorherigen Verpackung. Gleichzeitig konnte die Bäckerei ihren Kunststoffverbrauch reduzieren, indem sie sich von einem PE-beschichteten Karton entfernte. Neben den Umweltvorteilen macht das Design der neuen Bäckereibox die Montage schneller und einfacher. „Die Nachhaltigkeit von Verpackungen ist für uns und unsere Kunden wichtig, und es ist großartig, das Wort über die Reduzierung von Kunststoff und die Förderung des Recyclings verbreiten zu können. Der gesamte Produktentwicklungsprozess wurde im Excellence Centre strukturiert durchgeführt und die neue stilvolle Verpackung wurde schnell auf den Markt gebracht“, sagt Teppo Ylä-Hemmilä, Bread Artist und Innovation Director, Viipurilainen Kotileipomo. „Das neue Konzept ist ein hervorragendes Beispiel für innovative Lösungen, die durch gemeinsames Brainstorming ermöglicht werden. Bei der Gestaltung der Verpackung haben wir ein virtuelles Modell in unserem Excellence Centre verwendet, um das Material, die Struktur und ihre Nachhaltigkeit schnell und genau zu visualisieren“, sagt Ilkka Harju, Packaging Services Director, EMEA und APAC, Metsä Board. Die Bäckereiverpackung besteht aus leichtem MetsäBoard Prime FBB EB, einem dispersionsbeschichteten Barrierekarton, der mit Papier- oder Kartonsammelabfallströmen recycelt werden kann. Das MetsäBoard Prime FBB EB-Board ist dick und fettbeständig, was für Lebensmittel, die von Natur aus einen hohen Fettgehalt aufweisen, wie Gebäck und Kuchen, von entscheidender Bedeutung ist. Metsä Board ist ein führender europäischer Hersteller von Premium-Frischfaserkartons. Im Jahr 2021 betrug der Umsatz 2,1 Milliarden Euro. Das Unternehmen beschäftigt rund 2.400 Mitarbeiter. Metsä Board, Teil der Metsä Group, ist an der Nasdaq Helsinki notiert. www.metsagroup.com Intergraf Schaltet EU-Kommission wegen Papierknappheit ein Angesichts der bedrohlichen Papierknappheit fordert der europäische Dachverband der Druck- und Medienwirtschaft, Intergraf, die EU-Kommission dazu auf, gemeinsam nach Möglichkeiten zu suchen, um eine ausreichende Versorgung mit Rohstoffen zu sichern. Besorgnis Die anhaltende Papierknappheit wird zur Bedrohung der Druck- und Medienwirtschaft in Europa. Besorgt wandte sich der europäische Dachverband Intergraf daher an die EU-Kommission, inwieweit die EU-Forststrategie für 2030 die Verfügbarkeit von Holz zur Herstellung von Papier und Pappe reduzieren würde. Weiterhin wies Intergraf auf EU-Einfuhrzölle für Papiere aus China hin und forderte die EU-Kommission auf, die Situation der Druckereien zu berücksichtigen, falls eine Verlängerung dieser Zölle in Betracht gezogen wird. Der Bundesverband Druck und Medien (bvdm) hat sich bereits mehrfach kritisch zu diesem Handelshemmnis geäußert. „Zukünftig sollte die sichere Versorgung mit bezahlbarem Papier viel stärker im Vordergrund stehen“, so Dr. Paul Albert Deimel, Hauptgeschäftsführer des bvdm. Kommunikation mit EU-Kommission Die EU-Kommission betonte in einem Schreiben an Intergraf, dass forstbasierte Industrie und verwandte Branchen, einschließlich des Druck- und Verlagswesens, eine zentrale Rolle in der EU-Bioökonomie spielen. So machten ihre kreislauffähigen Produkte sie zu einem Vorreiter in Sachen Klimaneutralität und Umweltfreundlichkeit. Weiterhin erklärte sich die EU-Kommission bereit, Hilfe im Einklang mit den Unionsvorschriften zu diskutieren. Ein Treffen von Intergraf mit verantwortlichen Vertretern der EU-Kommission ist für April vorgesehen. www.bvdm-online.de Wochenblatt Papierfabrikation 4.2022 8 BRANCHE

Wochenblatt Papierfabrikation 4.2022 9 BRANCHE ANDRITZ AG ⁄ Stattegger Strasse 18 ⁄ 8045 Graz ⁄ Austria ⁄ andritz.com/stockpreparation RESSOURCENSCHONENDE OPTIMIERUNG DER FASERQUALITÄT ANDRITZ ist Ihr verlässlicher Partner, wenn es um Lösungen geht, die auf Ihre individuellen Anforderungen optimal zugeschnitten sind. Alle Anlagenteile unserer Fasersto‡- und Rejekt-Aufbereitungssysteme wurden nach höchsten Maßstäben hinsichtlich E’zienz, Zuverlässigkeit und Faserqualität entwickelt - unabhängig von Rohmaterial oder Papiererzeugnis. Sie sind so konzipiert, dass sie durch hohe Wirkungsgrade und niedrigen Energieverbrauch Ressourcen und Umwelt schonen. Erfahren Sie mehr! Kontaktieren Sie uns: fiber.prep@andritz.com PULP & PAPER ERSTKLASSIGE FASERSTOFFAUFBERE ITUNG LÖSUNGEN FÜR ALLE PAPIER- UND KARTONSORTEN

Das Konzept zur künftigen überwiegend regenerativen Energieversorgung beinhaltet auch die Herstellung von Wasserstoff zur Energiespeicherung. Außerdem soll neben der Solarenergie auch die Windenergie in naher Zukunft genutzt werden. Hier berichtete Geschäftsführer Dr. Matthias Rauhut dem Ministerpräsidenten, welche Herausforderungen dies mit sich bringt. Auf dieses Thema konzentrierte sich schließlich das Gespräch zwischen dem Politiker und Vertretern des Unternehmens. Es wurde ausführlich von aktuellen Hürden, aber auch von den konstruktiven Gesprächen mit der kommunalen Verwaltung berichtet. Weil erkennt den starken Willen DREWSENs, rundum nachhaltig zu werden und bot seine Unterstützung an. Der Einstieg in eine nachhaltige und selbstbestimmte Energieversorgung ist gerade in der aktuellen Situation rund um den Krieg in der Ukraine von besonderer Brisanz. In Bezug auf den Ukraine-Krieg bot DREWSEN als Zeichen der Solidarität in enger Zusammenarbeit mit der Samtgemeinte Lachendorf Unterstützung bei der Aufnahme Geflüchteter an. So äußerte Rauhut betroffen: „DREWSENs Gesellschafter und Mitarbeiter sind bestürzt von der Situation in der Ukraine und wir werden im Rahmen unserer Möglichkeiten unterstützen.“ Über DREWSEN SPEZIALPAPIERE DREWSEN SPEZIALPAPIERE ist ein weltweit operierender Hersteller von Spezialpapieren mit Sitz in Lachendorf, Deutschland. Bei einer Jahreskapazität von 165.000 Tonnen umfasst das Produktportfolio drei Produktgruppen: PROSECURA Sicherheitspapiere, PROFINO Druck- und Verpackungspapiere und PROTECH Technische Papiere. Seit 2019 bietet die Gruppe SUSTAINABLE PAPER SOLUTIONS Lösungen zum Thema „Papier statt Plastik“ an. Mit über 400 Mitarbeitern erwirtschaftet DREWSEN als unabhängiges Familienunternehmen einen Jahresumsatz von 169 Mio. €. In vielen Marktsegmenten übernimmt DREWSEN SPEZIALPAPIERE die marktführende Position und überzeugt mit hochqualitativen Produkten und individuellem Service. www.drewsen.com DREWSEN SPEZIALPAPIERE Ministerpräsident Stephan Weil zu Besuch Am 03. März 2022 besuchte der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil die Papierfabrik DREWSEN Spezialpapiere in Lachendorf. Bei seinem Besuch konnte sich Weil ein Bild davon machen, wie das Unternehmen auf Herausforderungen wie Digitalisierung und Klimakrise reagiert. Im letzten Jahrzehnt ist es gelungen, das Spezialpapierportfolio in eine zukunftsorientierte Richtung zu wandeln. Der Weg führt eindeutig in Richtung nachhaltiger Lösungen. An einigen Beispielen präsentierte Dr. Imke Cravillon (Leiterin der Produktentwicklung) dem niedersächsischen Ministerpräsidenten den derzeitigen Schwerpunkt der Produktentwicklung: Papiere, die Kunststoff ersetzen. Hier wird es sich z. B. zur Aufgabe gemacht, das beste Trinkhalmpapier für den Markt zu entwickeln. Um die Entwicklungsgeschwindigkeit zu beschleunigen, hat DREWSEN in ein Competence Center für Trinkhalme investiert. Hier können Trinkhalme mit einer markttypischen großtechnischen Anlage hergestellt werden, um sie auf „Herz und Nieren“ zu testen. Auf besonderes Interesse beim niedersächsischen Ministerpräsidenten stießen DREWSENs Papierneuentwicklungen, um Trinkhalme länger im Getränk stabil zu halten. Klimaneutralität Kernthema des Besuchs von Ministerpräsident Weil war jedoch das Ziel DREWSENs bis 2045 CO2-neutral zu werden. Noch bis zum Ende des Jahrzehnts will das Unternehmen 80 % dieses Ziels erreicht haben. DREWSEN „kehrt auch vor der eigenen Haustür“, indem immer effizientere Verfahren zur Papierherstellung zum Einsatz kommen. In den vergangenen fünf Jahren ist es bereits gelungen, die spezifischen CO2Emmissionen um 9 % zu senken, erläuterte Dr. Ludger Benien (Leiter der Technik). Für die Erreichung des Klimaziels ist es mit Maßnahmen zur Energieeffizienzsteigerung aber nicht getan. Die gesamte Energieversorgung soll auf nachhaltige Alternativen zu fossilen Brennstoffen umgestellt werden. So werden allein in diesem Jahr noch eine Million Euro in den Bau einer ersten 1,4 Megawatt Peak Photovoltaikanlage investiert. Eine zweite 16 Megawatt Peak Photovoltaikanlage soll im nächsten Jahr folgen. Wochenblatt Papierfabrikation 4.2022 10 BRANCHE

Sappi Perfektes Zusammenspiel aus Funktionalität und Transluzenz Mit Crystalcon, der neuen transluzenten Papiersorte, erweitert Sappi sein umfangreiches Sortiment von nachhaltigen Verpackungspapieren um ein weiteres Produkt. Im Zusammenspiel mit dem heißsiegelfähigen Sappi Seal Silk liefern beide Materialien eine recyclingfähige und einfach umzusetzende Verpackungslösung für diverse Food- und Non-Food-­ Anwendungen – alles aus einer Hand. Hersteller stehen aktuell vor einer Herausforderung: Verbraucher wünschen sich zunehmend nachhaltigere Verpackungslösungen. Gleichzeitig möchten sie beim Gang durch die Supermarktregale den Produktinhalt direkt begutachten können. Oft werden für derartige Verpackungen jedoch ganz oder teilweise Folien eingesetzt. „Für solche Anforderungen bieten wir durch eine Kombination von Sappi Seal mit Crystalcon eine nachhaltige und recyclefähige Verpackungslösung an“, erklärt Kerstin Dietze, Key Account Manager Packaging Solutions. Nachhaltige Verpackungslösung mit Crystalcon und Seal Silk Eine nachhaltige Verpackungslösung ergibt sich im Zusammenspiel von Crystalcon mit Sappi Seal Silk aus dem innovativen Bereich Functional Paper Packaging. Die Seal-Papiere sind über die übliche Papierentsorgung recycelbar und besitzen sehr gute Heißsiegeleigenschaften. Mittels dieser Siegelschicht lässt sich einfach das neue transluzente Papier Crystalcon gegen das Sappi Seal siegeln. Diese schnelle und nachhaltige Verpackungslösung eignet sich für diverse Anwendungen im Food und Non-Food Bereich. Wenn Sichtbarkeit gefragt ist Crystalcon ist ein ungestrichenes, kompostierbares, transluzentes Papier, das sowohl für den Food- als auch für den Non-Food-Bereich geeignet ist. „Überall dort, wo keine hohen Barrieren benötigt werden, aber eine Sichtbarkeit des Produktes wichtig ist, kann das Papier überzeugen“, fügt Kerstin Dietze hinzu. Von Nudeln und Reis über Magazine bis hin zu Sichtfenstern in Briefumschlägen oder Verkaufsverpackung von Grußkarten: Die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig. Damit ist Crystalcon für viele Applikationen die nachhaltige Alternative zur Folie. Es ist zwar nicht komplett durchsichtig, ermöglicht aber genug Einsicht, um das verpackte Produkt gut zu erkennen. www.sappi.com Papierfabrik Meldorf Graspapier mit Patent und Siegel Die nachhaltige Papier-Komposition der Papierfabrik Meldorf aus Gras- und Recyclingfasern festigt immer mehr ihren Platz am Markt. Das Herstellverfahren für den Nature-Liner® haben sich die Papiermacher aus Tornesch nun patentieren lassen und schützen so ihre innovativen Erfolge um die industrielle Produktion von mehrlagigem Graspapier. Die Papierfabrik Meldorf hat die Maschinengängigkeit prozessfähig gemacht und immer weiter optimiert, um verschiedene Grammaturen und Erscheinungsbilder herstellen zu können Grundlage für weitere Produktlinien Der Nature-Liner® bildet auch die Grundlage für den aus einem weiteren Schritt durch Kaschieren hergestellten Nature-Board®. Mit dieser konsequenten Weiterentwicklung in den höheren Flächengewichten von 250 – 550 g/m² kann die Papierfabrik das Rohmaterial sowohl für Wellpappkartonagen als auch für Vollpapp-Faltschachteln am Markt anbieten. Da beide Produkte aus einem Prozess stammen, ist auch die gleiche einzigartige Gras-Optik für Produkt- und Versandverpackung gewährleistet Als Merkmal dieser Produktlinie hat die Papierfabrik aus Tornesch ein eigenes Grassiegel entwickelt, das den Kunden auf Deutsch oder Englisch zur Verfügung gestellt werden kann. Dadurch haben sie die Möglichkeit, die Nachhaltigkeit des Nature-Liners® zu visualisieren. Durch die vergleichende Ökobilanz der Papierfabrik Meldorf zwischen reinem Recyclingpapier und dem Graspapier Nature-Liner® können zudem die ökologischen Vorteile belegt werden, insbesondere da der Nachweis entsprechend der gängigen DIN-Norm erstellt und einer unabhängigen Prüfung unterzogen wurde. Der Nature-Liner® ist zudem kompostierbar und ebenfalls rezyklierbar, daher bietet das Tornescher Unternehmen eine Rücknahme von Graspapierabfällen an, um sie erneut in den Prozess zu integrieren und den Recyclingkreislauf wieder zu schließen. www.papierfabrik-meldorf.de Wochenblatt Papierfabrikation 4.2022 11 BRANCHE

Nachruf Ulrich Kirchner In memoriam Doris und Ralf Weidenmüller Dr.-Ing. Ulrich Kirchner, von 1965 bis 1991 Chefredakteur und Verleger vomWochenblatt für Papierfabrikation, ist am 04.02.2022 im Alter von 90 Jahren verstorben. Ulrich Kirchner, geboren in Biberach, bekam das Interesse am Papier von beiden Elternteilen in die Wiege gelegt. So schlossen sich nach dem Abitur Praktika bei Escher Wyss und verschiedenen Papierfabriken an. Danach folgte das Studium des Papieringenieurwesens an der TH Darmstadt. Während einer Tätigkeit im Zentrallabor der damaligen Feldmühle AG entstand seine Doktorarbeit, mit Prof. Brecht als Doktorvater, über das noch heute sehr aktuelle Thema „Luftgehalt in Papierstoffsuspensionen“. 1965 übernahm er die frühere Stellung seines Vaters und wechselte zur Fachzeitschrift als Chefredakteur und Verleger. Nach 26 Jahren erfolgreicher Arbeit für das Wochenblatt für Papierfabrikation ging er 1991 wegen akuter gesundheitlicher Probleme in den Ruhestand. Zu diesem Zeitpunkt übernahm der Deutsche Fachverlag in Frankfurt am Main die Fortführung der Fachzeitschrift. Seit dem Studium war Dr. Kirchner Mitglied des Akademischen Papieringenieur Vereins an der Technischen Universität Darmstadt e.V. (APV Darmstadt). 1973 bis 1992 war er dessen Schriftführer und seit 1986 Ehrenmitglied des Vereins. Weiterhin war er Mitglied des Vereinigten Papierfachverbandes München e. V. (VPM) und des Vereins der Zellstoff- und Papier-Chemiker und -Ingenieure e.V. (ZELLCHEMING). Der Verein ZELLCHEMING ehrte ihn 1992 mit der Hans-Clemm-Denkmünze. In der Laudatio heißt es u.a.: Mit der Auszeichnung wurden besonders seine hervorragenden Verdienste gewürdigt, die er sich in 26jähriger Tätigkeit als Chefredakteur des Wochenblatts für Papierfabrikation erworben hat. Die mit profundem Fachwissen und beeindruckender Qualität von Dr. Kirchner zur Veröffentlichung gebrachten technisch-wissenschaftlichen Arbeiten sowie die Dokumentation aller mit der Zellstoff- und Papierindustrie verbundenen Ereignisse machten die von ihm betreute Fachzeitschrift zur Institution, welche den Fachmann im In- und Ausland in seinem Berufsleben beispielhaft zu begleiten vermag. Die geschaffene Fachliteratur ist ein wichtiger Beitrag für die Fort- und Weiterbildung im Industriezweig. Wir werden ihm für alle Zeit ein ehrendes Andenken bewahren. Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie und allen Angehörigen. (i.A. Deutscher Fachverlag GmbH, Redaktion Wochenblatt für Papierfabrikation) Dipl.-Ing. Ralf Weidenmüller war von 1977 bis 1999 Geschäftsführer des Vereins ZELLCHEMING. Am 2. November 2021 ist er im Alter von 87 Jahren verstorben. Er wurde am 17. Oktober 1934 in Chemnitz geboren und wuchs in Dreiwerden bei Mittweida auf. Nach dem Schulbesuch in der Schweiz erwarb er in der Papierfabrik Biberist bei Solothurn und in der Maschinenfabrik J. M. Voith in Heidenheim/Brenz erste Fachpraxis im Papierfach. 1955 nahm er sein Maschinenbau-Studium an der TH Darmstadt auf. 1958 trat er in den Verein ZELLCHEMING ein. Es folgte das Fachstudium Papieringenieurwesen bei Prof. Dr.-Ing. Walter Brecht, dem Bruder des Dichters Bertolt Brecht. Nach seinem Abschluss im Frühjahr 1962 bereitete er sich bei den G. Haindl’schen Papierfabriken in Augsburg darauf vor, die neu errichtete Papierfabrik in Walsum/Niederrhein in Betrieb zu nehmen. Zunächst oblagen ihm die Leitung der Papier-Stoffaufbereitung sowie der Betriebskontrolle. 1965 wurde er Betriebsleiter. 1972 wechselte er als Prokurist und Leiter der Technischen Abteilung zu den Hannoverschen Papierfabriken Alfeld/Leine. 1977 wurde er Geschäftsführer des technisch-wissenschaftlichen Vereins der Zellstoff- und Papier-Chemiker und -Ingenieure, ZELLCHEMING e. V. Damit war auch die Position des Chefredakteurs der Fachzeitschrift „Das Papier“ verbunden. Von 1982 bis 1984 fungierte er gleichzeitig als Generalsekretär der europäischen technischen Vereinigung der Zellstoff- und Papierindustrie (damals 16 Länder) „EUCEPA“ mit Sitz in Paris. 1990 wurde ihm das Ritterkreuz Erster Klasse des Ordens der Weißen Rose von Finnland durch den finnischen Staatspräsidenten in Anerkennung seiner Verdienste um die Entwicklung der technischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Finnland und Deutschland verliehen. 1999 wurde er in Grenoble zum Ehrenmitglied der EUCEPA ernannt. Im Herbst 1999 ging Ralf Weidenmüller in den Ruhestand und übergab die Geschäftsführung des Vereins ZELLCHEMING an Dr.-Ing. Wilhelm Busse. Privat beschäftigte er sich mit Heimatgeschichte und Familienforschung. Sein Interesse galt auch der Technik- und Papiergeschichte, der Papierrestaurierung und dem Handschöpfen von Papier – dazu verfasste er auch das populäre Sachbuch: „Papiermachen – Ein neues Hobby“. Frau Doris Weidenmüller (geb. am 22.04.1940 in Darmstadt) verstarb nach schwerer Krankheit bereits am 21. März 2021. Frau Weidenmüller war nach dem Eintritt ihres Mannes in den Verein ZELLCHEMING bis 2012 im Verein aktiv. Nach ihrem Studium der Papiertechnologie an der TH Darmstadt bei Prof. Dr.- Ing. Walter Brecht arbeitete sie nach der Erziehung Bild: Privat Wochenblatt Papierfabrikation 4.2022 12 PERSONEN

ihrer drei Kinder zunächst halbtags und später Vollzeit in der Geschäftstelle des Vereins ZELLCHEMING, damals noch in der Berliner Allee in Darmstadt. Am Anfang betreute Doris Weidenmüller die Patentberichte für die Zeitschrift „Das Papier“, später trug sie viele Jahre zum Erfolg der ZELLCHEMING Jahrestagungen in Baden-Baden und Wiesbaden bei, auch noch viele Jahre nachdem der ZELLCHEMING bereits in die Emilstraße umgezogen war. So organisierte sie damals unter anderem das beliebte Damen-Programm und begleitete die Teilnehmerinnen durch den Tag zu den Ausf lugszielen mit großem Engagement und Freude; des Weiteren kümmerte sie sich um die Betreuung der Jubilare und Ehrengäste. Doris Weidenmüller war ihrer Arbeit beim ZELLCHEMING sehr verbunden und trat erst mit 72 Jahren wirklich in den Ruhestand. Sie widmete sich immer ihrer Familie; ihre Freizeit verbrachte sie beim Tennisspielen und mit Reisen – am liebsten fuhr sie in die italienischen Dolomiten zumWandern. Der Vorstand und die Geschäftsführung des Vereins ZELLCHEMING werden den Verstorbenen stets ein ehrendes Andenken bewahren. Mondi Flexible Packaging and Engineered Materials Thomas Ott neuer CEO Der Österreicher Thomas Ott, 54 Jahre, ist neuer CEO für die Geschäftsbereiche Flexible Packaging und Engineered Materials des internationalen Verpackungs- und Papierherstellers Mondi. Der gebürtige Wiener blickt auf eine beeindruckende internationale Branchen-Karriere, unter anderen mit Stationen in Italien und den USA. Er begann seine Karriere 1995 bei Mondi im Finanz-Controlling und übernahm in den folgenden Jahren leitende Positionen in unterschiedlichen Business-Segmenten. Zuletzt arbeitete Ott für den Verpackungshersteller Amcor in der Schweiz. Als CEO für Mondi Flexible Packaging and Engineered Materials verantwortet Thomas Ott einen Umsatz von rund 4 Milliarden Euro mit einer Führungsspanne von mehr als 12.000 Mitarbeiter*innen in 29 Ländern. Er folgt in dieser Position auf Peter Orisich, der in den Ruhestand getreten ist. Die größte Herausforderung sieht der Branchenexperte in der Entwicklung nachhaltiger, kreislauffähiger Verpackungslösungen sowie wirksamer Maßnahmen gegen den Klimawandel. www.mondigroup.com Bild: Mondi Wochenblatt Papierfabrikation 4.2022 13 PERSONEN We are hidden heroes. Und bewegen vieles. Indem wir grün, effizient und leistungsstark sind. #wearehiddenheroes Erfahren Sie mehr unter www.terbergspezialfahrzeuge.de

Die digitale Walze Carl KRAFFT & Söhne startet die Transformation zum digitalen Unternehmen Im Gespräch mit Peter Kayser Bilder: Carl Krafft ZUR PERSON! Peter Kayser ist Jahrgang 1961. Wie sein Bruder Heiner ist er in einer Papierfabrik aufgewachsen, die 1805 gegründet wurde und seit 1817 im Familienbesitz war. Die Fabrik existierte bis Ende der 1970er Jahre. Er absolvierte ein Studium an der RWTH Aachen mit dem Abschluss zum Dipl.-Ing. Maschinenbau. 23 Jahre war er in leitenden Positionen im Sonderfahrzeugbau tätig. Seit 2014 ist er Geschäftsführender Gesellschafter bei CKS. Seine Hobbys sind Musik und Konzerte, immer mehr die Rolling Stones und die Beatles. Wochenblatt Papierfabrikation 4.2022 14 INTERVIEW

Wo sehen Sie Ihre Kernkompetenz? Wir sind heute ein traditioneller Maschinenbauer und Ausrüster für die Industrie. Überall wo, eine bahnförmige Ware hergestellt wird, können wir Leit- oder Prozesswalzen liefern. Die weltweite Papier- und Zellstoffindustrie ist eine Kernbranche und wir können im Grundsatz alle Größen und Walzen vom Stoffauflauf bis in die Umrollung liefern. Auf der Historie von krafft in der Papierhauptstadt Düren entwickeln wir digitale Produkte. Für uns ein gewaltiger Schritt, jetzt Soft-und Hardware zu entwickeln und in anderen Geschäftsmodellen zu denken. Spinnt man, oder besser als Vision, könnte man sagen, dass das Unternehmen, das seit 150 Jahren sein Geld mit Maschinen- und Walzenbau verdient, irgendwann mehr Umsatz mit Software, als mit Produkten aus Stahl machen könnte. Sicherlich sehr gewagt, aber als Szenario erlaubt, wenn nicht sogar notwendig, um die Sinne zu schärfen. Ob es tatsächlich so weit kommen wird, ist natürlich unklar, aber der Anfang ist gemacht und der Weg in eine digitale Zukunft eingeschlagen. Starten wir imWalzenbau mit dem größten Stahltrockenzylinder. Valmet und krafft Walzen haben im April 2018 den größten Stahltrockenzylinder der Welt für die PM 6 der Papierfabrik Palm in Wörth geliefert. Der Trockenzylinder, aus der #KSD Baureihe (krafft Steel Dryer), wurde von der Papierfabrik Palm bei Valmet bestellt, um einen 2002 installierten Gusszylinder geplant auszutauschen. Wir bei krafft haben mit Projektdefinition die hausintern „J2B“ genannte Konstruktion gewählt. Kennzeichnend für die von uns entwickelte Konstruktion, sind der eingesetzte und verrippte Boden und die angeschraubten Zapfen. Diese Konstruktion ist die leichteste im Markt und spielt Digitale Technologien sind zum Schlüssel für wirtschaftlichen Erfolg geworden: Durch ihren Einsatz können kleine und mittlere Unternehmen (KMU) neue Geschäftsmodelle entwickeln, neue Kunden gewinnen oder Stammkunden enger an sich binden. Der digitale Wandel ist eine der größten Herausforderungen im Geschäftsalltag. Aktuelle Studien zeigen, dass Produktionsbetriebe kleinerer, mittelständischer Struktur oft noch keinen konkreten Zugang zu solchen Veränderungen haben oder noch ganz am Anfang solcher Überlegungen stehen. Beim Dürener Maschinenbauunternehmen Carl krafft & Söhne, das mehr mit seinem Produktnamen krafft walzen bekannt ist, hat man sich schon seit längerem Gedanken zur Anwendbarkeit neuer Technologien und deren konkreten Nutzung gemacht. Inzwischen gehen erste Produkte in den Markt oder stehen kurz vor der Einführung. Peter Kayser, Geschäftsführer Technik und Vertrieb, Carl krafft & Söhne GmbH & Co. KG, erläutert im Interview den Weg seines Unternehmens in die digitale Zukunft. Sensor CARL (Computer-Aided-Roller-­ Logger) In unseren Diskussionen zur Digitalisierung sind wir immer überrascht, was man mit Walzen alles (digitales) machen kann. Wochenblatt Papierfabrikation 4.2022 15 INTERVIEW

die Vorteile bei hohen Betriebsdrücken weiter aus. Der Mantelschuss wurde bei der Firma Eisenbau Krämer (EBK) hergestellt. Die Abmessungen des #KSD mit einem Durchmesser von 1.830 mm, einer Ballenlänge von 11.150 mm sowie einer Konstruktionsgeschwindigkeit von 1.800 m/min sind beeindruckend. Welche Bedeutung hat dieses Projekt für Ihr Unternehmen? Der Palm Stahltrockenzylinder war für uns ein Leuchtturmprojekt. Mit der Konstruktion und dem Bau dieses Stahltrockenzylinders konnten wir unter Beweis stellen, dass wir über die nötige Kompetenz verfügen, solche großen Zylinder zu bauen. #KSD in kleineren Abmessungen haben wir schon zuvor in ansehnlichen Stückzahlen gefertigt. Es war das richtige Produkt zur rechten Zeit. In der Folge ergaben sich interessante Großprojekte für große und leistungsfähige Papiermaschinen. Pro Jahr fertigen wir heute ca. 50 bis 100 Stahltrockenzylinder (je nach Länge) für diese Anlagen. Wir glauben, dass wir ein sehr wettbewerbsfähiges Produkt haben. Zunächst stießen Sie jedoch an Grenzen. Das Größenwachstum der Anlagen für die Papierherstellung und die Änderung der Produktwelt erfordern auch von uns Anpassungen. Dieser Trend geht übrigens durch alle Branchen, die wir bedienen. Deshalb richten wir unser Know-how aus dem Anlagenbau für die Papier- und Pappenerzeugung konsequent auf neue Produkte und Produktbereiche aus. Für die Fertigung von großen Walzen mit einem Gewicht von 50–60 Tonnen/Walze und einer Länge bis zu 15 Metern waren Investitionen und Umbauten im Unternehmen notwendig, um vor allem fertigungstechnische und logistische Begrenzungen zu überwinden. Welche Investitionsprojekte haben Sie dafür umgesetzt? In den vergangenen acht Jahren haben wir über 12 Mio. Euro in unserem Unternehmen investiert. Highlight des Jahres 2021 war eine neue Schleifmaschine für einen Durchmesser von 1.000 mm bei einer Spitzenweite von 13.500 mm und eine neue Wuchtbank für große Rotoren oberhalb 30 to Gewicht. Der Erweiterungsbau unserer Halle 4 ist abgeschlossen. Hier führen wir die Finisharbeiten, Schleifen, Wuchten, Montage und Versand an unseren Produkten durch. Im Gegenzug haben wir alle Langdrehmaschinen in eine andere Halle (Halle 1) verlegt und hoffen dadurch, aufgrund einer verbesserten innerbetrieblichen Logistik, unsere Effizienz verbessern zu können. Zusätzlich wurde im Werk 2 in Düren eine Großdrehbank installiert. Auf dieser CNC-Maschine können wir Bauteile bis zu einem Durchmesser von 1.880 mm bei einer Spitzenweite von 12.000 mm drehen. Aktuell beginnen wir mit den Bauarbeiten für eine neue Schweißtechnik. Sind Sie gestärkt aus diesem Prozess hervorgegangen? Traditionell gehören wir zu den führenden Herstellern für Walzen und Spezialist für rotations-symmetrische Bauteile in Europa. Durch die zielgerichteten Investitionen ist es uns gelungen, eine Produktschärfung, beispielsweise hinsichtlich der Trockenzylinder, vorzunehmen und unsere Systemkompetenz zu erhöhen. Wir sind zu einem Partner für Großprojekte in der Papier- und Zellstoffindustrie geworden, ohne den Blick auf das kleinere Einzelstück zu verlieren. Die Stabilitäts- und Kompetenzsteigerung in den Bereichen Technologie, Fertigung und Vertrieb ermöglichen es uns mittlerweile, andere Wachstumsmärkte gezielt zu beobachten und über neue Technologien und Anwendungsgebiete nachzudenken. Als Beispiel kann hier die Digitalisierung genannt werden. CARLota (Laser Optical Test and Assessment) Heizwalze für Papiermaschinen-Bespannungen (15 m lang). Wochenblatt Papierfabrikation 4.2022 16 INTERVIEW

Wie erfolgte der Start in Richtung Digitalisierung? Der Start ist nicht einfach und von vielen Schleifen, nicht Rückschlägen, begleitet. Sie müssen gedanklich versuchen Dinge aus dem „bekannten digitalen Leben“ auf „dieWalze „ zu übertragen. Daraus folgte der erste Ansatz zur Entwicklung eines Sensors zur Erfassung von Betriebsdaten nicht ortsfester Walzen, wie sie z.B. in der Papierindustrie eingesetzt werden. Der Sensor soll die vorbeugende Instandhaltung unterstützen und gleichzeitig die Sicherheit in der Papierfabrik erhöhen. Den carl, wie wir den Sensor nennen – das steht für Computer-Aided-Roller-Logger – haben wir schon vor längerer Zeit vorgestellt, um zu sehen, wir die Resonanz darauf ausfällt. In diesem Jahr werden die ersten Systeme in den Echtbetrieb gehen. Wir arbeiten in der Entwicklung mit der Fachhochschule Aachen zusammen und der Sensor ist inzwischen auch Gegenstand eines Förderprojektes. Zukünftig verfügen alle von Ihnen gebauten Walzen über eine eigene Kennzeichnung. Ja, früher als der Sensor ist ein „Tag“, den wir carlexa nennen in den Markt gekommen, eine Art Etikett für die Walze. Seit Oktober 2021 statten wir die ersten Walzen mit diesem Tag aus. Das geht in Richtung IOT, also Internet of Things und soll sukzessive noch in diesem Jahr für alle Walzen aus der eigenen Herstellung eingeführt werden. Welche Möglichkeiten ergeben sich für den Nutzer? carlexa ist der Grundbaustein der carlSensorfamilie für die Digitale Walze. Über carlexa stellen wir auf dem Tag (QR und/ oder RFID) gespeicherte Daten zur Verfügung, die ohne Internetverbindung ausgelesen werden können. Damit kann der Nutzer auch am entferntesten Ort der Fabrik wesentliche Walzendaten abrufen und die Walze für innerbetriebliche Einsätze zuverlässig erfassen und bereitstellen. Die Markierung erlaubt, dass jedermann z. B. mit Hilfe eines Smartphones, die Basisdaten des Bauteils auslesen kann, also z. B. den Hersteller, das Baujahr und die zugehörige Auftragsnummer. Das Risiko des unkontrollierten Zugriffs auf Firmennetzwerke wird vermieden. Für registrierte Nutzer, also unsere Kunden, sind dann in Zukunft aber weitere Daten einsehbar, wie z. B. die Zeichnung oder Materialprüfzeugnisse. Hier bewegen wir uns im Bereich dessen, was man auch unter dem Schlagwort Digitaler Zwilling versteht und in der Konsequenz Cloud-Dienste bedingt. Die carl-Sensorfamilie wächst weiter. In Zusammenarbeit mit unseren Kunden haben wir nach neuen Möglichkeiten gesucht, geschliffene Walzenoberflächen auf Fehlstellen zu prüfen. Unsere Mitarbeiter aus den Innovationsteams haben eine Lösung erarbeitet, die wir #carlota nennen: Laser Optical Test and Assessment. Dabei führen wir ein Lasersystem gezielt über Walzenoberflächen und ermitteln auf Basis eines Algorithmus Fehlstellen in der Walzenoberfläche. Das System ist parametrierbar und kann dadurch nahezu alle Walzen hinsichtlich der geforderten Eigenschaften untersuchen. Für die Prüfung der Oberfläche eines Stahltrockenzylinders mit ca. 10 Meter BalDas U30-Team; oben: Sven und David (beide aus der CNC-­ Zerspanung); unten: Marcel (Ver trieb), Daniel und Sebastian (3d-Konstruktion); Alexander (Ver trieb) und Marvin (3d-Konstruktion); es fehlen: Manuel (Wucht technik) und Marcel (Fer tigungsorganisation). Blick in die Halle 4: Der Erweiterungsbau abgeschlossen. Wochenblatt Papierfabrikation 4.2022 17 INTERVIEW

Im Werk 2 in Düren wurde eine Großdrehbank installier t lenlänge benötigen wir 30 Minuten. Dabei erzeugen wir mehrere 10-Millionen Bildpunkte, die für spätere Kontrollen archiviert werden. Ich empfehle zur Verdeutlichung ein Video auf unserem YouTube Kanal: www.youtube.com/channel/UCmOARE3VNquETnDztL8cDLQ #carlota steht im Kontext zur #carl Sensorfamilie (Computer Aided Roller Logger) und #carlexa und wir prüfen gerade, ob es Online-Anwendungen in der Papierindustrie gibt. Welchen Zusatzservice bieten Sie an? Um die Handhabung zu erleichtern und das Angebot für die Kunden nach und nach auszuweiten, haben wir eine eigene „mykrafftroller“ App in Vorbereitung. Sie ist die Basis für einen Cloud-Service, der ab Sommer 2022 verfügbar sein soll. Die App soll nicht nur den Zugang zu Daten ermöglichen, sondern auch die Kommunikation zwischen dem Walzenanbieter und seinen Kunden auf eine neue Basis stellen. Damit einhergehen dann auch erhebliche Veränderungen in der internen Arbeitsweise, wovon man sich eine schnellere Abwicklung von Kundenanfragen, die Vermeidung von Fehlern und grundsätzlich die Ausweitung der zur Verfügung stehenden Datenbasis erhofft – „Big Data“ sozusagen, ein gewaltiger Begriff, den man sich kaum traut in Verbindung mit Walzen auszusprechen. Sehen Sie weitere Ansätze für die Digitalisierung? Die Digitalisierung soll auch in der Organisation der Fertigungsabläufe und vor allem der Qualitätssicherung der Papierindustrie Einzug halten. Für einen Betrieb, der nicht in Großserien denkt oder einer gleichbleibenden Fließband-Fertigung organisiert ist, sind solche Themen nicht selbstverständlich und sehr aufwendig. Allerdings haben wir auch hier Ideen, die zukünftig in eigene Produkte umgesetzt werden könnten. www.krafft-walzen.com Über KRAFFT krafft ist einer der führenden Hersteller für Walzen und Spezialist für rotations-symmetrische Bauteile in Europa. Das Know-how aus dem Anlagenbau für die Papier- und Pappenerzeugung wurde konsequent auf neue Produkte und Produktbereiche ausgerichtet: — krafft Walzen – krafft Rollers die Kernmarke des Unternehmens für Walzen, Zylinder und Trommeln — krafft Pulleys Trommeln für die Förderung von Schüttgütern als Antriebs-, Spann-, und Umlenktrommel in Förderbandanlagen — krafft Turning Technologies Drehteile und Großdrehteile für Anwendungen im Anlagen- und Maschinenbau, Wickeldorne und Wellen — krafft Engineering Engineering und Projektierung, TurnKey Systeme — krafft Services Servicedienstleistungen, Reparatur, Montage Ich denke wir gehen gerade sehr mutig und offensiv an diese Themen ran und freuen uns gewaltig, wenn dieser Mut für uns alle belohnt wird. Wochenblatt Papierfabrikation 4.2022 18 INTERVIEW

Die Gedenknoten von Guatemala und Honduras wurden als „Regional Banknote of the Year“ ausgezeichnet. S. 24 Giesecke+Devrient Der Nachhaltigkeitsbericht zeigt die Ausrichtung der Leistungen nach einem ökonomisch, ökologisch und sozial verantwortlichen Leitbild. S. 26 Koehler-Gruppe Trotz seiner Kompostierbarkeit ist dieses Haftmaterial genauso hochwertig zu bedrucken und genauso einfach zu stanzen wie konventionelles Haftmaterial. S. 28 HERMA Wochenblatt Papierfabrikation 4.2022 23 SPEZIALPAPIERE

Die lateinamerikanischen Staaten Guatemala und Honduras haben zum 200. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit jeweils eine Gedenknote herausgegeben. Beide von Giesecke+Devrient (G+D) hergestellten Noten wurden jetzt auf der „High Security Printing“-Konferenz Latin America in Mexiko City als „Best Regionale Banknote des Jahres Bilder: G+D Detailansicht der Fadenfenster mit registrier tem Galaxy-Faden auf der 200 Lempiras Banknote aus Honduras Die 200 Lempiras Banknote aus Honduras in der Vorderansicht Auszeichnung für von G+D hergestellte Gedenknoten für Guatemala und Honduras Die Gedenknoten von Guatemala und Honduras wurden auf der aktuell in Mexiko City stattfindenden Branchen-Konferenz High Security Printing Latin America als „Regional Banknote of the Year“ ausgezeichnet. Die Auszeichnung würdigt herausragende Leistungen im Hinblick auf Design, technische Exzellenz und die Sicherheit einer Banknote oder einer Banknotenserie. Wochenblatt Papierfabrikation 4.2022 24 SPEZIALPAPIERE

lichen und präzise positionierten Fenstern enthält. Bei der registergenauen Einbringung des Fadens im Papier wird jedem Fadenfenster ein bestimmtes Motiv zugeordnet, wodurch Faden und Banknotendesign genau aufeinander abgestimmt werden können. Beim Kippen des Lempira-Geldscheins ändert sich die Ansicht im oberen und unteren Fenster von der Zahl 200 zu dem Bild einer Glocke und zurück. Im mittleren Fenster sind ein spezielles Papierpergament (Pergamino) und ein Federkiel abgebildet. Zudem enthalten alle drei Fenster einen dynamischen Kreis, der sich unter der Oberfläche zu bewegen scheint. Auf diese Weise wird der registrierte Faden als Teil des Hauptmotivs harmonisch und zugleich auffallend in die Banknote integriert. G+D produzierte 25 Millionen der 20-Quetzales-Banknoten Guatemalas, von der honduranische 200-Lempiras-Banknote wurden 50 Millionen Exemplare hergestellt. „Wir beglückwünschen unsere Zentralbank-Partner in Guatemala und Honduras zur Auszeichnung für ihre Gedenknoten“, so Clemens Berger, Vorsitzender der Geschäftsführung von Louisenthal. „Sie sind ein Paradebeispiel dafür, wie Sicherheit und Designsprache gleichermaßen durch die zugrunde liegende Technologie auf ein neues Niveau gehoben werden können.“ Über Giesecke+Devrient Giesecke+Devrient (G+D) ist ein weltweit tätiger Konzern für Sicherheitstechnologie mit Hauptsitz in München. Als Partner von Organisationen mit höchsten Ansprüchen schafft G+D mit seinen Lösungen Vertrauen und sichert essentielle Werte. Die innovative Technologie des Unternehmens schützt physisches und digitales Bezahlen, die Konnektivität von Menschen und Maschinen, die Identität von Personen und Objekten sowie digitale Infrastrukturen und vertrauliche Daten. G+D wurde 1852 gegründet. Im Geschäftsjahr 2020 erwirtschaftete das Unternehmen mit rund 11.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen Umsatz von 2,31 Milliarden Euro. G+D ist mit 74 Tochtergesellschaften und Gemeinschaftsunternehmen in 32 Ländern vertreten. www.gi-de.com Commemorative Banknote“ ausgezeichnet. Die Auszeichnung wird nach den Kriterien herausragendes Design, technische Raffinesse und höchste Sicherheitsstandards vergeben. Die prämierten Noten sollen künstlerische Ansprüche mit Exzellenz bei Technik und Sicherheit verbinden, und dabei die kulturellen Hintergründe des Landes auf ansprechende Art reflektieren und sichtbar machen. Galaxy Thread für Lempira- und Quetzales-Banknoten Honduras hat die Sonderserie der 200-Lempiras-Banknote am 21. Juli 2021 in Umlauf gebracht, Guatemala startete am 6. September 2021 die Serie der 20-Quetzales-Banknoten. „Die von uns produzierten Banknoten sind dem besonderen Anlass entsprechend äußerst aufwendig gestaltet und State-of-the-Art in Bezug auf die sicherheitstechnische Ausstattung“, betont Werner Reisch, gesamtverantwortlich für den Banknotenvertrieb bei G+D. Beide Gedenknoten nutzen in das Papier eingebettete Sicherheitselemente – Fäden, Folien und Wasserzeichen – von Louisenthal, einem Tochterunternehmen von G+D. Bei der GalaxyTechnologie der Sicherheitsfäden kommen Millionen von Mikrospiegeln pro Quadratzentimeter zum Einsatz. Sie erzeugen Farbwechsel und dynamische Reflexionen, die sich zu bewegen scheinen, sobald sich der Kippwinkel der Banknoten verändert. Zudem sind damit 3D-Effekte möglich, die zum Beispiel Wölbungen oder eine Verschiebung räumlich wirkender Objekte erscheinen lassen. Diese Hightech-Sicherheitselemente werden zusätzlich mit der Cleartext-Technologie kombiniert, bei der vorab aufgetragene Schichten stellenweise wieder entfernt werden. So alterniert der Text bei der Quetzales-Banknote je nach Kippwinkel zwischen der Zahl 20 horizontal und BG (für Banco de Guatemala) vertikal. Weltneuheit zum 200-jährigen UnabhängigkeitsJubiläum Die 200-Lempiras-Banknote (Honduras) ist die erste Banknote der Welt, die einen registrierten Galaxy-Faden mit unterschiedDie 20-Quetzales-Banknote aus Guatemala in der Vorderansicht / Rückansicht Wochenblatt Papierfabrikation 4.2022 25 SPEZIALPAPIERE

RkJQdWJsaXNoZXIy MTA3MTYwNg==