Neue internationale Norm
Spaltfestigkeit von Hülsenkarton

Mittwoch, 18. Oktober 2017 Unter dem Titel „Papier und Pappe – Bestimmung der Spaltfestigkeit“ wurde im Juni 2017 die international gültige DIN ISO 16260 veröffentlicht. Dadurch wird eine klare Grundlage für die gesamte Hülsenbranche geschaffen.

Messung der Spaltfestigkeit
© Foto: Pingen
Messung der Spaltfestigkeit

Defizite der bisherigen Norm

Die bisher vielfach verwendete Tappi-Norm lässt enorme Spielräume bei der Prüfung der Spaltfestigkeit zu. So kamen Prüfgeräte auf den Markt, die zwar der Tappi-Norm entsprachen aber dennoch zu unvertretbaren Abweichungen vom klassischen Scott Bond Gerät führten. Neben dem Prüfgerät selbst waren darüber hinaus die Prüfbedingungen (z.B. das Klebeband) unzureichend beschrieben. Prüfergebnisse waren nur schwer miteinander vergleichbar. Vergleichsmessungen und Ringversuche ergaben enorme Schwankungsbreiten. Auf dieser Basis war eine angemessene Klassifizierung der Kartonqualitäten zwischen Kunde und Lieferant kaum darstellbar.

Unter dem Dach der Vereinigung Pack- und Wellpappenpapiere des VDP wurde eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen. Sie hat diesen Missstand erkannt und gehandelt. Die fachlich qualifizierte Auseinandersetzung mit diesem Thema mündete letztlich in einem Normungsprozess unter dem Dach von DIN und ISO. Die Arbeitsgruppe, die sich aus renommierten Unternehmen zusammensetzte, wurde maßgeblich durch die Unternehmen Paul & Co und Julius Schulte Söhne gesteuert. Sie erhielt qualifizierte Unterstützung durch die Papiertechnische Stiftung (PTS) und den Prüfgerätehersteller emco GmbH, Leipzig.

Neue Rahmenbedingungen für die Spaltfestigkeitsprüfung

Es wurde ermittelt, dass die richtige Wahl des Klebebandes, die Anpressbedingungen, die korrekte Pendelgeometrie usw. einen enormen Einfluss auf das Prüfergebnis haben. In vielen Versuchen und Tests wurden geeignete Rahmenbedingungen für die Spaltfestigkeitsprüfung ermittelt. Es wurde ermittelt, welche Prüfgerätekonstruktion geeignet ist. Es konnte nachgewiesen werden, dass ein geeignetes Prüfgerät in Kombination mit geeigneten Prüfbedingungen zu verlässlichen Ergebnissen führt. Die Vergleichbarkeit der Ergebnisse von Labor zu Labor kann so auf ein angemessenes Niveau gehoben werden.

Das Resultat ist eine deutlich verbesserte Geschäftsgrundlage für die Hersteller von Hülsen und deren Lieferanten für Hülsenkarton. Gleiches gilt auch für andere Papiersorten. Allen Unternehmen, für die die Prüfung der Spaltfestigkeit bedeutsam ist, wird empfohlen, ab sofort auf der Grundlage dieser Norm zu arbeiten. Die Norm kann beim Beuth Verlag Berlin bezogen werden. Bei Bedarf können weitere Informationen bei den Verfassern dieser Nachricht eingeholt werden.

Jürgen Richard, Paul & Co GmbH & Co. KG, www.paulundco.de
Georg Pingen, Julius Schulte Söhne GmbH & Co. KG, www.jssd.de
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