TÜV Nord
Neuer Schallprüfstand in Essen eröffnet

Dienstag, 04. Juli 2017 Ist der Kühlschrank leise genug für das Prüfsiegel „Blauer Engel“? Ist der Lärm der Schlagbohrmaschine noch im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben? Dämmen die geplanten Fensterelemente den Verkehrslärm hinreichend ab? Diese und andere Fragen klären Marc Leisegang, Gruppenleiter Immissionsschutz bei TÜV NORD, und sein Team im neuen Schallprüfstand in Essen.

Im reflexionsarmen Raum bespricht Marc Leisegang die Einrichtung der Mikrofone mit einer Kollegin.
© Foto: TÜV NORD/Udo Geisler
Im reflexionsarmen Raum bespricht Marc Leisegang die Einrichtung der Mikrofone mit einer Kollegin.
Die Experten prüfen hier sowohl die Lärmemissionen als auch die Schallabsorption diverser Geräte, Materialien und Bauelemente.

Ob eine Überprüfung der Lärmemission von Geräten oder die Kontrolle der Schallisolierung bestimmter Dämmmaterialien: Der modernisierte und erweiterte Schallprüfstand von TÜV NORD bietet ein breites Repertoire an Prüfverfahren im Bereich des Schallschutzes. Die Anlage setzt sich aus einem Wand-­ und Fensterprüfstand, einem Hallraum und einem reflexionsarmen Raum zusammen. Eine Normdecke für Trittschallprüfungen vervollständigt das Angebot.

Getestet werden neben Wandbehängen, Fenstern, Türen und Toren unter anderem auch Schallschutzwände oder Dämmung für Schiffsschotten. Zusammen mit DMT, einem Unternehmen der TÜV NORD GROUP, können auch Bauteilprüfungen im Bereich Akustik als Paket mit Brandschutzprüfungen angeboten werden. „Das ist besonders für Hersteller eine sinnvolle Ergänzung“, so Leisegang.

Ein Raum im Raum: der Wand-­ und Fensterprüfstand

Im Wand-­ und Fensterprüfstand dreht sich alles um Dämmung: In die Zwischenwand zweier voneinander entkoppelter Räume wird das zu testende Prüfobjekt eingebaut. Im ersten, dem Senderaum, gibt ein Lautsprecher das Testgeräusch wieder und ein Mikrofon dokumentiert den ausgehenden Geräuschpegel. Im zweiten, dem Empfangsraum, misst ein Mikrofon, das sich um die eigene Achse dreht, den ankommenden Schall aus allen Richtungen. „Damit sich der Schall nicht am Objekt vorbeibewegt, sind die Räume komplett als Raum-­in-­Raum-­System konzipiert und lagern schwingungsentkoppelt auf Elastomeren, dicken Gummikissen“, beschreibt Leisegang.

Allround-­Sound: der Hallraum

Wie der Name es bereits vermuten lässt, erzeugen im Hallraum alle Geräusche einen extremen Nachhall. Hier wird unter anderem die Wirkung von Absorptionselementen, wie beispielsweise Wandbehängen oder speziell gepolstertem Büromobiliar, geprüft. „Um den Schall gleichmäßig zu verteilen, befinden sich an der Decke des Raums weiße Segel“, erläutert Leisegang die technische Umsetzung. Die mit Epoxidharz versiegelten Wände wirken stark schallreflektierend.

In Stille gehüllt: der reflexionsarme Raum

Das Gegenstück zum Hallraum ist der reflexionsarme Raum, auch Freifeldraum genannt: Überall an den Wänden verteilt schlucken hunderte kleiner und großer Schaumstoffspitzen möglichst viel Schall. Gemessen wird hier der Geräuschpegel, den ein Prüfobjekt selbst erzeugt. Neun von der Decke hängende Mikrofone werden um das Prüfobjekt herum angeordnet. Typische Prüfobjekte sind Elektrogroßgeräte, Werkzeuge, Garten-­ und Bürogeräte.

Diese und andere Haushaltsgeräte werden für gewöhnlich beim Hersteller selbst getestet. „Für manche Prüfleistungen reicht das aber nicht aus und es müssen unabhängige, akkreditierte Prüfer zurate gezogen werden. Das ist beispielsweise der Fall, wenn es darum geht das Prüfsiegel „Blauer Engel“ zu vergeben“, so Leisegang. Dasselbe gilt, wenn die Einhaltung bestimmter Normen belegt werden soll. In diesen Fällen muss eine externe Prüfinstanz, wie zum Beispiel TÜV NORD, hinzugezogen werden.

www.tuev-­nord-­group.com





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