Gute Nachrichten für alle Ingenieure
VDI meldet Anstieg der Ingenieureinkommen im Jahr 2016

Donnerstag, 13. Juli 2017 Absolventen technischer Fächer sind gefragt. Wer Ingenieurwissenschaften studiert, der hat gute Aussichten auf ein stattliches Gehalt. Ingenieure gehören zu den gesuchten Spezialisten auf dem Arbeitsmarkt, damit zu den Besserverdienern.

Die Ingenieurgehälter sind 2016 weiter angestiegen.
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Die Ingenieurgehälter sind 2016 weiter angestiegen.
Die Ingenieureinkommen sind auch 2016 wieder gestiegen. Wichtige Faktoren beim Gehalt sind Branche, Unternehmensgröße, Abschluss und vieles mehr. Lesen Sie ein Interview, geführt von Claudia Wiegner-Ruf mit Ulrike Gläsle vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI), die den Gehaltstest verantwortet.

Frau Gläsle, Sie haben über die Jahre durch die Einkommensstudie ein großes Erfahrungswissen was Ingenieurgehälter betrifft. Wie sah es im Jahr 2016 mit der Einkommensentwicklung aus? Bei Ingenieuren mit Berufserfahrung – welche Bereiche liegen vorne?
Die Ingenieurgehälter entwickelten sich positiv. 2016 stiegen die Gehälter für Berufserfahrene im Schnitt um 1,6% auf 61.600 EUR.
Die höchsten Einkommen erzielten 2016 Ingenieure in der Chemie- und Pharmaindustrie (83.000 EUR), in der Automobilindustrie (67.500 EUR), der Energiewirtschaft (64.900 EUR) und der Informationstechnologie (63.700 EUR). Es folgen die Ingenieure im Maschinen- und Anlagenbau (jeweils 62.700 EUR) und der Elektroindustrie (61.100 EUR). Am wenigsten verdienten Ingenieure in Ingenieur- und Planungsbüros (50.500 EUR) und im Baugewerbe (50.400 EUR).

Was sind denn die wichtigsten Einflussfaktoren auf die Höhe des Gehalts?
Ausschlaggebend für die Höhe des Gehalts sind an erster Stelle die Berufserfahrung und die Mitarbeiterverantwortung. Aber auch die Unternehmensgröße spielt eine Rolle.

Wie ist die Entwicklung bei den Einstiegsgehältern für Ingenieure?
Die Gehälter für Berufseinsteiger legten in 2016 um 2,3% kräftig zu. Seit vielen Jahren bietet die Chemie- und Pharmaindustrie mit 51.200 EUR die besten Einstiegsgehälter knapp gefolgt von der Automobilindustrie mit 50.300 EUR.

Wie machen sich denn unterschiedliche Abschlüsse beim Einstiegsgehalt bemerkbar?
Interessanterweise liegen die Gehälter von Master-Absolventen (UNI/TH) mit rund 48.000 EUR gleichauf mit den Master-Absolventen FH. Hier führt die unterschiedliche Hochschulausbildung nicht zu einer Differenzierung. Es ist zu vermuten, dass mit der Höhe des Gehalts die praxisnahe Ausbildung der FH-Absolventen honoriert wird. Bachelor-Absolventen FH liegen dagegen mit 43.300 EUR, das sind rund 5.000 EUR weniger, deutlich drunter. Nicht zu unterschätzen ist auch die Größe des Unternehmens, die einen wesentlichen Einflussfaktor darstellt. Bei Firmen mit mehr als 5.000 Mitarbeitern liegt das Durchschnittsgehalt bei rund 51.700 EUR. Unternehmen bis zu 50 Mitarbeiter zahlen im Schnitt mit rund 42.600 EUR rund 9.000 EUR weniger.

Gehaltsverhandlungen verlangen Fingerspitzengefühl. Worauf ist vor allen Dingen zu achten?
Berufsanfänger überschätzen häufig ihren Verhandlungsspielraum. Hier gilt es die Spielregeln zu kennen, ein Verhandeln wie auf dem Basar ist unangebracht. Ausgeschriebene Positionen sind entsprechend der Bewertung der erforderlichen Qualifikationen und Kenntnisse in die Vergütungsstruktur eines Unternehmens eingruppiert. Auch die Tarifverträge sind in der Regel maßgebend. Kleine Abweichungen nach oben oder unten sind immer möglich. Zu große Abweichungen würden den sozialen Frieden im Unternehmen stören, daher ist hier der Spielraum begrenzt.

Anders sieht dies bei Ingenieuren mit Berufserfahrung aus. Personal-Entscheider erwarten eine realistische Einschätzung des eigenen Marktwerts. Hierbei sind Berufserfahrung, das vorhandene Know-how und z. B. im Vertrieb, die eingebrachten Kontakte, maßgebend. Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Ein Wechsel ohne Not sollte in der Regel einen Gehaltssprung von 5-10%
bringen.

Und Achtung: Lassen Sie sich nicht von den hohen Gehältern in den Metropolen blenden. Die Bewertung der Lebensqualität ist eine sehr individuelle Angelegenheit. Während bei dem einen die Höhe des Gehalts eine große Rolle spielt, sind dem anderen vielleicht die Themen Wohnen im eigenen Haus, die Lebenshaltungskosten, das landschaftlich reizvolles Umfeld, der Freizeitwert wichtig.
Es gilt, diese Faktoren im eigenen Wertesystem abzuwägen und daraus auch realistische Ziele für die Gehaltsverhandlung abzuleiten. Eine realistische Einschätzung bietet unser Online-Gehaltstest unter www.ingenieurkarriere.de/gehaltstest

Vielen Dank für das Interview.



www.vdi.de

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